Jeder hat ein Recht auf sinnvolle Arbeit

Soziale Verantwortung:

Von Richard Straub und Julia Kirby
4. April 2017
hbr.org

Es wird kaum jemand gegen die Idee vom Wohlstand für alle sein. Natürlich sollten die vom Wirtschaftswachstum produzierten Überschüsse weitgehend geteilt werden. Doch der Teufel liegt im Detail. Denn die Befürworter des sogenannten integrativen Wachstums haben nicht immer das Gleiche im Sinn.

Einige ließen sich zum Beispiel von Thomas Piketty inspirieren. Der Ökonom scheint auf eigene Faust eine neue Agenda für Wirtschaftsforschung gesetzt zu haben. Diese Gruppe konzentriert sich auf die beunruhigenden Ungleichheiten bei Einkommen und Vermögen der Bürger.

Andere, wie die Vertreter des Londoner Think Tanks Legatum Institute denken bei dem Wort Wohlstand weniger an die finanziellen Aspekte, sondern an das allgemeine Wohlbefinden. Sie konzentrieren sich daher darauf, all seine Bestandteile in Gesellschaften auf der ganzen Welt zu messen.

Eine dritte Gruppe betrachtet das Thema aus einer Managementperspektive. Auf diesen Aspekt wollen wir uns hier konzentrieren. Als Eric Beinhocker, Executive Director am Institute for New Economic Thinking der Oxford Martin School und der Unternehmer Nick Hanauer sich mit diesem Thema beschäftigten, schrieben sie: "Wohlstand in einer Gesellschaft bedeutet, Lösungen für menschliche Probleme zu anzuhäufen". Indem sie Lösungen als Motor des Wachstums bezeichneten, wollten Beinhocker und Hanauer den Kapitalismus als Kraft für Wohlstand ausrufen (als das System, das den beständigsten Strom überlegener Ideen hervorbringt). Aber ihre Art, über Wohlstand nachzudenken, bietet auch jenen Führungskräften Orientierung, die härter daran arbeiten wollen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen: Ihre Mission ist es, neue lebensverbessernde Lösungen vorzustellen, zu entwickeln und umzusetzen. Dabei geht es vor allem um die Güter und Dienstleistungen, die das Leben gewöhnlicher Menschen verbessern. Unternehmen haben eine Vielzahl sozialer Verantwortlichkeiten, aber das Wesentliche - und der Hauptgrund für ihre Daseinsberechtigung - ist zu innovieren.

Wir möchten Beinhockers und Hanauers Argumentation noch eine Wendung hinzufügen. Wenn wir über Wohlstand im Großen und Ganzen nachdenken, dann sollten wir auch anerkennen, dass es nicht nur die Lösungen selbst sind, die die Lebensqualität verbessern - es gehört auch dazu, sich am Akt des Entwickelns von Lösungen zu beteiligen. An der befriedigenden Arbeit der Innovation teilzuhaben, bereichert das Leben durch Aspekte wie Sinn, Würde und der schieren Freude, Fortschritte bei schwierigen Aufgaben zu erzielen. Phantasievolles Problemlösen ist Teil der menschlichen Natur. Daran teilzunehmen ist wichtig für ein gutes Leben - und keine elitäre Minderheit sollte darauf ein Monopol haben.

So stellt sich die Frage: Wie können wir mehr Menschen in die Lösung von Problemen einbinden? Jeder Mensch ist zu kreativem Denken und Handeln fähig. Große Manager wissen, wie man diese üppige Ressource nutzt, und sie erkennen, dass das Bündeln kreativer Energie gewöhnlich den Fortschritt beschleunigt. Oder wie das Sprichwort sagt: Viele Hände machen bald ein Ende.

Aber damit dies auf breiter Ebene geschehen kann, müssen mehr Organisationen erkennen, dass zu ihrem Innovationsmandat nicht nur gehört, neue Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, sondern auch neue Wege, die Arbeit zu erledigen. Das digitale Zeitalter bietet uns dazu enorme Chancen - bringt aber auch neue Herausforderungen und Risiken. Wie Unternehmen Informations- und Kommunikationstechnologien entwickeln und bereitstellen werden, wird hochgradig beeinflussen, ob Wohlstand für alle entsteht oder nur exklusiv für einige wenige.

Im besten Fall werden die zunehmend leistungsfähigeren Maschinen es den Menschen ermöglichen, effektiver zusammenzuarbeiten und das Lernen aus Erfahrung skalierbar zu machen. Mit Hilfe von Kooperationsplattformen können Experten ihre Messungen und Beobachtungen großer Phänomene (wie der Wasserqualität ) teilen, während Fortschritte beim maschinellen Lernen, der künstlichen Intelligenz und die schiere Rechenleistung die Leistung des menschlichen Geistes erweitern, so wie frühere Technologien die menschliche Körperkraft verstärkt haben.

Im schlimmsten Fall werden intelligente Maschinen das Potenzial haben, den Beitrag des Menschen zu marginalisieren, kognitive Arbeit zu automatisieren und eine Gesellschaft voller "Horden von Bürgern mit einem wirtschaftlichen Wert gleich Null" zu hinterlassen, wie Bill Davidow und Michael Malone es sehr drastisch ausdrückten. Diese Situation birgt große Verantwortung für Verantwortliche aus Politik, Bildung, Management und anderen Bereichen, um den Übergang und die damit verbundenen Schwierigkeiten zu bewältigen.

Wir befinden uns also an einem wichtigen Scheideweg. Die Technologien, die unsere Spezies entwickelt, können entweder der Schlüssel zur Freisetzung menschlichen Potenzials sein - oder der Weg, es mehr denn je brach liegen zu lassen. Tatsächlich könnten sie sogar verändern , wie wir menschliches Potenzial definieren, angesichts die überraschenden neuen Kombinationen aus technischen und menschlichen Fähigkeiten, die derzeit entwickelt werden. (Es ist auch gar nicht nötig erst auf Elon Musk Neuralink zu warten. Wie der DARPA-Chefin Arati Prabhakar schrieb, ist die Verschmelzung von Mensch und Maschine bereits im Gange. )

Der Wissenschaftler Clay Christensen erinnert Innovatoren gerne daran, wie wichtig es ist, den "Job to be done" herauszuarbeiten - was wollen sie erledigt haben, wofür Kunden ein Produkt oder eine Dienstleistung "anheuern"? In diesem Licht betrachtet: Welcher "Job" muss durch die Praxis des Managements getan werden? Welche Aufgabe muss für die Gesellschaft erledigt werden, damit sie sich dafür an kompetente Manager wendet? In zunehmendem Maße gehört zu dieser Aufgabe nicht nur die effizientere Produktion besserer Güter und Dienstleistungen. Dazu kommt auch, dafür zu sorgen, dass Einzelpersonen in beispielloser Weise zusammenarbeiten und Dinge umsetzen können. Die Führungskräfte, die diesen Job erledigen, werden diejenigen sein, die das menschliche Potenzial ausschöpfen und es schaffen, Wohlstand für alle zu schaffen.

Dieser Beitrag ist die erste in einer Reihe, die wir im Vorfeld des Global Drucker Forum 2017 in Wien veröffentlichen. Das Thema der Konferenz in diesem Jahr lautet Wachstum und Wohlstand für alle.



Dein Freund, der Roboter

Julia Kirby und Tom Davenport

HBM-Beitrag als PDF, 10 Seiten

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