Multitasking für Pendler

Zeitmanagement:

Von Peter Bregman
19. Februar 2015
Corbis

Inzwischen wissen wir, dass Multitasking nicht funktioniert. Unser Gehirn kann sich nicht auf mehrere Aufgaben gleichzeitig konzentrieren. Vielleicht bilden wir uns ein, zu "multitasken", wenn wir unsere E-Mails durchsehen und dabei gleichzeitig an einer Telefonkonferenz teilnehmen. Aber das stimmt nicht. In Wirklichkeit wechseln wir dabei einfach nur zwischen zwei verschiedenen Aufgaben hin und her: Wir lenken unsere Aufmerksamkeit erst auf die eine Tätigkeit, dann blitzschnell auf die andere und wieder zurück zur ersten. Doch darunter leidet unsere Konzentration und außerdem verlieren wir bei jedem Umstieg auf eine andere Aktivität kostbare Sekunden. Diese Sekunden summieren sich pro Arbeitswoche zu Stunden verschwendeter Zeit.

Warum mühen sich trotzdem immer noch so viele Leute mit Multitasking ab? Weil wir ständig zu viel zu tun und zu wenig Zeit dafür haben. Da ist die Versuchung, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun, nahezu unwiderstehlich. Auch wenn wir genau wissen, dass das nicht funktioniert.

Als ich neulich mit dem Fahrrad zu einer Konferenz fuhr, die ungefähr sieben Kilometer von meinem Appartement in New York City entfernt stattfand, dachte ich über diese Versuchung nach. Während ich mich schwer atmend abstrampelte und dabei das Hämmern meines Herzens spürte, wurde mir plötzlich klar, dass ich die Multitasking-Hürde übersprungen hatte: Ich fuhr gerade zu einer Besprechung und gönnte mir dabei gleichzeitig 30 wertvolle Minuten körperlicher Aktivität!

Die optimale Kombination

Mit anderen Worten: Multitasking ist doch möglich - aber nur, solange Sie dabei zwei Dinge tun, die nicht dieselben Hirnregionen beanspruchen. Während einer Telefonkonferenz E-Mails lesen oder schreiben? Keine gute Idee. Aber körperliche Aktivität während der Fahrt zur Arbeit? Das ist die optimale Multitasking-Kombination.

Optimal nicht nur deshalb, weil es machbar ist, sondern auch deshalb, weil beide Aktivitäten besser funktionieren, wenn man sie miteinander kombiniert. Mit dem Fahrrad komme ich schneller und besser planbar zur Arbeit als mit der U-Bahn. Bei meiner Ankunft im Büro fühle ich mich erfrischt und voller Energie und ich empfinde das Radeln auch als viel sinnvoller, wenn ich dabei ein Ziel vor Augen habe - die Notwendigkeit, zur Arbeit zu kommen, ist genau die Motivation, die ich brauche, um mich aufs Fahrrad zu schwingen.

Überhaupt ist die Fahrt zur Arbeit eine hervorragende Multitasking-Chance. Denn dabei kann man sich den verschiedensten Aktivitäten widmen und da viele Menschen einen großen Teil ihres Tages damit zubringen, morgens ins Büro und abends wieder nach Hause zu fahren, lohnt es sich, diese Zeit sinnvoll zu nutzen. Wie macht man das am besten?

Lebenslücken füllen

Werden Sie sich zunächst einmal darüber klar, welcher Aspekt Ihres Lebens momentan am meisten zu kurz kommt. Bräuchten Sie mehr Entspannung? Mehr Bewegung? Gibt es irgendetwas, was Sie schon lange einmal lernen wollten? Haben Sie zu wenig Kontakt zu Ihren Mitmenschen?

Sobald Sie sich über diese Lücke in Ihrem Leben klargeworden sind, versuchen Sie sie während der Fahrt zur Arbeit zu füllen. Wenn Sie mehr Bewegung brauchen, fahren Sie mit dem Rad ins Büro oder gehen Sie zu Fuß - selbst wenn es nur ein Teil der Strecke ist. Wenn Sie sonst nie zur Ruhe kommen, tun Sie während der Bus- oder Straßenbahnfahrt ins Büro einfach gar nichts oder lesen Sie etwas Schönes. Wenn Sie etwas Neues lernen möchten, lesen Sie etwas über dieses Fachgebiet oder (falls Sie unterwegs Internetzugang haben) schauen Sie sich ein Video an oder nehmen Sie an einem Online-Kurs teil. Wenn Sie sich einsam fühlen, schreiben Sie E-Mails, um wieder mit Menschen in Kontakt zu treten, die Ihnen wichtig sind.

Dabei müssen Sie natürlich auch das Verkehrsmittel berücksichtigen, mit dem Sie zur Arbeit fahren. So empfiehlt es sich beispielsweise nicht, beim Autofahren zu lesen oder SMS zu schreiben. Aber Sie können sich beispielsweise eine Hörbuch-CD anhören (entweder zur Entspannung oder zum Lernen) oder über die Freisprechanlage Telefongespräche führen, um wichtige Kontakte aufzufrischen.

Nur eines sollten Sie nicht tun: Verfallen Sie nicht wieder in die gewohnten Aktivitäten, mit denen Sie normalerweise Ihre Zeit totschlagen. Nutzen Sie die Fahrzeit, um dem Leben, das Sie gerne führen möchten, ein bisschen näherzukommen. Wählen Sie eine Beschäftigung, bei der Sie sich erholter und ausgefüllter fühlen, wenn Sie am Zielort ankommen.

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