Jede Auszeit beginnt im Kopf

Sabbatical:

Von Andrea Oder
5. Juli 2013

Auszeit vom Job: Wie die Organisation gelingt
Corbis

Auszeit vom Job: Wie die Organisation gelingt

Kürzlich traf ich auf einer Veranstaltung Herrn Wagner. Der 38-Jährige war mittendrin in seiner beruflichen Laufbahn. Als er hörte, dass ich Menschen bei der Planung von Auszeiten coache, rief er: "Ein Sabbatical! Mein Traum!" Nur leider könne er sich das in seinem Job nicht leisten. Auf meine Frage, was er denn in seiner Auszeit gerne machen würde und welche Bedenken er hätte, lächelte er und antwortete: "Ich wollte schon immer mit einem VW-Bus durch Indien fahren, unbeschwert unterwegs sein, Neues sehen, eine Zeitlang nur mir selbst gehören. Und das noch vor der Rente." Aber wie würde das wohl in der Firma aussehen? Würden sein Chef und die Kollegen nicht glauben, dass er keine Lust mehr auf seinen Job hätte? Die nächste Beförderung könne er dann wohl vergessen, gab Herr Wagner weiter zu bedenken. Und überhaupt: Eine solche Auszeit in Indien würde so viel Organisation erfordern. Wo sollte er da nur anfangen?

Trotz aller Bedenken - Herr Wagner hat später tatsächlich seinen Traum verwirklicht: Er fuhr mit dem VW-Bus durch Indien. Gemeinsam haben wir seine Auszeit Schritt für Schritt realisiert. Das Wichtigste war die Vorbereitung auf das Gespräch mit der Personalleitung. Denn er musste glaubwürdig darlegen können, dass er ein engagierter Mitarbeiter sei und nach seiner Rückkehr wieder sein würde. Im Coaching zeigte sich, dass es die Abenteuerlust war, die ihn zu dieser Reise trieb, denn im Berufsleben fehlte ihm das Abenteuer. Daher bestand für ihn auch der Reiz seiner Reise darin, nicht alles perfekt zu planen, sondern sich endlich einfach treiben zu lassen - also das komplette Gegenteil zum normalen Alltag. Aus dieser Erkenntnis konnte er dann auch im Personalgespräch die Vorteile formulieren, von denen seine Firma profitieren würde. Ebenso konkret planten wir, wie Herr Wagner diese Auszeit finanzieren würde.

So wie Herrn Wagner geht es vielen anderen Menschen: Eigentlich möchten sie gerne eine Auszeit nehmen, aber machen es dann doch nicht. Mit diesen zehn Tipps können Sie Ihr Sabbatical erfolgreich umsetzen.

1. Die finanzielle Seite
Fangen Sie an zu sparen, sobald Sie sich für ein Sabbatical entschieden haben. Egal, ob Sie schon wissen, was Sie machen wollen oder ob es nur ein vager Traum ist. Legen Sie ein Extrakonto an und überwiesen Sie per Dauerauftrag einen monatlichen Betrag.

2. Ihr persönliches Sabbatical-Ziel
Was wollen Sie mit Ihrer Auszeit anfangen? Formulieren Sie Ihren Wunsch ganz klar! Damit wird auch der zeitliche und finanzielle Rahmen deutlich und Sie können gezielter planen.

3. Die richtige Zeitplanung
Widerstehen Sie der Versuchung, Ihre Sabbatical-Zeit mit zu vielen Zielen zu überfrachten. Schließlich wollen Sie raus aus dem Alltag und aus Ihrem persönlichen Hamsterrad aussteigen!

4. Vorbereitungszeit
Planen Sie zur Vorbereitung genauso viel Zeit ein, wie Ihre Auszeit dauert und verdoppeln Sie sie dann. Also bei einem 6-monatigen Sabbatical eine Vorbereitungszeit von 12 Monaten.

5. Gesundheit
Wenn Sie Ihr Sabbatical für eine Reise nutzen wollen: Informieren Sie sich drei bis fünf Monate vor der Abreise über eventuell notwendige mehrstufige Impfungen. Planen Sie auch einen Checkup beim Haus- und Zahnarzt ein. Sind Sie Brillenträger? Dann stellen Sie sicher, dass Erst- und Ersatzbrille in einem guten Zustand sind.

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Unregistriert 07.07.2013

Sabbatical
Hallo zusammen, eine kurze Bemerkung am Rande aus eigener Erfahrung: mMn muss man dem Chef genug Zeit einräumen, sich mit der Idee auseinander zu setzen. Und man muss gewisse Kompromissbereitschaft mitbringen. Als ich meinem Chef gesagt habe, dass ich gern 6 Monate durch Südamerika reisen würde, war er zunächst sehr skeptisch - anstehende Großprojekte, vorherige Fluktuation im Team usw. - der Zeitpunkt war sehr unpassend. Jedoch hat er sich nach einer gewissen Zeit an den Gedanken gewöhnt und hat die Idee am Ende sehr unterstützt. Dazwischen gab es jedoch min. 3 Gespräche zum Thema und wir hatten uns geeinigt, dass ich: 1. den Start der Reise um mehrere Monate nach hinten verschiebe und 2. Teilzeit (20%) meine Email abrufen werde Wenn man dem Chef eigene Idee präsentiert, darf man nicht vergessen, dass es für ihn in erster Linie mehr Aufwandt bedeuted. Die Vorteile aus dem Artikel, von einem weltoffenen und zufriedenen Mitarbeiter zu profitieren, stehen in dieser Situation an der zweiten/dritten/... Stelle. An erster Stelle steht die Lücke, die entsteht. Gruss, P

Unregistriert 10.07.2013

Ja, stimmt genau. Ich arbeite in einem mittelgroßen Unternehmen und ich habe leider noch nicht wirklich zielführende Argumente gefunden, um dem Chef mein Vorhaben schmackhaft zu machen. Eher ist es entscheidend, Lösungen zu präsentieren, wie in der Zeit der Abwesenheit der Arbeit organisiert, sprich: von anderen mit übernommen werden kann. Und wenn da das Unternehmen wenig Ressourcen hat... können auch 5 Monate für die Firma ein sehr lange Zeit werden. Ich hoffe, es gelingt mir noch, meinen Arbeitgeber zu überzeugen, damit mein Traum einer Alpenquerung im kommenden Jahr Wirklichkeit werden kann. Viele Grüße

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