Der hohe Preis der Effizienz

Effizienz:

Von Christoph Seeger
19. Februar 2019
H. Kretschmer für manager magazin

Angefangen hat alles mit Adam Smith. In seinem Werk "Der Wohlstand der Nationen" pries er 1776 die Segnungen der Arbeitsteilung. Einzelne Arbeitsschritte werden von Spezialisten effizienter erledigt als von Generalisten. In der Folge steigt die Produktivität. Die Industrialisierung war durchdrungen von dieser Idee. Wirtschaftswissenschaftler ließ sie nie wieder los. Effizient arbeiten - also: Ausschuss vermeiden, Überflüssiges abschaffen und so die Produktivität erhöhen - wurde zum Heiligen Gral der Betriebswirtschaft.

Was aber, wenn dieser Lehrsatz gefährlich ist und uns in die falsche Richtung lenkt? Roger Martin, früher Dekan der Rotman School of Management in Toronto, warnt: Übertriebenes Effizienzdenken führt zu einer unglaublichen Konzentration von Wohlstand und Macht; es sorgt dafür, dass es nur wenige Gewinner und sehr viele Verlierer in unserer Gesellschaft gibt.

Und etwas handfester für Führungskräfte in den Unternehmen: Zu viel Effizienz kann etablierte Konzerne sogar zusammenbrechen lassen. Martin fordert eine Balance aus Effizienz und Resilienz. Nur anpassungsfähige Unternehmen überleben langfristig. Mehr dazu lesen Sie in unserer Titelgeschichte "Die Grenzen der Effizienz". Im Anschluss erzählt Jim Hackett, CEO des Autobauers Ford, was es bedeutet, ein Unternehmen durch Veränderungen zu führen.

Ein Callcenter muss keine Fabrikhalle sein. T-Mobile in den USA ist ein schönes Beispiel für Martins These. Statt anonymer Heere Headset tragender Billiglöhner kümmern sich hier kleine Teams aus Experten um die Kunden. Was sich ineffizienter anhört, wurde ein großer Erfolg: Die Mitarbeiter sind glücklicher, die Kunden zufriedener und die Servicekosten niedriger als zuvor. Mehr über "Die Neuerfindung des Kundenservice" lesen Sie im Beitrag von Matthew Dixon.

Ausgabe 3/2019


Das Darwin-Prinzip

Effizienz ist nicht alles - Wie Unternehmen anpassungsfähiger werden

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Christoph Seeger ist Chefredakteur des Harvard Business Managers.
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