Öfter mal "Danke" sagen

Motivation:

Von Francesca Gino
19. Dezember 2013

Handschlag: Ein "Danke" treibt die Motivation an
Corbis

Handschlag: Ein "Danke" treibt die Motivation an

Ich bin erst als Erwachsene in die USA gezogen, aber trotzdem freue ich mich jedes Jahr auf den amerikanischsten aller Feiertage in meiner neuen Heimat: Thanksgiving. Truthahn, Kürbiskuchen und viele Stunden Kochen und Entspannen mit Familie und Freunden machen diesen Tag zu etwas Besonderem. Und noch aus einem weiteren Grund freue ich mich darauf: Thanksgiving erinnert uns daran, wie wichtig es ist, seine Dankbarkeit zu zeigen.

Viele von uns haben im Privat- und Berufsleben reichlich Gelegenheiten, dankbar zu sein. Aber häufig lassen wir diese Momente an uns vorbeigehen, vor allem im Job. Eine aktuelle Umfrage unter 2000 Amerikanern, veröffentlicht von der John Templeton Foundation, hat gezeigt: Am Arbeitsplatz sind Menschen am wenigsten geneigt, Dankbarkeit zu empfinden oder zu zeigen. Auch für unsere Jobs sind wir nicht dankbar - meistens werden sie als letztes genannt, wenn Menschen eine Liste der Dinge aufstellen sollen, für die sie dankbar sind.

Um eine nicht genutzte Chance, sich dankbar zu zeigen, ist es aus zwei Gründen schade: Erstens gibt uns Dankbarkeit die Möglichkeit, positive Erfahrungen auszukosten, mit schwierigen Umständen zurechtzukommen, bei Herausforderungen nicht einzuknicken und unsere sozialen Bindungen zu stärken. Psychologische Studien (PDF) haben gezeigt: Wer über einen Zeitraum von sechs Wochen einmal pro Woche aufschreibt, wofür er zuletzt dankbar war, ist mit seinem Leben zufriedener als Menschen, die nur festhalten, wie es ihnen geht.

Positive Erlebnisse gezielt zu registrieren, macht uns zudem nicht nur fröhlicher, es kann auch unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden verbessern. In einer Reihe von bekannten Studien (PDF) haben die Psychologen Robert Emmons und Michael McCollough die Teilnehmer gebeten, zehn Wochen lang wöchentlich ein Tagebuch zu führen. Manche von ihnen sollten jede Woche fünf Dinge oder Menschen aufschreiben, für die sie dankbar waren. Andere sollten fünf Ärgernisse festhalten, eine dritte Gruppe fünf beliebige Ereignisse aus der zurückliegenden Woche.

Als Ärgernisse wurden von den Teilnehmern unter anderem die folgenden Punkte herausgestellt: keinen Parkplatz gefunden, Geld zu schnell ausgegeben, Makkaroni-Auflauf angebrannt. Wer angenehme Ereignisse auflisten sollte, nannte Erfahrungen wie Großzügigkeit von Freunden, etwas Interessantes gelernt zu haben oder einen Sonnenuntergang durch Wolkenlücken. Teilnehmer aus dieser Gruppe zeigten bei einer Messung mehr positive Emotionen und bessere Werte bei der Einschätzung der eigenen körperlichen und geistigen Gesundheit. Außerdem fühlten sie sich anderen Menschen stärker verbunden als die anderen beiden Gruppen.

Ein zweiter Grund dafür, sich etwas Zeit zu nehmen, um dankbar zu sein: Selbst kleine Zeichen der Dankbarkeit können erhebliche und nachhaltige Wirkungen auf ihre Empfänger haben. In Untersuchungen (PDF) haben Adam Grant und ich festgestellt, dass der Ausdruck von Dankbarkeit zu mehr prosozialem Verhalten führt, weil er dazu führt, dass Menschen sich sozial stärker wertgeschätzt fühlen.

In einer unserer Studien sollten die Teilnehmer Bewerbungsschreiben von Studenten überarbeiten und bekamen anschließend entweder eine neutrale Rückmeldung (wie "Lieber …, ich wollte Sie nur wissen lassen, dass ich Ihr Feedback zu meinem Bewerbungsschreiben bekommen habe") oder eine dankbare ("Ich wollte Sie nur wissen lassen, dass ich Ihr Feedback zu meinem Bewerbungsschreiben bekommen habe. Ich bin Ihnen wirklich sehr dankbar dafür"). Anschließend baten die unterstützten Studenten um Hilfe bei einer weiteren Bewerbung - lange nachdem das Experiment beendet war und ohne dass es erkennbare Anreize für die Hilfe gegeben hätte. Von denjenigen, die einen Dank erhalten hatten, waren 66 Prozent bereit, noch einmal auszuhelfen. Bei den Empfängern der neutralen Schreiben erreichte dieser Wert nur 32 Prozent.

In einer weiteren Studie stellten wir fest: Wer einem ersten Studenten ("Eric") geholfen und einen Dank dafür erhalten hatte, war auch eher bereit, später einem anderen Studenten ("Steven") zu helfen. Von den Teilnehmern, die Eric geholfen, aber nur ein neutrales Schreiben bekommen hatten, halfen nur 25 Prozent später auch Steven; von denjenigen, die einen Dank erhalten hatten, waren dagegen 55 Prozent dazu bereit. Wer ein Zeichen der Dankbarkeit bekam, fühlte sich also sozial stärker geschätzt und wurde motiviert, auch anderen Menschen zu helfen.

Schon im Zusammenhang mit Hilfe haben solche einfachen Dankesbekundungen positive Effekte, doch das ist noch nicht alles. In einem anderen Experiment beschäftigten wir uns mit 41 Personen, die an einer US-Universität für das Einwerben von Spenden bei Ehemaligen zuständig waren. Wir teilten sie in zwei Gruppen auf: "Bedankte" und "Unbedankte". Die Bedankten bekamen einen Besuch vom Leiter der Abteilung, der ihnen sagte: "Ich bin sehr dankbar für Ihre harte Arbeit. Wir wissen Ihren Beitrag für die Universität wirklich zu schätzen." Die andere Gruppe bekam vom Leiter tägliche Rückmeldungen über ihre Effektivität, aber keinen Ausdruck von Dankbarkeit. Das Ergebnis? Das wöchentliche Anruf-Volumen der mit Dank Bedachten stieg in der Woche nach der Intervention um durchschnittlich 50 Prozent - nur weil der Ausdruck von Dankbarkeit durch den Chef ihnen das Gefühl eines höheren sozialen Werts gegeben hatte.

Thanksgiving ist genau die richtige Zeit dafür, sich mit Dankbarkeit zu beschäftigen. Aber eine kurze Beschäftigung in die Fachliteratur zeigt eindeutig, dass wir sie das ganze Jahr viel öfter praktizieren sollten.

Zum Autor
Francesca Gino ist Associate Professor für Business Administration an der Harvard Business School und Autorin des Buches „Sidetracked: Why Our Decisions Get Derailed, and How We Can Stick to the Plan“.

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