Macht Studenten zu Gründern

1. August 2014
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2. Teil: Was müssen deutsche Universitäten tun?

Studenten sollten gemeinsam in interdisziplinären Teams an ihren Geschäftsideen arbeiten und diese umsetzen. Fakultäts- und fachübergreifende Entrepreneurship-Kurse im Bachelor und Masterstudium sowie während der Promotion bieten sich als Rahmen dafür an. Vor allem das fachübergreifende Zusammenarbeiten in Kursen muss gestärkt werden.

Ein Geisteswissenschaftler mit einer Online-Geschäftsidee findet im Studium zum Beispiel einen Informatiker mit der Fähigkeit, die Idee zu programmieren, um sie schließlich mit einem BWL-Studenten zusammen umzusetzen. Ein Ingenieur wird durch den Austausch mit anderen Fachrichtungen zum innovativen Strömungsmechaniker und Maschinenbauer. Marketingstudenten werden zu Managern der Marken von Studenten Startups. Es gibt viele Möglichkeiten.

Um dies zu fördern müssen die Professoren ihre Studenten bereits im Bachelor-Studium für das Unternehmertum begeistern. Sie müssen ihnen das notwendige Wissen vermitteln, ihnen zeigen wie Geschäftsmodelle entwickelt und positioniert werden und wie eine Finanzplanung funktioniert. Der Bau von Prototypen, die Entwicklung von Businessplänen und echter Kundenkontakt schulen das Marktverständnis und fördern eine unternehmerische Haltung. Im Masterstudium sollten die Studenten bereits echte Unternehmen gründen, die sie über einen bestimmten Zeitraum auch tatsächlich betreiben.

Sie sollten von Coaches (Professoren und Unternehmern) betreut werden, um die Startups konstant zu verbessern. Während der Promotion sollten Studenten schließlich nicht nur darüber nachdenken, wie und wo sie ihre empirischen Forschungsprojekte publizieren können, sondern auch, wie sie damit neue Geschäftsmodelle kreieren, Geld verdienen und erfolgreiche Unternehmen schaffen können.

Die Kultur einer unternehmerischen Hochschule entsteht nicht von heute auf morgen. Dazu müssen viele Akteure aus der Wirtschaft und der Politik beitragen. Wir sollten schleunigst damit anfangen. Natürlich ist es nicht einfach, verursacht Schwierigkeiten und bedingt manche Veränderungen, dennoch ist es absolut notwendig.

Damit wir den Rückstand zu führenden Gründernationen wie den USA nicht nur verkleinern, sondern künftig auch eine ähnliche Vorreiterrolle spielen, dürfen wir die Erfolgsmodelle der US-Universitäten nicht nur kopieren. Wir müssen einen eigenen Weg finden, der zu uns passt und gleichzeitig kreative Impulse setzt. Hier einige Ideen, die dabei helfen können:

