So planten Genies ihren Tag

26. Februar 2015
Pablo Picasso: Nur nicht zu viel feiern
Corbis

Pablo Picasso: Nur nicht zu viel feiern

8. Teil: Nicht zuviel feiern - Picassos "Zu-Hause-Tag"

Sie führten kein sehr reges gesellschaftliches Leben . Einer von Simone de Beauvoirs Liebhabern hat einmal gesagt: "Es gab keine Partys, keine Empfänge, keine bürgerlichen Wertvorstellungen… Es war ein überschaubares, wohlgeordnetes Leben, eine Einfachheit, die sie sich absichtlich auferlegt hatte, um ihre Arbeit tun zu können." Marcel Proust "traf im Jahr 1910 freiwillig die Entscheidung, sich von der Gesellschaft zurückzuziehen", schreibt Currey. Pablo Picasso und seine Freundin Fernande Olivier borgten sich die Idee, den Sonntag zum "Zu-Hause-Tag" zu erklären, von Stein und Toklas - "um sich aller Verpflichtungen, die ihr Freundeskreis ihnen auferlegte, an einem einzigen Nachmittag zu entledigen".

Letztere Strategie - ein Leben in relativer Isolation - erscheint mir weniger reizvoll. Trotzdem finde ich die Lebensgewohnheiten dieser großen Denkerinnen und Denker seltsam faszinierend - vielleicht gerade deshalb, weil sie so extrem und für normale Sterbliche so undurchführbar sind. Schon allein die Vorstellung, sich seine Zeit so einteilen zu können, wie man möchte, ist für die meisten Menschen ein unerfüllbarer Wunschtraum - daher möchte ich diesen Beitrag mit einem Toast an all jene Künstler beschließen, die ihre besten Werke schufen, während sie in den Zwängen des Tagesablaufs anderer Menschen gefangen waren.

Wie beispielsweise die Autorin Francine Prose, die mit dem Schreiben begann, sobald der Schulbus ihre Kinder abholte, und wieder von ihrem Schreibtisch aufstand, wenn sie nach Hause zurückkehrten, oder T.S. Eliot, der kein "armer Poet" sein wollte, weil er das Schreiben mit einer festen Stelle als Bankangestellter im Hintergrund sehr viel beruhigender fand. Sogar F. Scott Fitzgerald musste seine frühe schriftstellerische Tätigkeit irgendwie in seinem streng reglementierten Zeitplan als junger Offizier unterbringen. Das waren keine so legendenumwobenen Jahre wie seine spätere Zeit in Paris, in der er sich jede Nacht hemmungslos dem Gin ergab, aber dafür waren sie sehr viel produktiver - und bestimmt auch gesünder für seine Leber. Ein fremdbestimmter Tagesablauf mag nervenaufreibend sein, aber wenigstens gerät man dabei nicht so leicht auf Abwege.

Doch letzten Endes sind solche festen Lebensgewohnheiten nichts anderes als ein Weg, auf dem wir uns durch unseren Tag bewegen. Ob wir uns diesen Weg selbst bahnen oder dabei den Geleisen folgen, die unsere Lebensumstände uns auferlegen, spielt vielleicht gar keine so große Rolle - Hauptsache, wir bleiben in Bewegung!

Zur Autorin
Sarah Green ist Redakteurin bei der Harvard Business Review. Folgen Sie ihr auf Twitter unter @skgreen.
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