Eine bessere Welt schaffen

Führung:

Von Richard Straub
14. März 2018
Getty Images

Im vergangenen Monat landete ein Brief auf den Schreibtischen mehrerer hundert CEOs. Er stammte von Larry Fink, dem Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzenden des Investmentmanagers BlackRock.

"Die Erwartungen der Öffentlichkeit an Ihr Unternehmen waren niemals größer", schrieb Fink. "Die Gesellschaft verlangt, dass Firmen ... einem gesellschaftlichen Zweck dienen. Um auf lange Sicht hin erfolgreich zu sein, genügt es nicht, einen Mehrwert für die Aktionäre zu schaffen. Ein Unternehmen muss auch zeigen, dass es einen positiven Beitrag für die Gesellschaft leistet - und damit allen zugutekommt: den Stakeholdern einschließlich der Aktionäre ebenso wie seinen Mitarbeitern, den Kunden und letztlich auch der Allgemeinheit."

Diese Zeilen hätten von Peter Drucker stammen können. Umso überraschender, dass sie aus der Feder eines Managers kommen, der Vermögenswerte von mehr als sechs Billionen Dollar verwaltet. Und es sind Worte, die einen Paradigmenwechsel ankündigen, den Drucker tatsächlich bereits vor 30 Jahren postuliert hat: Es gilt, dem Kapitalismus, der durch Habgier und kalte Finanzratio entmenschlicht wurde, ein menschliches Antlitz zurückzugeben.

Diese Veränderung zeichnet sich schon länger ab. Gerade in der jungen Generation gewinnen jene Kräfte, die den Kapitalismus abschaffen wollen, deutlich an Sichtbarkeit. Doch diejenigen, die an den Schalthebeln der Wirtschaft sitzen und somit das Schicksal weiter Teile der Bevölkerung mitbestimmen, müssen sich erst das Vertrauen verdienen, es auch wirklich ernst zu meinen mit dem neuen sozialen Anspruch. Das heißt für Manager: Sie müssen in der Lage sein, ihren Beitrag für die Gesellschaft zu benennen. Finks Brief markiert somit nicht weniger als die Stunde der Wahrheit für die Zukunft des Kapitalismus.

Worum es im Management geht, hat sich seit Druckers ersten Publikationen nicht verändert: nämlich eine Systematik zu entwickeln, die kollektive Leistung ermöglicht, ohne die unternehmerische und kreative Ader des Einzelnen zu schwächen. In den letzten Jahren hat sich jedoch die Balance zwischen beide Polen in Richtung von Technokratie und Finanzlogik verschoben.

Um ihre Organisationen wieder ins Gleichgewicht zu bringen, müssen die CEOs und ihre Mannschaften pragmatische Wege finden, den menschlichen Faktor wiederzubeleben. Niemand hält alle Hebel in der Hand, mit denen es möglich wäre, Gesellschaft oder Unternehmen über Nacht zu verändern. Da erscheint der Weg, den der Managementvordenker Charles Handy in seiner Schlussrede auf dem Peter Drucker Forum 2017 skizziert hat, deutlich erfolgversprechender: "Lasst uns kleine Feuer in der Dunkelheit entzünden", sagte Handy, "auf dass sie sich ausbreiten, bis die Welt erhellt ist von einer Zukunftsvision, die uns zeigt, was unsere Wirtschaft zu leisten im Stande ist."

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h_w_zimmermann 15.03.2018

Sehr geehrte Damen und Herren; ich bin sehr froh, dass ich endlich einmal etwas darüber lese, was mich schon in den vielen Jahren meines aktiven Berufslebens (1969 bis 2016) beschäftigt und umgetrieben hat: Die Menschlichkeit, Verlässlichkeit und Ehrlichkeit von Führungskräften in allen Bereichen von Wirtschaft und Verwaltung. Ich habe immer versucht, eine Erfahrung, die ich schon als Kind beobachtet und verinnerlicht habe, in mein persönliches Handeln einfließen zu lassen. Ich bin 1951 geboren und habe noch 4 Geschwister. 1959 wurde unser Elternhaus aufgestockt, von einer ortsansässigen, kleinen Baufirma, die damals ca. 10 -15 Maurer und eine paar Hilfsarbeiter (Handlanger) beschäftigt hatte. Der Chef dieser Firma fuhr einen VW Käfer, die Arbeiter kamen mit Mopes, Quickly, Zündapp, einige auch mit dem Fahrrad. Auf der Baustelle arbeitete der Chef noch zeitweise mit, war Primus inter Pares, also Erster unter Gleichen. Er aß mit seinen Leuten sein Pausenbrot und trank Kaffee aus der Thermosflasche, ich sehe es noch vor mir. Als einer der Mitarbeiter starke Rückenschmerzen hatte und die 30-iger Hohlblock nicht heben konnte, legte er ihm die Hand auf die SChulter und sagte: "Mach heute mal ein bisschen langsam, das gibt sich wieder"; Zitat Ende. Der Mitarbeiter war sichtlich erleichtert und kam auch die nächsten Tage wieder zur Arbeit. Ist das heute auch noch denkbar? Vielleicht, in Einzelfällen, in der Regel aber nicht. Heute würde ein solcher Mitarbeiter eher direkt einen Krankenschein bringen, weil er eine solche Reaktion wohl nicht erwarten kann. Unsere Firmen und die Gesellschaft brauchen ehrliche, authentische Führungskräfte, die das Ohr und das Herz bei Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern haben. Nur dann können wir das volle Potential der Mitmenschen heben und in die Abläufe einfließen lassen. Ich unterstütze die Thematik nach Kräften und habe immer versucht, meinen Kindern diesen Geist und diese Lebenseinstellung mitzugeben. Soweit ich das übersehen kann, ist mir dies vollauf gelungen. Herzliche Grüße Willi Zimmermann

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