Nein, heute geht's gar nicht gut

Psychologie:

11. April 2017
Getty Images

Gängige Verhaltensnormen verlangen, dass negative Gefühle aus dem Arbeitsleben herausgehalten werden. Mitarbeiter sollen ihre Angst, Trauer oder Wut unterdrücken und mit sich selbst ausmachen. Doch diese Haltung ist schädlich - für die Psyche der Mitarbeiter und für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens.

Um emotionale Freiräume zu schaffen, in denen sich niemand "zusammenreißen" muss, sollten Organisationen aktiv an ihren Werten und Normen arbeiten. Vorreiter dabei sind Unternehmen wie Google, PepsiCo, Southwest Airlines und das Allgäuer Softwarehaus Windata.

Die folgenden sieben Tipps unseres Autors Nico Rose, einem der führenden Experten für Positive Psychologie in Deutschland, helfen beim Wandel:

Bei sich selbst beginnen
Führungskräfte prägen durch ihre Vorbildfunktion das kulturelle Klima. Doch ihr Aufstieg bringt oft mit sich, dass sie sich weniger mitfühlend verhalten. Wenn Manager die Mitgefühlskompetenz ihres Unternehmens vorantreiben wollen, müssen sie daher zuerst an der eigenen Haltung arbeiten.

Unternehmenswerte überprüfen
Bestimmte Werte und kulturelle Normen können den Ausdruck von Mitgefühl dämpfen. Dazu gehören übertriebenes Wettbewerbsdenken, eine maskuline Kultur der Härte oder die Haltung, dass Gefühle im Business nichts verloren haben. Solange solche mentalen Modelle vorherrschen, lässt sich das Thema kaum vorantreiben. Daher muss das Topmanagement einen Kulturwandel einleiten, um die Mitgefühlskompetenz zu erhöhen.

Mitarbeiter sensibilisieren
Inzwischen bieten etliche Unternehmen Achtsamkeitsmeditation an. Weniger bekannt ist, dass es auch eine Form der Meditation gibt, die bewusst das eigene Mitgefühl kultiviert ("Loving Kindness Meditation"). Sie hat ähnliche gesundheitsförderliche Aspekte und hilft, Mitgefühl auszubilden.

Aktiv kommunizieren
Viele Mitarbeiter trauen sich nicht, Mitgefühl auszudrücken, selbst wenn sie es eigentlich möchten. Führungskräfte sollten daher durch Storytelling das Thema aktiv zur Sprache bringen, um einen Kulturwandel zu unterstützen.

Übergangsrituale zelebrieren
Als in die Zukunft gerichtete Systeme sind Unternehmen nicht gut darin, das Scheidende anzuerkennen oder gar zu würdigen. Authentische öffentliche Übergangsrituale können Mitarbeitern dabei helfen, sich von Aufgaben, Abteilungen oder auch Kollegen zu verabschieden. Sie betten die Veränderung in einen größeren Sinnhorizont ein.

Schwierige Lebensphasen erleichtern
Zum Leben der Mitarbeiter gehören tief greifende Übergangsphasen wie die Geburt eines Kindes oder Pflegebedürftigkeit und Tod der Eltern. Unternehmen sollten ihr Mitgefühl durch großzügige Urlaubsregelungen, unbürokratische Anpassungen der Arbeitszeit und, falls nötig, finanzielle Unterstützung - etwa durch einen Hilfsfonds - beweisen.

Professionelle Hilfe anbieten
Für schwere Lebenskrisen wie einen Sterbefall in der Familie können Unternehmen Hilfsangebote bereithalten, etwa professionelle Trauerbegleitung.


Wie Führungskräfte konkret handeln können und welche Rolle Macht dabei spielt, beschreibt unser Autor Nico Rose in seinem Beitrag "Führung mit Mitgefühl".


Führung mit Gefühl

Nico Rose

HBM-Beitrag als PDF, 6 Seiten

Zur Leseprobe

Artikel
Kommentare
0
Diskussionsregeln

Wir freuen uns über lebendige, konstruktive und inspirierende Diskussionen auf HBM Online. Um die Qualität der Debattenbeiträge sicherzustellen, werden unsere Moderatoren jeden Beitrag prüfen. Eine Nutzung der Kommentarfunktion zu kommerziellen Zwecken ist nicht erlaubt. Beiträge mit vorwiegend werblichem, strafbarem, beleidigendem oder anderweitig inakzeptablem Inhalt werden von unseren Moderatoren gelöscht.

© Harvard Business Manager 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH
ANZEIGE
Nach oben