Bewertungen abgleichen

Leistungsbeurteilung:

5. Februar 2019
Getty Images

In vielen Berufen ist es eine echte Herausforderung, die Leistung von Mitarbeitern objektiv zu messen, denn die Bewertung hängt von der Meinung einzelner Vorgesetzter ab. Unternehmen wissen, welche Risiken das birgt. Daher lassen manche von ihnen Bewertungen der direkten Vorgesetzten noch einmal überprüfen.

Dafür ist eine Gruppe höherrangiger Manager zuständig, für die sich der Begriff "Calibration Committee" durchgesetzt hat. 54 Prozent der Unternehmen mit 2500 oder mehr Mitarbeitern nutzen ein solches System. Darüber, wie dieser Prozess abläuft, gibt eine neue Studie Aufschluss.

In der Revisionsabteilung eines großen, multinationalen Unternehmens haben die Wissenschaftler über drei Jahre hinweg 1333 Bewertungen von 686 Mitarbeitern durch 110 Vorgesetzte ausgewertet, die anschließend in 12 Calibration Committees abgeglichen wurden. Dort kennen die Mitglieder der Komitees nicht zwangsläufig die Mitarbeiter, deren Bewertungen sie prüfen. Statt also einzelne Bewertungen anzuzweifeln, konzentrieren sie sich auf die Frage, wie die Bewertungen eines Vorgesetzten im Vergleich mit denen der anderen Führungskräfte ausfallen. Dabei halten sie nach Hinweisen Ausschau, dass die Noten regelmäßig zu hoch oder zu niedrig sind.

Im Untersuchungszeitraum änderten die Komitees etwa 25 Prozent der Bewertungen - in der Regel solche, die signifikant vom Durchschnitt der Abteilung abwichen. Dabei korrigierten sie die Einschätzungen viermal häufiger nach unten als nach oben. Die Vorgesetzten schienen aus dem Prozess zu lernen: Mit der Zeit näherten sich ihre Ratings immer weiter dem Durchschnitt an.

Umfragen unter 220 Mitarbeitern und 47 Vorgesetzten zeigten, dass die Arbeitnehmer das System als grundsätzlich fair empfanden - obwohl ihr Eindruck, dass es Günstlingswirtschaft gebe, nicht vollkommen verschwand. Vorgesetzte dagegen klagten über die Zeit, die das System sie koste. Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass solche Kalibrierungen trotz ihrer Kosten und Komplexität dazu beitragen, "dass die Bewertungen verschiedener Vorgesetzter stärker übereinstimmen".

Zudem helfen sie dabei, die Subjektivität zu überwinden, die für Bewertungen von Wissensarbeit typisch ist. Allerdings könne das System es auch erschweren, High- und Low-Performer zu unterscheiden, da die Bewertungen sich immer weiter dem Durchschnitt annäherten.

Diese und weitere Meldungen zu aktuellen Studienergebnissen finden Sie in der neuen Ausgabe des Harvard Business Managers.

Quelle: B. William Demeré et al.: "The Role of Calibration Committees in Subjective Performance Evaluation Systems", Management Science, Juli 2018

Ausgabe 2/2019


Perfekt Präsentieren

So überzeugen Sie mit Ihrem Auftritt - vor Kunden, Kollegen, Vorgesetzten und auf der großen Bühne

Artikel
© Harvard Business Manager 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
Nach oben