So wappnen Sie sich gegen Kämpfe mit dem Chef

Konflikte:

Von Annie McKee
19. September 2014
Getty Images

Hatten Sie schon mal das Gefühl, dass Ihr Chef Sie "auf dem Kieker" hat? Vielleicht bilden Sie sich das nur ein - vielleicht aber auch nicht. Es gibt viele schlechte Vorgesetzte - Führungskräfte, die nicht dumm sind, denen es aber an emotionaler Intelligenz fehlt. Die kritische Selbstwahrnehmung solcher Leute ist erstaunlich gering; außerdem haben sie null Einfühlungsvermögen, können ihre Emotionen nicht unter Kontrolle halten, und ihre Wertvorstellungen scheinen ständig auf Urlaub zu sein.

Solche dissonanten Führungspersönlichkeiten sind gefährlich. Sie ruinieren Karrieren und bringen Teams auseinander. Sie können andere Menschen zerstören - manchmal ganz offenkundig, manchmal aber auch langsam und hinterrücks. Irgendwann befinden wir uns vielleicht in einem ständigen Kampf mit so einem Vorgesetzten, der unsere ganze Zeit und Energie beansprucht. Wir können an nichts anderes mehr denken. Wir kauen in Gedanken jede Kränkung, die er uns an den Kopf geworfen hat, noch einmal durch. Wir lecken unsere Wunden und schmieden Rachepläne. Wir erzählen allen, die es hören oder auch nicht hören wollen - einschließlich unserer Kollegen, Freunde und Angehörigen - von unserem Chef und dieser entsetzlichen Ungerechtigkeit.

Es ist zum Verzweifeln; aber wir können einfach nicht anders. Es kommt uns vor wie ein Kampf auf Leben und Tod. Denn die Auseinandersetzung mit einer mächtigen Person - beispielsweise einem Chef - weckt einen Urinstinkt tief in unserem Inneren: Angst. Schließlich hängt von solchen Leuten unser Leben ab - sie halten nicht nur den Schlüssel zu unserer Zukunft, sondern auch zu unserem täglichen Brot in der Hand.

Ein Kampf auf Leben und Tod mit dem eigenen Chef führt garantiert nicht zu Gesundheit, Glück oder Erfolg. Aber was können Sie dagegen tun?

Erstens: Schützen Sie sich. Ein Konflikt mit dem Vorgesetzten - so ein Schuss geht normalerweise immer nach hinten los. Das liegt daran, dass der offiziellen Hierarchie in unseren Unternehmenskulturen ein hoher Stellenwert beigemessen wird: Je höher Sie auf der Unternehmensleiter stehen, umso eher geht man davon aus, dass Sie im Recht sind - davon werden selbst diejenigen Leute überzeugt sein, die noch weiter oben stehen als Sie. Es ist ein sich selbst erhaltendes System, in dem Menschen nicht wegen ihres Verhaltens, sondern aufgrund ihres Status innerhalb der Organisation respektiert und belohnt werden. Das bedeutet, dass Sie einen Kampf mit Ihrem Chef - in seinen Augen und denen der anderen - womöglich schon verloren haben, ehe er überhaupt anfängt. Wenn Sie also unbedingt kämpfen müssen, sollten Sie sich unbedingt eine Strategie zurechtlegen, die Sie vor negativen Konsequenzen schützt. Schaffen Sie sich schon vorher wichtige Verbündete, die Sie unterstützen werden, wenn etwas schiefgeht. Sie sollten sich auch eine "Ausstiegsstrategie" überlegen, um wieder aus dem Konflikt herauszukommen, wenn es sein muss. Diesen "Notausgang" können Sie dann jederzeit benutzen, noch ehe die Auseinandersetzung mit Ihrem Chef Ihnen wirklich geschadet hat.

Zweitens: Konzentrieren Sie sich auf sich selbst. Sind Sie sicher, dass Sie nicht nur deshalb einen Streit mit Ihrem Vorgesetzten gesucht haben, um etwas zu beweisen oder Ihre eigene Unsicherheit zu überspielen? In Auseinandersetzungen mit dem Chef müssen Sie wirklich der absolute Saubermann sein: Kämpfen Sie ausschließlich für Ziele, die allen dienen und nicht nur Ihnen selbst. Setzen Sie Ihre moralische Integrität nicht aufs Spiel. Und schlagen Sie nicht unterhalb der Gürtellinie zu. In einem Kampf, in dem der andere die besseren Karten hat, neigen wir gerne dazu, zu übertreiben oder Fakten zu verfälschen. Oder wir sabotieren unseren Gegner oder fallen ihm in den Rücken. So tief zu sinken, tut Ihrer Seele nicht gut.

Drittens: Machen Sie sich klar, dass hinter diesem dysfunktionalen Konflikt nicht Ihre eigenen Probleme stecken, sondern die Ihres Chefs. Denn solche Vorgesetzte sind psychisch instabile, unsichere, machthungrige Demagogen. Oft sind sie auch narzisstisch veranlagt. Solche Leute brauchen Hilfe - und ehrlich gesagt verdienen Sie auch Ihr Mitgefühl. Wenn Ihnen nicht hundertprozentig klar ist, dass dieser Chef einen psychischen Knacks hat, stürzen Sie sich am Ende mit Feuereifer in die Schlacht, suchen die Schuld bei sich selbst oder spielen das Opfer. Konzentrieren Sie sich stattdessen lieber darauf, möglichst viele gesunde Beziehungen aufzubauen (vielleicht zu Ihren Kollegen oder dem Vorgesetzten Ihres Chefs), Ihre Arbeit gut zu machen und kreative Wege zu finden. Kreativität ist eine Lebenskraft, die Sie das Elend so eines ständigen Kriegszustands leichter ertragen lässt.

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