Macht ist... Mark Zuckerberg

Umfrage:

11. Dezember 2018
Harvard Business Manager

Herr Galloway, wer hat in unserer Gesellschaft Macht?

Galloway: Der mächtigste Mensch der Welt ist aktuell Mark Zuckerberg. Er entscheidet mit seinem Facebook-Algorithmus, was 2,1 Milliarden Menschen zu sehen bekommen. Das ist mehr als die gesamte Christenheit, als die Bevölkerung der Südhalbkugel inklusive Indien. Niemand kann ihn entmachten. Er wurde nicht gewählt, und er kann auch nicht abgewählt werden. Er steht einem Unternehmen vor, das zusammen mit drei anderen zu den mächtigsten der Welt gehört. Neben Facebook sind das Amazon, Google und Apple. Diese vier zusammen verdienen mehr als die kumulierte Wirtschaftsleistung fast aller Länder. Ich würde sagen, dass nichts und niemand so viel Macht hat wie diese Firmen.

Wie haben die Unternehmen das geschafft?

Galloway: Neue Technologien haben es ermöglicht, dass die vier schneller gewachsen sind als andere Unternehmen zuvor. Sie können rasend schnell Milliarden von Nutzern erreichen, während die Kosten dafür weiter sinken. Zusammen mit den neuen Technologien hat sich etwas Zentrales verändert mit diesen Unternehmen.

Und zwar?

Galloway: Innovatoren und Milliardäre sind zu unseren Götzen geworden. Der neue Jesus in unserer Gesellschaft ist Innovator. Dem lassen wir fast alles durchgehen. Und das hat verheerende Folgen. Die Digitalkonzerne konnten unkontrolliert wachsen. Normalerweise gilt: Mit starkem Wachstum kommen auch Regulierungen und Steuern. Nicht so bei den großen vier. Wir schauen bei ihnen nicht so genau hin wie bei anderen Unternehmen. Das führt zu einer ungesunden Konzentration von Macht und Einfluss.

Sollten man den Firmen die Macht wieder wegnehmen?

Galloway: Ich bin unentschieden, ob diese Unternehmen gut oder schlecht für unsere Gesellschaft sind. Auch Ölkonzerne haben in ihrer langen Geschichte mal Gutes geleistet. Aber niemand würde auf die Idee kommen, sie unkontrolliert handeln zu lassen oder ihnen sämtliche Steuern zu erlassen. Die Menschen, die dafür zuständig wären, die Digitalkonzerne zu kontrollieren, verstehen gar nicht, was sie eigentlich regulieren sollen.

Werden sie dauerhaft so erfolgreich sein?

Galloway: Ihre Macht wird nicht ewig halten. Vor allem Facebook scheint im Moment angeschlagen. Aber verschwinden wird in den nächsten zehn Jahren keiner der großen vier. In 30 Jahren allerdings sind sie weg.

Bislang regulieren Politik und Behörden nicht allzu viel. Wer wird dann kontrollieren?

Galloway: Der Druck muss von uns Nutzern ausgehen. Wir erkennen nach und nach, welches Spiel da gespielt wird. Das gilt für das Instrumentalisieren der Plattformen (zum Beispiel im Wahlkampf), für die Steuervermeidung und für den Jobverlust, den sie mit sich bringen. Die Menschen erinnern sich an den alten Grundsatz: Macht macht korrupt.

Spezial 1/2019

Macht


Was künftig über Einfluss und Erfolg entscheidet


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