  • Wahl der Rechtsform: Als Gesellschaftsform wäre eine GmbH auf Probe hilfreich. Sie könnte von Unis vergeben werden und ermöglichte es den Studenten, tatsächlich unternehmerisch tätig zu werden. Die aufwändigen Schritte und Voraussetzungen einer normalen Gesellschaftsgründung (wie Gründungskapital, Notarbesuch und Handelsregistereintragung) müssten dabei wegfallen. Auch die Schließung, wenn der Kurs endet und die Umwandlung, sollten die Studenten beschließen, das Unternehmen weiterzuführen, müssten berücksichtigt werden.
  • Vernetzung mit Ausbildungsbetrieben: In den USA schießen Techshops (http://techshop.ws) aus dem Boden, in denen Gründer Prototypen ihrer Ideen bauen und realisieren können. An Universitäten sollten ähnliche Techshops vorhanden sein oder geschaffen werden. Darüber hinaus gibt es in Deutschland dank unserer Lehrlingsausbildung auch zahlreiche Betriebe und Berufsschulen, die über solches Equipment verfügen. Anstelle der Umsetzung reiner Übungsaufgaben, könnten Lehrlinge im Rahmen ihrer Ausbildung die kostengünstige Realisierung von Prototypen unterstützen. Durch eine solche Vernetzung (Werkstatt- und Ressourcen-Sharing) entstünden zugleich wertvolle Kontakte zu Unternehmen und ein interessanter Austausch zwischen Lehrlingen und Studenten.
  • Uni Budgets für Prototypen und erste Gehversuche: Studenten sollten die Möglichkeit haben, Förderungmittel nicht nur für ihre wissenschaftlichen Arbeiten zu beantragen, sondern auch um ihre Ideen und Prototypen zu realisieren. Genau wie es Forschungsstipendien gibt, sollte es Unternehmerstipendien geben, die es Studenten erlauben, kommerzialisierbare Innovationen voranzutreiben und ihr erworbenes Wissen direkt umzusetzen.
  • Entrepreneurship-Sabbaticals für Studenten, Assistenten und Professoren: Studenten wie Professoren sollten die Möglichkeit haben, ihr Studium oder ihre Unitätigkeit für eine gewisse Zeit auszusetzen, um ihre Geschäftsidee umzusetzen. Derzeitige Studienpläne sind viel zu starr. Sabbaticals sind derzeit für Forschung, aber nicht für eine Firmengründung vorgesehen.
  • Nutzung der Crowd: Universitäten mit ihren Professoren und Studenten verfügen über enormes Wissen. Dennoch brauchen sie für bestimmte Gründungsaufgaben oft unterschiedliche Expertise und zusätzliche Unterstützung von außen. Universitäten sollten ihren studentischen Gründern deshalb ermöglichen, ihre Innovationen und Unternehmungen der Öffentlichkeit im Internet und auf Social-Media-Kanälen zu präsentieren. Sie sollten darüber hinaus einen offenen Marktplatz etablieren, auf dem die Startup-Teams ihre Anfragen nach externer Unterstützung platzieren können, um ihre Ideen weiterzuentwickeln. Nach dem Vorbild von Open Innovation und Crowdsourcing von Firmen wie Google, Intel, BMW und Siemens könnten Studententeams so von dem Wissen, der Kreativität und der Leistung der Masse profitieren.
  • Die Uni als Gründerzentrum: Ehemalige Absolventen sollten mit Geschäftsideen an die Universitäten herantreten und an die Uni kommen können, um ihre Firmengründungen in kreativer Atmosphäre umsetzen zu können.
Natürlich gibt es noch viele weitere Möglichkeiten, um das Unternehmertum an Unis zu fördern. Ich bin auf Ihre Meinungen und Ideen gespannt.

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Kommentare
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oh72 21.07.2014

Die Logik des Beitrags ist genau jene, die zur Biotech-Blase geführt hat. Wissen allein ist eben KEINE Grundlage für ein Unternehmen, und Unternehmen, die auf dieser Basis gegründet werden, gehen in schöner Regelmäßigkeit baden. Es reicht eben NICHT eine tolle Idee zu haben. Es reicht auch nicht, ein tolles Produkt zu haben. Das verkauft sich nicht von selbst, auch wenn viele Wissenschaftler (ich gehöre von der Ausbildung selbst dazu und habe dieser Illusion auch einmal unterlegen) und viele Kreative das glauben. Und es ist auch nicht zu verstehen, warum Studenten, die sich mehr für Grundlagenforschung interessieren, mit Gewalt ins Unternehmertum gedrängt werden sollten. Was die interdisziplinäre Zusammenarbeit angeht - das ist in der grauen Theorie ein nettes Konzept, scheitert aber nicht zuletzt häufig daran, dass Naturwissenschaftler und BWLer eine komplett unterschiedliche Sprache sprechen wenn es um "gesicherte Sachverhalte" geht. Es ist ja ganz nett, darauf hinzuweisen, dass aus Stanford heraus 40000 Unternehmen gegründet wurden - aber wie viele davon gibt es noch? Masse ist nicht Klasse. Das amerikanische Modell hat die durchschnittliche Lebensdauer von Unternehmen über den Verlauf des 20. Jahrhunderts hinweg dramatisch reduziert. Und wenn wir uns anschauen, wie viele Patente angemeldet werden, so liegt Deutschland bei den triadischen Patentfamilien pro Millionen Einwohner noch deutlich vor den USA. Ganz so schlecht ist es um Deutschland also keineswegs gestellt. Die Geschäftsmodelle sind eben andere.

