Immer mit der Ruhe!

Selbstmanagement:

Von Gudrun Happich
18. November 2013

Mitlaufen oder aussteigen? Aber wie?
Corbis

Mitlaufen oder aussteigen? Aber wie?

"Ich brauche diese Unterlagen und zwar as soon as possible" - die 48-Jährige, seit 17 Jahren im Management eines Pharmakonzerns tätig, ist fassungslos, als sie mir im Coaching von dieser Mail berichtet. Natürlich erhält sie als Führungskraft täglich solche Anfragen. Aber in diesem Ton von einem Praktikanten?

Operative Hyperaktivität gepaart mit respektlosem Umgang gehört in den meisten Unternehmen zur Tagesordnung. Man hat gefälligst sofort zu reagieren und einen Termin frei zu haben. Der Druck, den Mitarbeiter selbst erfahren, geben sie sofort weiter. Zur Erwartungshaltung der anderen kommt der hohe Anspruch an sich selbst.

Auf Probleme folgt so hektisches Durcheinander, statt überlegtes, lösungsorientiertes Handeln. Für manchen scheint es befriedigend zu sein, wie ein Hurrikan zu agieren. Oft wollen solche Manager und Mitarbeiter mit ihrer Betriebsamkeit auch von strategischen Mängeln ablenken.

Besser oder effektiver macht sie uns jedenfalls nicht. Stattdessen passieren mehr Fehler. Immer mehr Menschen leiden zudem unter dem Dauerdruck und der fehlenden Wertschätzung. Diese "Kultur" hat - wen wundert es - auch schon die Praktikanten infiziert.

Die einzige Lösung: Machen Sie es anders! Wenn Sie mit der operativen Hektik, die an Sie herangetragen wird, innerlich anders umgehen, unterwandern Sie das zermürbende System von Druck und Gegendruck und bleiben leistungsfähig. Die besten Tipps, damit der Ausstieg gelingt:

1. Aktivieren Sie den Parasympathikus, den so genannten "Ruhenerv"
Aktivieren Sie in Drucksituationen den Teil Ihres vegetativen Nervensystems, der auf Ruhe gepolt ist. Stehen Sie mit beiden Füßen einige Minuten fest auf dem Fußboden. Spüren Sie den Kontakt mit dem Boden. Atmen Sie dabei tief ein und aus. Sie kommen zur Ruhe und können so Druck und Ärger anders bewerten.

2. Nicht mit Gegendruck reagieren
Nehmen Sie Tempo raus, wenn Sie sich unter Druck gesetzt fühlen und reagieren Sie nicht sofort - sonst werden Sie Teil des Spiels. Agieren Sie stattdessen nach Ihren eigenen Regeln. Bleiben Sie dabei stets höflich. Zum Beispiel so: "Ich würde sehr gerne, doch meine Zeitkapazitäten lassen es jetzt im Moment nicht zu." Schlagen Sie dann einen konkreten Termin vor.

3. Einen Standpunkt entwickeln und dazu stehen
In schwierigeren Situationen sollten Sie sich Zeit zur Reflexion nehmen. Was will ich eigentlich wirklich? Was könnte das für Konsequenzen haben? Bin ich bereit diesen Preis im Ernstfall zu zahlen? Formulieren Sie Ihren Standpunkt freundlich, aber klar und konsequent!

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berndgeropp 21.11.2013

Der Fisch stinkt vom Kopf!
Die genannten Tipps sind allesamt sinnvoll. Allerdings scheinen manchmal Manager auch einfach zu versuchen Ihre Chefs mit operativer Hektik beeindrucken zu wollen. Besonders in Großunternehmen scheint das häufig auch aufzugehen, besonders dann, wenn das Top Management nur auf kurzfristige Zielerreichung fokussiert. Warum sollte dann auch das mittlere Management mit Ruhe und Muse über mittel- oder langfristige Strategien nachdenken? Der Vorstand bewertet sowieso nur anhand der nächsten Quartalszahlen. Der will operative Hektik haben! In einem solchen Umfeld steigt die hektische Betriebsamkeit und Hyperaktivität breitet sich aus. Ändern lässt sich das nur durch einen veränderten Fokus. Diese Änderung muss aber von oben kommen. Der Fisch stinkt vom Kopf!

Gudrun Happich 24.11.2013

Und die Lösung ist ?!
Lieber Herr Geropp, vielen herzlichen Dank für Ihren wirklich sehr konstruktiven Kommentar. Ja, manchmal und mitunter sogar oft ist es genauso, wie Sie es beschreiben. Doch wie kann dann eine Lösung aussehen, wenn Sie als Leistungsträger in solch einer Umgebung sind - und Sie es nicht gut finden ?? Häufig wird jetzt genannt: kündigen und in einem neuen Unternehmen sein Glück suchen.... Doch meiner Erfahrung nach mit vielen vielen Klienten kann es auch anders - z.B. wie hier im Artikel formuliert - gelingen: Denn selbst, wenn der Fisch vom Kopf her stinkt - ist Entwicklung/Veränderung auch von Seiten der Basis möglich. Mindestens ist es einen Versuch wert, oder?

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