Kein Händchen für Talentmanagement

Studie:

Von Michael Leitl
30. Januar 2018
Getty Images

Die Entwicklung von Talenten in deutschsprachigen Unternehmen hinkt den Anforderungen noch immer hinterher, so das Ergebnis einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung Kienbaum. Die Personalexperten haben 174 Personen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt, davon 108 Führungskräfte aus dem Personalbereich und 66 als Talente eingestufte Mitarbeiter.

Dabei zeigte sich, dass nur jedes zweite Unternehmen überhaupt eine Strategie für das Talentmanagement besitzt. Die Befragten schätzten auch das Vorgehen bei der Talentförderung recht unterschiedlich ein. Auf die Frage nach der Zufriedenheit mit dem Talentmanagement antwortete die Hälfte (51 Prozent) der HR-Führungskräfte unentschieden, etwa je ein Viertel eindeutig mit Ja oder Nein. Die Talente selbst waren da klarer: 39 Prozent sind unzufrieden, 36 Prozent zufrieden - und ein Viertel unentschlossen. Zudem bewerten die Talente den Innovationsgeist der Personaler auch als niedriger.

Die Studienautorin Sarah Delahaye bezeichnet die derzeitigen Karrierepfade in den Unternehmen noch als zu hierarchisch. Generell gelte, dass die Potentialträger fast immer für eine Führungslaufbahn vorbereitet werden oder auf klar definierte Stellen im Unternehmen. "Für uns ist das jedoch nicht mehr aktuell", sagt Delahaye. Führung sei zwar ein zentrales Thema. Doch die Praxis zeige, dass etwas ganz anderes gebraucht werde. Vor dem Hintergrund immer schnellerer Veränderungen in Unternehmen sei der Ansatz, Mitarbeiter auf bestimmte Positionen hin zu entwickeln, falsch. Stattdessen sollten Persönlichkeit und Potenzial in den Vordergrund rücken.

Das Talentmanagement sollte sich vor allem auf Fähigkeiten konzentrieren und die zentralen Kompetenzen, die das Unternehmen benötigt. Dazu gehören unter anderem auch die Lern- und Veränderungsbereitschaft, aber auch die Fähigkeit, disruptive Ideen ins Unternehmen tragen zu können und Geschäftsmodelle hinterfragen zu können. Allerdings seien laut Delahaye viele Unternehmen auch dafür noch nicht bereit. Denn Mitarbeiter mit einer anderen Meinung, würden oft nicht als Talente gesehen. Dabei sei gerade das wichtig. Je weiter der Talentbegriff gefasst sein, desto innovativer sei ein Unternehmen.

Die Zeit, Mitarbeiter langfristig auf bestimmte Führungspositionen vorzubereiten, haben viele Unternehmen nicht mehr. "Heute redet man viel darüber, wie man Talente für Schlüsselpositionen findet", sagt Delahaye. Man wisse aber nicht, ob eine bestimmte Führungsposition im kommenden Jahr überhaupt noch vorhanden ist.

Ein zentraler Zusammenhang besteht laut Kienbaumstudie auch zwischen dem Engagement der Führungskräfte ins Talentmanagement und der Zufriedenheit der Talente. Das fällt natürlich umso leichter, wenn die Vorgesetzten auch Anreize dafür bekommen. Das ist jedoch nur bei 16 Prozent der Fall - bei der Mehrheit von 47 Prozent der Befragten gibt es keine entsprechende Unterstützung.


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  • Copyright: Christian O. Bruch
    Christian O. Bruch
    Michael Leitl war Redakteur des Harvard Business Managers.
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