pp2014 22.07.2014

Also ich muss dem Autor Recht geben - und oh72 energisch widersprechen. Natürlich kann Wissen allein betrachtet nicht Grundlage für eine Gründung sein. Aber Wissen - oder auch die Aneignung bestimmter Kenntnisse - schaffen vielfach erst die Fähigkeit, um ein Unternehmen aufzubauen. Das Wissen über die Kundenbedürfnisse, das Wissen über die Kapitalbeschaffung, Kenntnisse über die Branche oder das Wissen über die Optimierung von Prozessen sind dabei nur einige Beispiele, die dabei zu nennen sind. Und wenn ein Gründer derartiges Wissen besitzt, dann kann er auch entscheiden, ob nur die Idee oder das Produkt "toll" ist oder ob sogar ein Markt dafür besteht. Die Vermittlung solchen Wissens kommt auch meiner Meinung nach an Hochschulen viel zu kurz. Und genau so verstehe ich den Artikel. Hier soll kein Student mit Gewalt in das Unternehmertum gedrängt werden, sondern gründungswilligen Studierenden soll eine neue Möglichkeit eröffnet werden, von der sie selbst und auch die Wirtschaft als Ganzes profitieren. Auch diese Förderung ist an Hochschulen derzeit eher Mangelware. Zwar erkennen dies die Hochschulen zum Teil, aber nicht immer steuern sie zielgerichtet dagegen. An meiner Hochschule gibt es viele potenziell Gründungsinteressierte, allerdings sind sie sich sehr unsicher und fokussieren sich daher eher auf ein sicheres Angestelltenverhältnis - selbst wenn dies nicht dem eigentlichen Wunsch entspricht. Einigen fehlt auch Know-How aus anderen Fachgebieten, z.B. dem BWLer mit einer guten Online-Idee fehlt der Informatiker oder dem Ingenieur fehlt ein Marketing- oder Rechtsexperte für die Vermarktung seines Produktes. Dazu braucht es interdisziplinäre Teams. Und wenn diese unterschiedliche Sprachen sprechen, dann braucht es eben zusätzlich einen Übersetzer - ebenfalls wieder an Ansatzpunkt der Hochschule, denn ein Professor kann zweifellos einen solchen Übersetzer darstellen. An meiner Hochschule gibt es zwar einen kompetenten Gründungsservice, der eine Hilfestellung bietet und Workshops organisiert. Allerdings reicht das meines Erachtens nicht aus, um das Interesse für Gründung zu wecken. Auch ein neues Innovationszentrum, welches Gründern (günstige) Räumlichkeiten und diverse Services bietet, ist nur Hilfsmittel. Vielmehr muss früher angesetzt werden und das Thema Entrepreneurship bereits in der Lehre verankert werden - natürlich nur für grundsätzlich interessierte Studierenden, um keinen Zwang auszuüben. Geschieht das nicht werden die Studierenden eher mit Gewalt in die Grundlagenforschung gedrängt. Aktuell steht Deutschland noch gut dar, weshalb ja vielleicht kein direktes Problem ersichtlich ist - aber wie sieht das in der Zukunft aus?

oh72 28.07.2014

@pp2014 " Das Wissen über die Kundenbedürfnisse, das Wissen über die Kapitalbeschaffung, Kenntnisse über die Branche oder das Wissen über die Optimierung von Prozessen sind dabei nur einige Beispiele, die dabei zu nennen sind. " Die aber mit den eigentlichen Fächern nichts zu tun haben, wenn der Student denn kein BWLer ist. Das ist genau der Punkt. "Hier soll kein Student mit Gewalt in das Unternehmertum gedrängt werden, sondern gründungswilligen Studierenden soll eine neue Möglichkeit eröffnet werden, von der sie selbst und auch die Wirtschaft als Ganzes profitieren. " Das entspricht nicht dem Beitrag. Da steht ausdrücklich JEDER Student. " Geschieht das nicht werden die Studierenden eher mit Gewalt in die Grundlagenforschung gedrängt. " Tatsächlich ist doch das Gegenteil der Fall: Die Grundlagenforschung wird ausserhalb unabhängiger Institute immer mehr vernachlässigt, weil die Universitäten dazu gedrängt werden, anwendungsrelevante Forschung zu betreiben und Drittmittel aus der Industrie einzuwerben. Warum sollen Universitäten für die Industrie ausbilden und den eigenen Bedarf vernachlässigen? Warum sollte vielmehr nicht die Industrie dafür sorgen, dass gegebenenfalls notwendige weitere Qualifikationen erworben werden können? Das Thema "Entrepreneurship" hat mit Chemie, Biologie, Physik, Informatik etc. nichts zu tun. Wenn dort Nachholbedarf besteht, wäre es z.B. Aufgabe der IHKs, sich darum zu kümmern. Die lassen sich nur gerne für ihre Dienste bezahlen, was natürlich für Studenten eher ungünstig ist.

