15 Management-Krankheiten frei nach Papst Franziskus

Führung:

Von Gary Hamel
12. Mai 2015
Tiziana Fabi / Getty Images

Papst Franziskus macht kein Geheimnis aus seiner Absicht, die Verwaltungsstrukturen der katholischen Kirche, die er für engstirnig, autoritär und bürokratisch hält, radikal zu reformieren. Diesem Kirchenoberhaupt ist klargeworden, dass man mit introvertierten, selbstbezogenen Führungskräften in einer hyperkinetischen Welt nicht weiterkommt.

Ende vergangenen Jahres hielt der Papst eine Ansprache vor den führenden Köpfen der römischen Kurie, Kardinälen und anderen Würdenträgern, die für die Leitung des komplizierten Verwaltungsnetzwerks der katholischen Kirche verantwortlich sind. Franziskus nahm in dieser Botschaft an seine Kollegen kein Blatt vor den Mund: Seiner Einschätzung nach neigen die Kirchenführer zu einer ganzen Reihe lähmender Krankheiten wie Arroganz, Intoleranz, Kurzsichtigkeit und Kleinlichkeit. Wenn diese Erkrankungen unbehandelt blieben, werde die Organisation als Ganzes dadurch geschwächt. Eine gesunde Kirche brauche gesunde Führungspersönlichkeiten.

Ich habe im Lauf meiner Karriere schon viele Managementexperten die Eigenschaften hervorragender Führungskräfte herunterbeten hören; doch nur selten wird offen über die "Krankheiten" des Managements gesprochen. Der Papst ist in dieser Hinsicht weniger zurückhaltend. Er weiß, dass wir als menschliche Wesen zu gewissen Verhaltensweisen neigen - und dass die dahinterstehenden Motive nicht immer edelmütig sind. Doch gerade an Führungskräfte sollte man hohe Maßstäbe anlegen, da deren negative Eigenschaften aufgrund ihres großen Einflussbereichs besonders ansteckend sind.

Die katholische Kirche ist ein bürokratisches System: eine Hierarchie wohlmeinender, aber leider nicht immer perfekter Menschen. In dieser Hinsicht unterscheidet sie sich nicht allzu sehr von Ihrem Unternehmen. Deshalb gilt der Ratschlag des Papstes auch für weltliche Führungspersönlichkeiten.

Mit diesem Hintergedanken habe ich mir einmal ein paar Stunden Zeit genommen, um seine Weihnachtsansprache in eine Terminologie zu "übersetzen", die eher zu den Verhältnissen in einem Unternehmen passt. (Ich weiß nicht, ob es verboten ist, Aussprüche von Päpsten zu paraphrasieren; doch als Nicht-Katholik gehe ich dieses Risiko hier einfach einmal ein.)


Das Management, wir wir es kennen, stößt an seine Grenzen. Eine Gruppe renommierter Professoren, Manager und Berater hat deshalb eine Liste mit den 25 wichtigsten Herausforderungen für eine moderne und bessere Unternehmensführung erarbeitet.



Mission: Management 2.0


Von Gary Hamel
HBM-Beitrag als PDF, 8 Seiten

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Artikel
Kommentare
1
MarcoHass 15.05.2015

Witzig! Die teilweise überzogenen Darstellungen helfen dem Leser ein tieferes Verständnis für die Kernaussage dieses Artikels zu erhalten. Doch Papst- und Demutsforderungen für sich werden "kranke" Führungskräfte nicht heilen. Dazu braucht es äußere Dissonanz und Autokratie sowie optimaler Weise auch noch innere Offenheit und Willen, "Heilung" (Veränderungen) zu zulassen. Die häufigste Strategie von darunter Leidenden ist Aussitzen, Klappe halten, Kuschen und Dienst nach Vorschrift. Die Wurzeln der genannten Krankheiten können meiner Meinung nach, bei den vorhandenen Dominanzhierarchien, durch Revolution oder evolutionäres Umdenken in Aufsichtsgremien und Top Management herbeigeführt werden. Einen dritten Weg sehe ich noch im Zusammenbruch der Weltwirtschaft (äußere Dissonanz). Mein Fazit zu diesem und anderen Beiträgen die sich mit Führungsdefiziten beschäftigen ist, dass diejenigen, die diese Probleme verursacht haben meistens nicht diejenigen sind, die diese auch wieder lösen. Ohne revolutionäres oder evolutionäres HANDELN geht jedoch gar nichts. MarcoHass et aol com

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