Keine Angst vor dem Umbau

Change Management:

Von Christoph Seeger
1. Dezember 2015

Change-Initiativen kommen mitunter ziemlich großmäulig daher. Sie versprechen viel, doch wenn es an die Umsetzung geht, bleiben sie oft den Beweis schuldig. Zwischen 60 und 70 Prozent - die Zahlen schwanken je nach Studie und Branche - aller geplanten Veränderungsinitiativen in Unternehmen misslingen.

Ist diese hohe Quote unvermeidlich, oder sind die Probleme am Ende womöglich hausgemacht? Wir wollten es genauer wissen und haben uns deshalb für dieses Sonderheft auf die Suche begeben. Zum Auftakt haben wir 18 Führungskräfte gebeten, uns von ihren Erfahrungen mit dem Wandel in ihren Organisationen zu berichten (ab Seite 8). Wie ist es ihnen gelungen, Kollegen und Kunden für das Neue zu begeistern? Wo verbargen sich Stolperfallen, wer waren die Treiber? Aber vor allem: Was würden sie aus heutiger Sicht anders machen, und was würden sie Betroffenen raten?

Die so entstandenen Gesprächsprotokolle mögen sehr unterschiedlich sein, in ihrem Tenor ähneln sie sich: Wer echte Veränderung will, darf auch vor einem Totalumbau keine Angst haben. Denn in diesem Punkt ist ein Change-Prozess wie jedes andere Projekt: Sobald man einen Stein umdreht, geraten viele andere ins Rollen.

Die St. Gallener Professorin Heike Bruch beschäftigt sich schon seit Langem mit der Frage, wie es Firmen gelingen kann, genügend Energie für den Wandel zu mobilisieren. Mehr über ihre aktuelle Forschung lesen Sie ab Seite 42. Dass Strategien und Pläne im Zeitalter des allgegenwärtigen Wandels oft wenig helfen, zeigt das Porträt des chinesischen Internetkonzerns Alibaba (Seite 50). Der extrem konsequente Konzern hat es geschafft, in einen Zustand der permanenten Selbstoptimierung zu gelangen.

Sollten Sie vor solch einem radikalen Schritt noch zurückschrecken, empfehle ich Ihnen unseren Klassiker von Harvard-Business-School-Professor Clayton Christensen und das Stück seines Kollegen Gary Hamel. Christensen, der heute vor allem für seine Analyse disruptiver Innovationen bekannt ist, macht deutlich, wann es in einem Veränderungsprozess angebracht ist, Motivationsreden zu schwingen und wann man auch mal mit Sanktionen drohen muss (Seite 60). Der Artikel von Managementvordenker Hamel wiederum ist sehr persönlich: Es geht um einen kleinen Perspektivwechsel, der Großes bewirkt (Seite 104).

Zum Schluss möchte ich Sie noch auf ein ganz besonders geschriebenes - und gezeichnetes - Stück hinweisen. In "Auf zu neuen Ufern" nehmen die österreichischen Autoren Sie mit auf eine Reise durch Now- und Nextland, zwei imaginäre Kontinente, auf denen Sie vielen Vordenkern und Organisationstheorien begegnen werden (Seite 88). In Nextland, wie das Autorenquartett die Heimat besonders fortschrittlicher Unternehmen genannt hat, beschreiten Manager völlig neue Pfade. Das sorgt für einen Wechsel der Perspektive, aber auch für eine gewisse Orientierungslosigkeit. Schlimm? Ach wo. Das Neue kommt nun mal am einfachsten mit einer Portion Abenteuerlust in die Welt.


Change Management


Wie agilen Unternehmen der Neustart gelingt


Zum Autor
Christoph Seeger ist Chefredakteur des Harvard Business Managers.

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