Coach oder Keule

Führung:

Von Falco Weidemeyer
10. Mai 2016
Getty Images

Früher bezeichnete die Restrukturierungsszene ihre Protagonisten gerne als "Sanierer". Heute ist eine neue Generation von Chefrestrukturierern in krisengeschüttelten Unternehmen unterwegs. Wir beobachten, dass sich das Selbstverständnis dieser Spezialisten verändert hat und weiter im Wandel befindet. Unternehmerisch denkende Restrukturierer schauen weit über Kostenmaßnahmen und Bilanzbereinigung hinaus. Sie sind auf der Suche nach einem gesunden Kern ihrer Firma, auf den sie wieder ein tragfähiges Geschäftsmodell aufbauen können. Diesen Trend haben wir in der Studie "Chief Restructuring Officer - Coach oder Keule?" analysiert. Die Umfrage unter 90 Restrukturierungsexperten zeigt zum Beispiel, dass die Themen Change Management und Stakeholder Management im Vergleich zum vergangenen Jahr deutlich an Bedeutung gewonnen haben. Das Liquiditätsmanagement, ein klassisches Restrukturierungthema, hat hingegen an Boden verloren hat.

Hart in den Fakten, empathisch im Umgang mit Menschen

International aufgestellte Unternehmen bewegen sich in einem komplexen und volatilen Umfeld. Da lässt sich ein Turnaround gar nicht mehr nur "mit harter Hand" steuern. Deswegen müssen moderne Restrukturierer in der Lage sein, Selbstheilungskräfte zu mobilisieren: Sie müssen Mitarbeiter, Eigentümer, Geldgeber und Öffentlichkeit gleichermaßen auf ein Restrukturierungskonzept einschwören. So sehen sich die Teilnehmer unserer Studie zunehmend als "Moderator" zwischen verschiedenen Anspruchsgruppen und deutlich weniger als noch im vergangenen Jahr als Umsetzer von Maßnahmen. Aus diesem Grund gehen wir davon aus, dass Kompetenzen wie Kommunikation und Leadership künftig noch viel mehr zum Erfolg von Neuausrichtungen beitragen werden als heute.

Aber welches Verständnis von Kommunikation besitzen Restrukturierungsexperten tatsächlich? Sicherlich sind CRO (Chief Restructuring Officer) heute mit den Herausforderungen der Medien- und Netzgesellschaft vertraut. Die Mehrheit unserer Befragten weiß etwa, dass Informationen heute nicht mehr in den Grenzen des Unternehmens festgehalten werden können. Deswegen setzen 80 Prozent beim Austausch mit externen Stakeholdern auf weitgehende Transparenz, 74 Prozent glauben, dass auch bei internen Anspruchsgruppen proaktive Kommunikation sinnvoll ist.

Gleichzeitig ist es aber wichtig, dass der CRO die Deutungshoheit über den Restrukturierungsprozess behält, wenn Informationen auf vielen Kanälen von verschiedenen Stakeholdern kommentiert werden. Einer unserer Studienteilnehmer formuliert es so: "Jede nicht gesteuerte Kommunikation - sei es innerhalb oder außerhalb des Unternehmens - kann den Prozess der Restrukturierung ins Wanken bringen."

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