Warum wir so viel arbeiten (und nicht damit aufhören können)

Karriere:

Von Dorie Clark
30. Januar 2014

Glück durch Erfolg oder Erfolg durch Glück?
Corbis

Glück durch Erfolg oder Erfolg durch Glück?

Ich hatte Jim seit zwei Jahren nicht gesehen. Als wir uns vor kurzem wieder trafen, war ich schockiert: Der attraktive, elegante Mann, als den ich ihn kannte, hatte 15 Kilo zugelegt und angefangen zu rauchen. Voller angespanntem Elan erzählte er mir von seinen geschäftlichen Umtrieben - er hatte so viel zu tun, dass er regelmäßig bis 22 Uhr im Büro blieb, ein Milliardär unter seinen Kunden saugte ihm die Energie weg und bereitete ihm Ungemach. Doch dieses Projekt würde bald vorbei sein, erklärte er mir. "Das ist prima", antwortete ich, "dann hast Du also bald nichts mehr mit ihm zu tun". Jims Antwort: Nicht unbedingt - es könne sein, dass anschließend ein neuer Vertrag mit dem Milliardär folge.

Es ging nicht um Geld. Wir standen in Jims Ferienhaus mit einem wunderbaren Blick auf die Berge. Das Geschäft lief hervorragend. Jim wünschte sich nur eines: Mehr Zeit hier oben in seinem Traumhaus zu verbringen, und vielleicht öfter auszugehen und eine Frau kennenzulernen. Natürlich hätte er das haben können. Aus irgendeinem Grund aber hatte er beschlossen, darauf zu verzichten. Und damit ist er keineswegs allein.

Die Rendite von Arbeit ist sofort offensichtlich, wie der Harvard-Managementprofessor Clay Christensen in seinem Mega-Bestseller "How Will You Measure Your Life?" (zusammen mit Karen Dillon und James Allworth) schreibt: Man bekommt sofortige Rückmeldungen und häufig auch sofortige Belohnungen in Form von mehr Gehalt, Beförderungen, neuen Verträgen oder allgemeiner Wertschätzung. Im Privatleben aber sieht es ganz anders aus - es kann zwischendurch immer banal, langweilig oder entmutigend sein.

Wie der Harvard-Glücksforscher Daniel Gilbert gezeigt hat, führen Kinder kurzfristig nicht zu mehr Glück bei den Eltern; im Alltag machen sie sogar fast alles (von Fernsehen bis Sport) lieber, als Zeit mit ihren Kindern zu verbringen. Arbeit ist mit Sicherheit eine der gesellschaftlich gut akzeptierten Ausreden dafür. Trotzdem aber, so Christensen, wachen viele Berufstätige in der Mitte ihres Lebens auf und stellen bestürzt fest, dass es in ihrer Familie zerbrochene Beziehungen, Scheidungen und Entfremdung gibt. Wir müssen also den Unterschied zwischen kurz- und langfristigen Belohnungen bei der Arbeit und im privatem Leben verstehen.

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