Was tun, wenn Sie einen Mitarbeiter nicht ausstehen können?

Führung:

Von Amy Gallo
4. Oktober 2013

Gegen den Strom: Es kommt vor, dass Manager manche Mitarbeiter sympathischer finden als andere
Corbis

Gegen den Strom: Es kommt vor, dass Manager manche Mitarbeiter sympathischer finden als andere

Die Klagen über inkompetente Chefs oder dysfunktionale Kollegen sind weit verbreitet. Aber was ist eigentlich mit nervigen direkten Untergebenen? Was können Sie tun, wenn einer Ihrer Mitarbeiter Sie schier in den Wahnsinn treibt? Wenn es dabei um Leistung geht, mag es Möglichkeiten geben, das Problem direkt anzugehen. Aber wie sieht es aus, wenn einfach die Chemie nicht stimmt? Können Sie ein guter Chef für jemanden sein, mit dem Sie lieber nicht zu Mittag essen wollen? Oder müssen Sie lernen, alle Mitglieder Ihres Teams gleichermaßen zu mögen?

Die Sicht der Experten

Natürlich wäre Ihr Job deutlich einfacher, wenn Sie tatsächlich jeden im Team sympathisch fänden. Aber das muss nicht unbedingt auch das Beste für Sie, die Gruppe oder das Unternehmen sein. "Dass sich alle untereinander mögen, ist nicht unbedingt eine Voraussetzung für den Erfolg einer Organisation", sagt Ben Dattner, Organisationspsychologe und Autor des Buches "The Blame Game". Ähnlich sieht das Robert Sutton, Professor für Management und Ingenieurswesen an der Stanford University, Autor von "Good Boss, Bad Boss" und zusammen mit Huggy Rao Co-Autor des für kommenden Februar angekündigten Buches "Scaling up Excellence": "Es gibt eine Liste von Dingen, die dafür sorgen, dass Sie Menschen mögen, und es gibt eine Liste dazu, was Gruppen effektiv macht. Auf diesen beiden Listen stehen unterschiedliche Dinge". Ein Team nur aus Leuten zusammenzustellen, die Sie auch zum Grillen im heimischen Garten einladen würden, ist weder möglich, noch ist es wirklich wünschenswert. Trotzdem kann es zu ernsten Problemen führen, wenn Sie einen Mitarbeiter wirklich ablehnen. Bewusst oder unbewusst könnten Sie dann Fehler beim Management machen oder ihn unfair behandeln, so dass Sie nicht sehen, welche Vorteile er eigentlich für das Team hat. Im Folgenden beschreibe ich, wie Sie einen Mitarbeiter, den Sie nicht mögen, so managen, dass er seine bestmögliche Leistung erbringen kann.

Sehen Sie Antipathie nicht negativ

Sie mögen wegen seiner schlechten Scherze mit den Augen rollen oder hassen, wie er am Schreibtisch vor sich hin pfeift. Trotzdem muss es nichts Schlimmes sein, wenn Sie einen direkten Untergebenen nicht sympathisch finden. "Aus Performance-Sicht ist es kritischer, wenn Sie Mitarbeiter zu sehr mögen, als wenn Sie sie zu wenig mögen", sagt Sutton. Diejenigen Mitarbeiter, deren Nähe Sie schätzen, sind wahrscheinlich diejenigen, die nett auftreten, keine schlechten Nachrichten übermitteln und sich bei ihnen einschmeicheln. Oft sind es aber eher Mitarbeiter, die Sie provozieren oder in Frage stellen, die neue Erkenntnisse einbringen und damit der Gruppe zum Erfolg verhelfen. "Man braucht Leute, die andere Sichtweisen haben und keine Angst davor, mit Ihnen zu streiten", sagt Sutton. "Genau solche Leute halten Organisationen davon ab, dumme Dinge zu tun".

Konzentrieren Sie sich auf sich selbst

Trotzdem können die Tage schon mal lang werden, wenn Sie es dauernd mit jemandem zu tun haben, den Sie nicht mögen. Entscheidend ist dann, dass sie lernen, mit Ihrer Frustration umzugehen. Denken Sie nicht ständig daran, wie lästig diese Person ist: Konzentrieren Sie sich lieber darauf, warum Sie so reagieren, wie Sie reagieren. "Die Leute haben den Knopf nicht geschaffen, sie drücken nur drauf", erklärt Dattner. Er regt an, sich selbst die folgenden Fragen zu stellen:

  • Liegt das Problem an der Person selbst oder erinnert sie mich an jemanden? Dattner: "Manchmal hat man einen kompetenten Mitarbeiter, der aussieht wie ein ungeliebter Onkel, und schon kann er nichts mehr richtig machen".
  • Fürchte ich, der Person ähnlich zu sein? Wenn jemand zum Beispiel ständig Leute unterbricht, und Sie ahnen, das selbst auch zu tun, reagieren Sie vielleicht übertrieben.
  • Gehört die Person zu einer Gruppe, mit der ich Probleme habe? Diese Frage rührt an viele Vorurteile und mögliche rechtliche Themen. Trotzdem sollten Sie in Bezug auf mögliche Voreingenommenheit ehrlich zu sich sein. "Versuchen Sie zu entwirren, wofür diese Person für Sie steht", rät Dattner.

"Sie müssen nicht gleich eine Therapie machen, um das herauszufinden. Seien Sie aber ehrlich zu sich selbst, welche Situationen und Eigenschaften Sie ärgern", sagt Dattner. Wenn Sie die Auslöser gefunden haben, die Ihre Gefühlslage verkomplizieren, schaffen Sie es vielleicht schon, milder zu reagieren. Denken Sie daran: Es ist viel einfacher, die eigene Perspektive zu verändern, als eine fremde Person.

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