Warum Gründer sich selbst entlassen sollten

Strategie:

Von Kerrie MacPherson
22. Oktober 2013

Entrepreneure: Die Herausforderung besteht darin, früh loszulassen
Corbis

Entrepreneure: Die Herausforderung besteht darin, früh loszulassen

Wer ein Unternehmen gründet, kümmert sich meist erst einmal um alles: um den laufenden Betrieb und die Buchführung ebenso wie um Verkaufsanrufe. Wenn das Geschäft dann jedoch wächst, ist es für den Eigentümer äußerst ratsam, sich selbst aus immer mehr von diesen Rollen zu verabschieden. Es kann eine Herausforderung sein, sich von irgendetwas zu lösen, das wichtig für den eigenen Erfolg sein könnte. Doch alle erfolgreichen Unternehmer haben gelernt, sich selbst überflüssig zu machen - Serien-Unternehmer sehen darin sogar eine ihrer besonderen Stärken.

Warum sollten Gründer sich damit beeilen, wichtige Arbeit abzugeben? Ganz einfach: Wer sich als Unternehmer mit einem Team für operative Aufgaben umgibt, verschafft sich selbst mehr Zeit, um sich um strategische Prioritäten und noch ehrgeizigere Ziele zu kümmern.

Das von mir betreute Programm "EY Entrepreneurial Winning Women" ist darauf ausgelegt, von Frauen gegründete Unternehmen mit hohem Potenzial zu identifizieren und den Gründerinnen zu helfen, mit den Unternehmen zu wachsen. Zu den Prioritäten zählt es, den Teilnehmerinnen den Prozess der Selbstkündigung beizubringen. "Man kann den Weg zum Wachstum nicht mittels Mikromanagement gehen", sagt Mary Jo Gorman, Gründerin und CEO von Advanced ICU Care, einem Anbieter von hochwertiger Versorgung von Patienten auf Intensivstationen, die zum Jahrgang 2011 von Entrepreneurial Winning Women gehörte. Dabei geht es um mehr als nur um bloßes Delegieren, so Gorman: "Es geht darum, ein Team aufzubauen, mit dessen Hilfe Sie sich weniger mit alltäglichen Fragen beschäftigen müssen und das mit neuen Ideen zu Ihnen kommt".

Dieser Aspekt passt gut zu drei Alarmsignalen, auf die zu achten wir unseren Entrepreneuren raten. Sie verbringen wahrscheinlich zu viel Zeit in Ihrem Unternehmen statt für es, wenn Sie…

  • …allmählich von kleinen Fragen der Büro-Organisation erdrückt werden, die Ihre Aufmerksamkeit vom großen Bild ablenken.
  • …niemanden haben, der Ihre Überlegungen in Frage stellt, weil Sie der einzige sind, der alle Antworten kennt.
  • …sich nicht regelmäßig selbst in Frage stellen.

"Der ganze Übergang von Arbeiten im Unternehmen hin zum Arbeiten für das Unternehmen läuft darauf hinaus, auf Tätigkeiten zu verzichten, mit denen Sie sich wohl fühlen", sagt Gorman. Man müsse sich schlicht zwingen, die ganze Zeit im großen Rahmen zu denken und sich ständig selbst zu hinterfragen.

Was also sollten Sie tun, um den Übergang von einem Ein-Mann-Betrieb zum Chef eines wachstumsstarken Unternehmens zu meistern? Die folgenden sechs Tipps können helfen, wenn Sie mit dem Aufbau eines Teams beginnen - und damit, sich selbst zu entlassen.

1. Legen Sie fest, was nur Sie selbst erledigen wollen: Ihre Zeit und Aufmerksamkeit sollten für die wenigen Dinge reserviert sein, die nur Sie selbst übernehmen können. Für viele Entrepreneure bedeutet das, sich auf die viel versprechendsten Verkaufs- und Marketing-Chancen zu konzentrieren - also wichtige Interessenten zu treffen und Märkte für Ihre Produkte oder Dienstleistungen aufzubauen. Wenn auch Sie sich darauf konzentrieren müssen, das Gesicht des Unternehmens nach außen zu sein, sollten Sie sich für die anderen Aufgaben die Hilfe anderer holen.

2. Konzentrieren Sie sich auf Wachstum: Wenn Sie Mitarbeiter geholt haben, die sich um Aufgaben wie Buchhaltung oder Büro-Administration kümmern, nehmen Sie sich die Freiheit, sich stärker auf die für das Wachstum des Unternehmens entscheidenden Tätigkeiten zu konzentrieren. Und übrigens: Auch bei wachstumsorientierten Aktivitäten werden Sie vielleicht feststellen, dass Sie diese Aufgaben anderen überlassen können und sollten - etwa im Fall von Beratungsdiensten.

3. Den Rahmen vorgeben: Legen Sie von Anfang an klare Ziele und Verantwortlichkeiten fest, wenn Sie delegieren und sorgen Sie dafür, dass jeder Mitarbeiter sie versteht. Andernfalls kann es passieren, dass Sie zu viel Zeit mit dem Betreuen von Personal verbringen und zu wenig mit der Planung des nächsten Wachstumsschritts.

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