Reputation... ist Macht

Umfrage:

19. Dezember 2018
Harvard Business Manager

Wer Macht ausüben will, braucht zunächst die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, dazu Glaubwürdigkeit, Überzeugungskraft, Charisma, Erfahrung und überlegenes Wissen - plus ein solides moralisches Wertegerüst. Schließlich bedeutet Machtausübung viel mehr, als nur Anweisungen zu erteilen. Eine Führungskraft muss in der Materie ihrer Organisation sowohl tief als auch breit Bescheid wissen, dadurch gewinnt sie das Vertrauen ihrer Mitarbeiter.

In den vergangenen 50 Jahren habe ich mehr als 1000 Unternehmen, Politiker und Institutionen beraten. Dabei habe ich eine Menge eindrucksvoller Persönlichkeiten kennengelernt - allen voran Gerhard Schröder. Er hat seine Macht aufs Spiel gesetzt, um etwas durchzusetzen, das ihm wichtig war: jene Reformen der Agenda 2010, die heute die Wettbewerbsfähigkeit unseres Wirtschafts- und Finanzsystems weltweit sichern und damit unseren Wohlstand.

Bei Alfred Herrhausen, dem von RAF-Terroristen ermordeten Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, habe ich bewundert, wie er seine Macht als Chef der Bank mit Verantwortung für die Gesellschaft vereinte. Er stand für seine Bank und deren Kunden ein, ebenso für die Mitarbeiter und deren Beruf als Banker sowie für die politische und gesellschaftliche Verantwortung seines Instituts und seiner Führungskräfte.

Bei Kasper Rorsted, dem Vorstandsvorsitzenden von Adidas, finde ich es faszinierend, wie er seine Strategien, Ziele und Visionen formuliert, in leicht erfassbare Kennzahlen fasst und so die Menschen mitnimmt. Er ist ein genialer Manager, der persönliche Interessen stets klar von denen des Unternehmens trennt.

Ulf Mark Schneider, der aktuelle CEO von Nestlé, hat bei seinem früheren Unternehmen Fresenius eine starke, meritokratische und transparente Unternehmenskultur geschaffen und deren Werte auch vorgelebt, inklusive klarer Prioritäten: Zuerst kommen das Unternehmen und dessen Verantwortung für seine Kunden, die Mitarbeiter und die anderen Stakeholder. Erst ganz zum Schluss kommen die persönlichen Interessen der einzelnen Manager. Ein Beispiel: Der Vorstand flog bei Fresenius wie der einfache Mitarbeiter bei Dienstreisen innerhalb Europas Economyclass, außerhalb Europas in Linienmaschinen Businessclass.

Schließlich bewundere ich die Form der Führung von Nikolaus Bachler, dem Intendanten der Bayerischen Staatsoper. Er bezieht seine Macht aus seiner weltweiten Reputation in Musik, Oper und Schauspiel. Dadurch gelingt es ihm, die besten Dirigenten für das Staatsorchester und die jeweils ideale Besetzung für seine Opern zu gewinnen. So hat er sein Haus zu einem der drei besten Opernhäuser der Welt gemacht.

Roland Berger ist Unternehmer sowie Unternehmens- und Politikberater. Aus seiner 1967 gegründeten Beratung gingen die Roland Berger Strategy Consultants hervor. Heute ist er dort Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats.

Spezial 1/2019

Macht


Was künftig über Einfluss und Erfolg entscheidet


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© HBM Sonderheft 1/2019
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