Coach oder Keule

10. Mai 2016
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2. Teil: Versprechen muss man halten

Der Spagat zwischen Coach und Keule

Kommunikation und Leadership sind aus unserer Sicht sehr eng verknüpft: Wer seine Mitarbeiter in einem Sanierungsprozess mitnehmen will, hat es leichter, wenn er als Coach agieren kann und Entscheidungen in Teams getroffen werden. Andererseits gilt in der Krisensituation: Wer unsicher wirkt, keine klaren Verhältnisse herstellt, hat verloren. Der CRO muss deshalb hohe Integrität und Verbindlichkeit ausstrahlen, konsequent agieren und darf keine Versprechen geben, die er dann nicht halten kann.

Unsere Studie zeigt deshalb auch, dass ein Chefrestrukturierer auf die "Keule" als Werkzeug für seine Arbeit nicht ganz verzichten kann. Die Hälfte der Befragten geben an, meist durch Vorgaben zu führen. Ebenfalls 50 Prozent präferieren eine Entscheidungskette mit wenigen Verantwortungsträgern. Nur ein Drittel gibt an über Teams zu führen, wenn möglich. Und nur 16 Prozent setzen auf partizipative Führung.

Wie lässt sich das erklären? Befindet sich eine Firma in einer besonders schwierigen Lage, so braucht sie schnell so viel Handlungsspielraum wie möglich, um zu vermeiden, Investoren, Kunden und Lieferanten zu verlieren. Hier braucht es beim Chefrestrukturierer eine hohe Durchsetzungsfähigkeit und schnelles Handeln, um die Lage zu retten. Doch wenn die harte Phase überstanden ist, braucht das Unternehmen auch einen richtigen Kulturwandel, um die Neuausrichtung langfristig in der Organisation zu verankern. Denn: Wer die Kultur eines Unternehmens verändern will, muss das "Wohin" und "Warum" breit vermitteln, einen konstruktiven und offenen Dialog mit Mitarbeitern, Betriebsräten, Kunden und Dienstleistern anstoßen. Und genau da schlägt die Stunde des Restrukturierers als Coach.

Chefrestrukturierer früh einbinden

Eine sehr wichtige Rolle in einem erfolgreichen Restrukturierungsprozess spielt außerdem in meinen Augen auch die frühzeitige Einbindung eines CRO. Leider zeigen viele Kundenprojekte und auch unsere aktuelle CRO-Studie, dass Chefrestrukturierer immer noch spät ins Unternehmen geholt werden, um eine Neuausrichtung zu erarbeiten. Das wird sich erwartungsgemäß in Zukunft verändern; denn der Wandel wird in unserem instabilen, disruptiven Marktumfeld zunehmend zum "new normal". Und immer öfter setzt sich die Erkenntnis durch, dass ein CRO mehr erreichen kann, wenn er frühzeitig ins Boot geholt wird - und nicht erst, wenn der Druck hoch und die Optionen begrenzt sind.

Setzt sich dieser Wandel durch, so wird sich auch ein neuer Führungsstil nach und nach durchsetzen. Wenn ein unternehmerisch denkender Restrukturierer früh bei einer Neuausrichtung mitarbeitet, hat er mehr Handlungsspielraum und kann die Mitarbeiter sowie alle Stakeholder besser mitnehmen. Nur damit lässt sich eine tiefgreifende und robuste Restrukturierung erreichen.


Weitere Artikel zum Thema haben wir in unserem Archiv unter Führungseigenschaften und Sanierung zusammengefasst.

Die wichtigsten Konzepte zum Thema Führung von Peter Drucker, Henry Mintzberg, Daniel Goleman und vielen anderen renommierten Experten haben wir in der folgenden Edition zusammengestellt.



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Zur Person
  • Falco Weidemeyer ist Senior Partner von Roland Berger im Competence Center Restructuring & Corporate Finance der Unternehmensberatung Roland Berger.
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