pp2014 05.08.2014

@oh72: Ich gebe Dir Recht, dass die Aussage "Jeder Student sollte ein Unternehmen gründen" wohl etwas überspitzt ist. Aber jeder Studierende sollte auf jeden Fall über diese Möglichkeit ausreichend informiert werden und sich bei Interesse entsprechend weiterbilden können. Und genau dieses Angebot fehlt vielfach. Allerdings gilt das nicht nur für BWLer, denn meine Aussage zum Wissen bezog sich auch auf das Wissen über Prozesse oder Branchen - und damit insbesondere fachbezogen für Ingenieure, Biologen, Informatiker, etc. Und genau aus diesen Bereichen kommen heutzutage Innovationen, weshalb Entrepreneurship auch ein Thema für diese Studierenden ist und sein sollte. Dass viele Forschungen auf Grundlage der Industrie betrieben werden, finde ich nicht einmal verwerflich. Wie viele der Studierenden arbeiten denn später wirklich im Berufsleben rein wissenschaftlich und wie viele gehen in die freie Wirtschaft? Da erscheinen mir anwendungsrelevante Forschungen überhaupt nicht falsch zu sein. Sicherlich ist dabei auch zwischen einer klassischen Universität und den (Fach-)Hochschulen zu unterscheiden. Und natürlich muss auch Grundlagenforschung möglich sein, aber ich sehe im Moment eine deutlichen Überhang zugunsten dieser und zulasten des Themas "Gründung". Das Thema wird in Forschung und Lehre durch die Hochschulen nicht zufriedenstellend abgebildet, obwohl ein großes Interesse daran besteht. Und die Ausgründung aus einer Hochschule heraus ist i.d.R. nunmal der beste und vor allem sicherste Zeitpunkt.

johannfueller 08.09.2014

Danke für die Diskussion. Selbstverständlich kann es nicht im Interesse der Universitäten liegen, Grundlagenforscher*Innen zu Existenzgründer*Innen zu verbiegen und der Titel ist sicherlich eine Hyperbel. Der Zugang zu unternehmerischem Spirit ist allerdings in unserer Hochschulbildung bestimmten Fachrichtungen vorbehalten. Eine Initiative, die Zugang für Student*Innen egal welcher Fachrichtung ermöglicht, ist unverzichtbar. Eine Zwangsveranstaltung für Studierende ist natürlich keineswegs intendiert, lediglich ein Angebot, das nicht nur spitzen Grundlagenforscher als Professoren erfordert, sondern ein Konglomerat aus ihnen, Unternehmen und unternehmerische Professoren an unseren Universitäten. Ende August hat auch Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrem Podcast die Stärkung von Innovation als Ziel definiert und eine Allianz zwischen Universität und Industrie als unverzichtbar erachtet. (http://www.bundeskanzlerin.de/Webs/BKin/DE/Mediathek/Einstieg/mediathek_einstieg_podcasts_node.html?cat=videos&id=1257322 , 30.08.2014) Ich bin dankbar für diese Erkenntnis und gespannt, wie die Umsetzung der Pläne mit dem existierenden Apparat funktionieren kann und wird. Meines Erachtens wird das Bestreben nur durchzusetzen sein, wenn Förderungsinitiativen dort greifen, wo Ideen für Unternehmen reifen können: an den Universitäten und Hochschulen. Und damit in den Köpfen junger Kreativer.

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