Wie innovativ ist Ihr Unternehmen?

Selbsttest:

Von Jens-Uwe Meyer
4. Juli 2014
Corbis

Innovationsmanagement ist eines der populärsten Managementbuzzwords: es bezeichnet einen klaren Prozess von der Ideenfindung über verschiedene Entscheidungsstufen bis zur Umsetzung. Das klingt verlockend - jedenfalls in der Theorie. In unseren Gesprächen mit Innovationsmanagern beobachten wir häufig anderes: Ideen sprudeln nicht, stattdessen wird ein Prozess verwaltet. Selbst in Unternehmen, die ihr Innovationsmanagement scheinbar perfekt organisiert haben, ersticken neue Ideen in der Bürokratie.

Hier geht es zum Innovationsselbsttest
Wir haben seit 2011 mit zahlreichen Unternehmen wie Thomas Cook, Nestlé, Deutsche Telekom, Vodafone und DHL in Innovationsprojekten zusammengearbeitet. Seit 2011 haben wir 100 Innovationsprojekte analysiert und 200 Unternehmen befragt, um herauszufinden, wie Innovationen tatsächlich entstehen - und wie die Projektbeteiligten die Qualität des Prozesses beurteilen. Zusätzlich haben wir 200 wissenschaftliche Studien von 1990 bis 2014 ausgewertet, um zu herauszuarbeiten, welche Methoden dem aktuellen Stand der Forschung entsprechen.

Unsere Untersuchung ergab, dass zwar in allen Unternehmen ein hohes Innovationsbewusstsein herrscht. Aber nur 38 Prozent der Befragten sagen über ihr Unternehmen, dass Innovation konsequent vorangetrieben wird. Die verbleibenden 62 Prozent sehen die Entwicklung neuer Produkte als Streichposten, sobald es wirtschaftlich schwieriger wird. An bahnbrechenden Innovationen arbeiten 25 Prozent der Befragten, 75 Prozent streben eher eine schrittweise Verbesserung der Produkte an.

Kreativität als Grundlage für die Entwicklung neuer Ideen wird dagegen sehr unterschiedlich goutiert. 71 Prozent der Befragten gaben an, dass Kreativität nur teilweise oder gar nicht geschätzt werde. Ähnlich fallen die Aussagen zu flachen Hierarchien, dem Übergehen von Regeln oder der schnellen Entscheidung, Ideen umzusetzen aus. Die Organisationen sind nicht dafür gemacht, Neues zu entwickeln, sondern das bestehende Geschäft optimal den Zielvorgaben entsprechend voranzutreiben.

Das Management unterschätzt für die Zukunftssicherung eine der wichtigsten Komponenten: Die Innovationskultur. "Unser Innovationsprozess ist durchdacht, clever und toll," beschreibt Adrienne Héon-Kleinen, Leiterin Corporate Strategy & Innovation bei Nestlé Deutschland, den Stage Gate Prozess bei Nestlé. "Nespresso hätte es durch diesen Prozess aber nie geschafft. Nach all den Kriterien, die wir aufgestellt haben, wäre dieses Pflänzchen einer radikalen Innovation für uns zu unvorhersehbar, zu visionär und letztlich auch zu unsicher."

Auf der Basis unserer Arbeiten haben wir ein Tool entwickelt, mit dessen Hilfe sich die im Unternehmen existierende Innovationskultur bestimmen lässt. Zu welcher Art von Innovation ist Ihr Unternehmen fähig? Begünstigt die Kultur eher inkrementelle oder radikale Innovation? Und welche versteckten Barrieren stehen Innovation im Weg?

Mit Hilfe der folgenden 11 Fragen aus dem Innolytics-Modell können Sie eine erste Einschätzung Ihrer Innovationsfähigkeit vornehmen.

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Zum Autor
Jens-Uwe Meyer ist Geschäftsführer der Innovationsberatung "Innolytics". Er ist Autor mehrerer Bücher zum Innovationsmanagement und verfasste bereits mehrere Beiträge für den Harvard Business Manager.

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Kommentare
1
MarcoHass 17.06.2014

Ach schön! Es gibt Menschen wie mich, die sich und Unternehmen weiterentwickeln wollen und Werte haben, die von Patriarchismus, Bürokratie, Status und paranoidem Verhalten abweichen. Diese Erkenntnis habe ich aus Ihren Innolytics-Modell-Fragen gewonnen. Gerne würde ich als Leitungskraft in einem solchen Unternehmen im Raum Bremen-Cuxhaven arbeiten. Schade, dass die meisten CEO's und Topmanager sich selbst am wenigsten weiterbilden und gar nicht merken, dass sie genau deswegen keine Zeit haben, um sich mit Innovation, Nachhaltigkeit und Zukunft ihres Unternehmens zu beschäftigen. marcohass(aet)aol com

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