Mit voller Stimme überzeugen

30. Juli 2015
Corbis

2. Teil: Vier Tipps für besseres Sprechen

Wie lässt sich, ganz unabhängig von Geschlecht und Tonlage, die Macht des Atmens nutzen, um voll Zuversicht und Kraft sprechen zu können?

Fangen Sie mit der richtigen Haltung an. Stellen Sie sich mit den Füßen schulterbreit hin, das Gewicht gleichmäßig verteilt. Heben Sie die Arme über den Kopf. Atmen Sie tief ein. Während Sie ausatmen, lassen Sie langsam die Arme an die Seite sinken, ohne dabei den Brustkorb zu bewegen. Ihre Schultern sollten gerade sein, nicht bis zu den Ohren hochgezogen. Das ist die beste Haltung zum Sprechen (und Singen). Sie stehen gerade, in voller Größe, und strahlen Selbstbewusstsein aus. Diese Haltung ähnelt übrigens den "Macht-Posen", von denen die HBS-Professorin Amy Cuddy in ihrem TED-Vortrag spricht.

Tief atmen. Legen Sie eine Hand auf Ihren Bauchnabel und eine auf die Brust. Atmen Sie tief und achten Sie darauf, welche Hand sich bewegt. Ich sehe viele Menschen, bei denen sich beim Atmen der Brustkorb auf und ab bewegt, aber ich möchte, dass Sie die Brust stabil halten und beim Einatmen daran denken, in den Bauch zu atmen. Atmen Sie langsam aus, als würden Sie aus einem Luftballon die Luft ablassen. Fällt Ihnen das schwer? Versuchen Sie es mit Wandsitzen - drücken Sie sich mit geradem Rücken gegen die Wand, halten Sie die Beine dabei leicht durchgedrückt. Diese Position hilft Ihnen, sich beim Atmen auf den Unterleib zu konzentrieren, anstatt den Brustkorb zu bewegen. Achtung: Fühlen Sie sich benommen oder schwindelig, brechen Sie die Übung ab und atmen Sie normal weiter. Wehtun sollte nichts, es sollte sich nur anders anfühlen.

Sprechen Sie beim Ausatmen. Sie haben einen tiefen Atemzug genommen, nun wissen Sie nicht, wohin damit. Anstatt die Luft anzuhalten, nutzen Sie sie, um Ihre Worte zu tragen. Atmen Sie gleichmäßig aus, während Sie sprechen. Ich arbeite hier gerne mit einer Sushi-Analogie: Stellen Sie sich ein Sashimi vor, eine dünne Scheibe Fisch auf einem Reisbett. Ihre Stimme ist der Fisch, Ihr Atem das Reisbett. Um Ihre Stimme zu stützen, braucht es den ganzen Satz hindurch eine ständige und volle Versorgung mit Luft. Was aber, wenn der Fisch länger als der Reis ist? Dann kippt er hinten weg - und genau das passiert, wenn uns zum Satzende hin der Atem ausgeht. Dann gibt es "Vocal Fry". Üben Sie, beim Sprechen langsam auszuatmen und Ihre Stimme voll und hallend klingen zu lassen. Üben Sie zunächst, indem Sie ausatmen und dabei langsam zählen: "1… 2… 3… 4… 5…". Später können Sie üben, indem Sie zu dem Satz "Hallo, mein Name ist …" ausatmen.

Üben Sie mit einem Smartphone oder einem Partner. Andere hören die Veränderung in Ihrer Stimme viel einfacher als Sie selbst. Wenn ich in Firmen Workshops durchführe, bitte ich die Teilnehmer, sich für eine Übung einen Partner zu suchen. Zunächst soll man sich mit seiner "normalen" Stimme vorstellen, dann ein paar Mal tief einatmen und sich mit der eben beschriebenen Methode des tiefen Luftholens vorstellen. Die Teilnehmer selbst hören nicht immer einen Unterschied bei sich, stellen ihn aber bei ihren Partnern fest - die Stimme klingt satter, voller, nach mehr Selbstvertrauen. Sie können auch im Büro mit einem Kollegen üben oder sich selbst mit dem Handy aufnehmen. Die Sprache spielt übrigens keine Rolle: Ich habe diese Technik auf Englisch, auf Mandarin und in anderen Sprachen getestet und stets war ein Unterschied zu hören.

Wie oft sollten Sie atmen? Mindestens am Ende jedes Satzes! Gehören Sie zu den Menschen, die im D-Zug-Tempo durch Ihre Rede oder Ihre Präsentation rasen? Dann sollten Sie üben, bei jedem Satzzeichen Luft zu holen. Das zwingt Sie, langsamer zu werden.

Und wie oft sollten Sie mithilfe dieser Technik atmen? Es ist nicht nötig, sie ständig zu nutzen. Üben Sie diese Technik langsam ein, sei es Zuhause oder im Büro, bis Sie sie problemlos anwenden können. Ansonsten sind Flugzeuge ein hervorragender Ort für Atemübungen, aber auch endlose Meetings oder Telefonkonferenzen sind gut geeignet. Üben Sie ein paar tiefe Atemzüge hintereinander, dann entspannen Sie und atmen normal weiter. Üben Sie morgens zwei Minuten lang den Satz "Hallo, mein Name ist…" und atmen Sie dabei langsam aus. Mit der Zeit werden Sie einfacher und unauffälliger zwischen den Sätzen atmen und es hilft, vor Stresssituationen wie öffentlichen Reden oder schwierigen Gesprächen die Nerven zu beruhigen.

Bei alledem geht es nicht darum, wie jemand anderes zu klingen. Vielmehr geht es darum, Ihrer Stimme bei jedem öffentlichen Auftreten die Stärke und das Volumen zu geben, die sie verdient, damit die Kraft Ihrer Stimme der Kraft Ihrer Worte entspricht. Dann wird man Ihnen zuhören.


Wirklich gute Reden zu halten, ist schwer und braucht viel Vorbereitung. Der Konferenzveranstalter TED bereitet unerfahrene Referenten monatelang auf ihre Auftritte vor. Dessen Leiter Chris Anderson zeigt in seinem Beitrag "So halten Sie einen gelungenen Vortrag", was Sie aus seinen Erfahrungen lernen können.


So halten Sie einen gelungenen Vortrag


HBM-Beitrag als PDF, 8 Seiten

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Zum Autor
  • Allison Shapira lehrt "Die Kunst der Kommunikation" an der Harvard Kennedy School. Sie ist President von Global Public Speaking LLC, einen Unternehmen, das seinen Kunden dabei hilft, gute Vorträge zu halten.

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