Ideen aus der Minibar

Kreativität:

Von Alison Beard
10. Juli 2018
Getty Images

Jeden Monat überprüfen wir die Thesen eines Wissenschaftlers. Diesmal: Andrew Jarosz, Psychologieprofessor an der Mississippi State University, über Alkohol und Kreativität.


Die Studie: Forscher um den Psychologieprofessor Andrew Jarosz haben 20 angetrunkene Probanden Wortspiele lösen lassen. Die Teilnehmer konsumierten Cocktails, bis sie einen bestimmten Blutalkoholwert erreicht hatten. Sie gaben anschließend mehr richtige Antworten als die nüchterne Kontrollgruppe - und waren deutlich schneller.

Die These: Betrunkene können kreative Aufgaben besser lösen.


Macht uns Alkohol also tatsächlich kreativer?

Jarosz: Von Schriftstellern, Künstlern und Komponisten hört man häufig, dass Alkohol ihre Kreativität beflügele. Auch andere Menschen sagen, dass sie nach ein paar Drinks bessere Ideen hätten. Wir wollten Beweise dafür finden und haben uns dieses kleine Experiment ausgedacht. Wir haben den Teilnehmern 15 Fragen gestellt, die aus einem Bewertungsverfahren für kreative Problemlösungen stammen, dem Remote Associates Test, RAT. Zum Beispiel: Welches Wort passt zu "Fisch", "Mine" und "Rausch"? Die Antwort lautet "Gold". Wir fanden heraus, dass die Angetrunkenen zwei bis drei Aufgaben mehr lösen konnten als Teilnehmer, die keinen Alkohol getrunken hatten. Innerhalb der Antwortzeit von einer Minute kamen sie auch schneller auf die Lösung. Das hat uns sogar noch mehr überrascht.

Alkohol verlangsamt unsere Gedankengänge also gar nicht?

Doch, schon. Aber die kreative Problemlösung ist ein Bereich, in dem sich alkoholbedingt fehlende Konzentration tatsächlich positiv auswirkt. Bei Aufgaben wie dem RAT ist es wichtig, sich nicht auf seinen ersten Lösungsgedanken zu versteifen. Alkohol scheint dabei zu helfen, auch in abwegige Richtungen zu denken. Nach dem Experiment haben wir die Teilnehmer gefragt, ob sie mehr auf strategisches Denken oder auf plötzliche Einfälle gesetzt haben. Die Angetrunkenen haben demnach in 10 Prozent mehr Fällen spontane Lösungen gefunden. Auf das Wort "Gold" kommen Teilnehmer vielleicht auch, wenn sie alle Assoziationen zu "Fisch" durchgehen. Aber wenn die Aufgaben schwieriger werden, etwa bei den Wörtern "Haut", "Marsch" und "Kiel", kommen Teilnehmer mit dem Ansatz nicht weiter. Wahrscheinlich bleiben sie länger bei falschen Lösungen hängen, bevor sie auf die richtige Antwort kommen - in diesem Fall "Gänse". Stelle ich dagegen mathematische Berechnungen zur Steuerung einer Maschine auf, sollte ich natürlich nüchtern sein.

Aber wenn es um kreatives Brainstorming geht, sollten wir uns lieber in Bars statt Konferenzräumen treffen?

Wenn es ums Querdenken geht, können Happy-Hour-Cocktails oder ein Martini zum Mittagessen tatsächlich von Vorteil sein. Ich würde aber nicht bis zur letzten Runde bleiben. Denn wenn der Blutalkoholwert auf über 0,8 Promille steigt, sind Sie wahrscheinlich zu nichts mehr zu gebrauchen. Und vermutlich können Sie schlechte Ideen auch gar nicht mehr aussortieren.

Das Gespräch führte HBR-Redakteurin Alison Beard.


Das vollständige Interview mit Andrew Jarosz lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Harvard Business Managers.


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