Politische Risiken meistern

Risikomanagement:

Von Condoleezza Rice und Amy Zegart
3. Juli 2018
DPA

Bis vor Kurzem waren politische Risiken relativ leicht zu verstehen. Meistens ging es um Diktatoren, die unvermittelt Vermögenswerte und Anlagen ausländischer Unternehmen beschlagnahmten und für ihre innenpolitischen Ziele einsetzten. Hugo Chávez in Venezuela war so ein Kandidat. Heute sind Enteignungen durch politische Führer erheblich seltener.

Und auch wenn nationale Regierungen das geschäftliche Umfeld nach wie vor am stärksten prägen, geht ein großer Teil des politischen Risikos auf nationaler und internationaler Ebene inzwischen von anderen Akteuren aus: von Privatpersonen mit Handys; Lokalpolitikern, die Verordnungen erlassen; Terroristen, die Lastwagen in die Luft sprengen; Uno-Vertretern, die Sanktionen verhängen, und vielen anderen. Was an irgendeinem abgelegenen Ort passiert, wirkt sich in atemberaubendem Tempo auf Unternehmen rund um den Globus aus.

Wenn in Vietnam Menschen auf die Straße gehen und gegen die chinesische Regierung in Peking demonstrieren, bleiben in den US-Modegeschäften die Regale leer. Der Bürgerkrieg in Syrien befeuert die Flüchtlingsströme, und Terrorangriffe in Europa erschüttert die Tourismusbranche. Ein nordkoreanischer Diktator führt einen Cyberangriff auf ein Filmstudio in Hollywood aus. Wir leben in einer neuen Welt des politischen Risikos.

Für Unternehmen sind politische Risiken im 21. Jahrhundert nichts anderes als die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine politische Maßnahme massiv auf ihr Geschäft auswirkt - positiv oder negativ. Diese Definition ist noch radikaler, als sie klingt. Wir sprechen bewusst von politischen und nicht von staatlichen Maßnahmen, um die wachsende Bedeutung von Risikoquellen zu verdeutlichen, die eben nicht zu den üblichen Verdächtigen wie Regierungssitze, Kasernen und Parteizentralen gehören.

Wirtschaftlich relevante politische Aktivitäten finden heute praktisch überall statt - in Privatwohnungen, auf der Straße und in der Cloud; in Chatrooms, Studentenwohnheimen und Vorstandsetagen; in der Bar um die Ecke und am Rande von Spitzentreffen.

Unternehmen, die der Konkurrenz einen Schritt voraus sein wollen, müssen die potenziellen Auswirkungen dieser immer breiter werdenden Palette an globalen politischen Akteuren im Griff haben. Für sich betrachtet erscheinen viele der politischen Risiken des 21. Jahrhunderts recht unwahrscheinlich. Chance, dass ein Amerikaner von einem im Ausland geborenen Terroristen getötet wird, liegt ungefähr bei 1 zu 45000. Da ist es weitaus wahrscheinlicher, durch eine Hitzewelle zu sterben oder an seinem Essen zu ersticken.

Das kumulative Risiko hingegen ist enorm. Das unterschätzen viele. Während die Wahrscheinlichkeit gering sein mag, dass ein Unternehmen morgen in einer bestimmten Stadt Opfer eines bestimmten politischen Risikos wird, ist die Wahrscheinlichkeit erstaunlich hoch, dass dasselbe Unternehmen irgendwann irgendwo auf der Welt in gravierendem Ausmaß von den Folgen irgendeines politischen Risikos betroffen ist. Wenn Sie eine Reihe von seltenen Ereignissen zusammennehmen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass eines von ihnen eintritt, gar nicht mehr so gering.

Die gute Nachricht lautet: Obwohl das politische Risiko komplexer geworden ist, bleibt der effektive Umgang damit relativ einfach. Es ist schon viel gewonnen, wenn Organisationen ein paar grundlegende Dinge richtig machen.

Ausgehend von Best Practices und unserer eigenen Führungserfahrung und Forschungsarbeit haben wir vier Kernkompetenzen von Organisationen mit einem herausragenden Risikomanagement ermittelt. Darüber hinaus haben wir eine Reihe von Fragen entwickelt, mit denen Manager Defizite ihrer Organisation beim Umgang mit der wachsenden globalen Unsicherheit aufdecken können.


Den vollständigen Beitrag von Condoleezza Rice und Amy Zegart lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Harvard Business Managers.


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Zu den Autorinnen
    Condoleezza Rice ist Professorin für politische Ökonomie an der Stanford Graduate School of Business. Von 2001 bis 2005 war sie nationale Sicherheitsberaterin in der Regierung Bush und von 2005 bis 2009 die 66. Außenministerin der USA. Amy Zegart ist Co-Chefin und Senior Fellow am Center for International Security and Cooperation der Universität Stanford.
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