Geld ist nicht alles

Motivation:

Von Tomas Chamorro-Premuzic
25. Juni 2013

Schnöder Mammon: Kann ein zu hohes Gehalt die Motivation negativ beeinflussen?
Corbis

Schnöder Mammon: Kann ein zu hohes Gehalt die Motivation negativ beeinflussen?

Wie hoch ist das ideale Gehalt? Selbst wenn die Mittel unbegrenzt wären, wäre es schwierig, das ideale Gehalt festzulegen. Die erste Intuition ist: Je höher das Gehalt, desto besser die Arbeitsergebnisse. Aber Studien zeigen, dass der Zusammenhang zwischen Kompensation, Motivation und Leistung viel komplexer ist. Tatsächlich deutet einiges darauf hin, dass Menschen nicht glücklicher mit ihrer Arbeit wären, wenn sie selbst über die Höhe ihres Gehalts entscheiden könnten.

Sogar die Wissenschaftler, die Motivationseffekte des Geldes betonen, räumen ein, dass Gehalt und Lohn alleine nicht ausreichen. Die entscheidenden Fragen lauten: Fühlen wir uns in unserem Job wohler, wenn wir mehr verdienen? Oder kann ein höheres Gehalt uns sogar demotivieren?

Kümmern wir uns zunächst um die Frage, ob sich Menschen mit einem höheren Gehalt stärker engagieren. Die überzeugendste Antwort liefert eine Meta-Analyse von Tim Judge und Kollegen. Die Autoren haben 120 Jahre Forschung einbezogen und insgesamt 92 quantitative Studien ausgewertet. Der gesamte Datensatz bestand aus über 15.000 Personen und 115 Korrelationskoeffizienten.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Zusammenhang zwischen Gehalt und Zufriedenheit sehr schwach ist. Die in der Studie festgestellte Korrelation deutet darauf hin, dass es nur eine Überlappung von weniger als 2 Prozent zwischen der Zufriedenheit mit dem Job und dem Gehalt gibt. Darüber hinaus war die Korrelation zwischen Gehalt und der Gehaltszufriedenheit nur marginal höher: Sie lag bei 4,8 Prozent. Dies deutet daraufhin, dass die Zufriedenheit von Menschen mit ihrem Gehalt fast vollständig unabhängig ist von der tatsächlichen Höhe ihres Gehaltes.

Dazu zeigte ein interkultureller Vergleich, dass der beobachtete Zusammenhang von Gehalt und Zufriedenheit mit dem Job und dem Salär so gut wie überall gilt. Zum Beispiel gibt es in diesem Aspekt kaum Unterscheide zwischen den USA, Indien, Großbritannien oder Taiwan.

Ein ähnliches Muster zeigte sich, als die Autoren verschiedene Einkommensschichten verglichen: "Bei Arbeitnehmern aus unserem Datensatz, die zur oberen Hälfte der Einkommensbezieher gehören, stellten wir ein ähnliches Niveau von Jobzufriedenheit fest wie bei den Arbeitnehmern aus der unteren Hälfte" (S.162 der Studie). Dies deckt sich mit den Ergebnissen der Engagement-Studie von Gallup, die keine signifikanten Unterschiede zwischen verschiedenen Gehaltsleveln bei der Motivation von Mitarbeitern feststellen konnte. Die Gallup-Studie basiert auf den Daten von 1,4 Millionen Arbeitnehmern von 192 Unternehmen und Organisationen aus 49 verschiedenen Branchen und 34 Ländern.

Diese Erkenntnisse haben wichtige Implikationen für das Management: Wenn wir engagierte Mitarbeiter haben wollen, ist mehr Gehalt eindeutig nicht die beste Antwort. Mehr Geld führt auch nicht automatisch dazu, dass Menschen mit ihrem Gehalt zufriedener sind. Kurzum: Wir können Engagement nicht mit Geld kaufen.

Kann Geld demotivieren?

Aber dies beantwortet noch nicht unsere zweite wichtige Frage: Kann Geld uns auch demotivieren? Einige Wissenschaftler sind dieser Ansicht. Sie argumentieren, es gebe eine natürliche Spannung zwischen intrinsischer und extrinsischer Motivation. Demnach könnten finanzielle Belohnungen intrinsische Motive dämpfen oder sogar verdrängen (wie zum Beispiel Freude, Wissbegierde, Lernen oder persönliche Herausforderung).

Trotz der Masse an Laborexperimenten, die konzipiert wurden um diese Hypothese zu testen - die auch als Korrumpierungseffekt bekannt ist - besteht noch immer kein Konsens über die Intensität, mit der höherer Lohn demotivieren könnte. Zwei dieser Studien sind allerdings besonders interessant.

Die erste ist eine richtungweisende Meta-Analyse von Edward Deci und seinen Kollegen. Die Autoren haben die Ergebnisse von insgesamt 128 kontrollierten Experimenten zusammengeführt. Die Resultate zeigen konsistente negative Effekte von Belohnungen - von Süßigkeiten bis Geld - auf die intrinsische Motivation. Diese Effekte waren besonders stark, wenn die Aufgaben eher interessant und angenehm als langweilig und belanglos waren.

Seite
1
2
3
Artikel
Kommentare
3
J.Becker 25.06.2013

Wenn die Wissenschaft vorgeschoben wird
Ich bin immer wieder aufs neue erstaunt, welche einfachen und Jahrhunderte alte Abläufe, Gepflogenheiten und Gewohnheiten unter dem Deckmantel wissenschaftlicher Erkenntnisse "neu erklärt" werden. Am Ende hat die Wissenschaft noch herausgefunden, dass die Mitarbeiter am zufriedensten sind, die dem Arbeitgeber auch noch Geld zahlen (kleiner Scherz) !! Wissenschaft hin oder her, mache Themen sollten von Journalisten einfach seriöser recherchiert und vor dem Hintergrund ernsthafter Auseinandersetzung mit gesellschaftlich wichtigen Themen, differenziert abgedruckt werden.

Unregistriert 29.06.2013

Ah so ...
... Geld demotiviert also. Na, das wird auch der Grund sein, warum Vorstandsgehälter immer weiter steigen ... denn ist ja logisch, wenn man denn einmal ein Millionengehalt hat, hat man ja überhaupt keine Lust mehr auf Arbeit und was dann dabei herauskommt, sieht man ja z.B. bei BER :))) Leute, hört endlich auf diesen propagandistischen Schwachsinn zu verbreiten und zu versuchen, die Arbeitnehmer für dumm zu verkaufen.

weareone 09.04.2016

Würde mich sehr interessieren, ob einer der beiden vorhergehenden Kommentatoren sich selber überhaupt gründlich mit der Thematik auseinandergesetzt hat. Allem Anschein nicht, denn sonst würden solche Kommentare überflüssig sein. Nicht einfach mit dem eigenen Frust umzugehen, was?!

Diskussionsregeln

Wir freuen uns über lebendige, konstruktive und inspirierende Diskussionen auf HBM Online. Um die Qualität der Debattenbeiträge sicherzustellen, werden unsere Moderatoren jeden Beitrag prüfen. Eine Nutzung der Kommentarfunktion zu kommerziellen Zwecken ist nicht erlaubt. Beiträge mit vorwiegend werblichem, strafbarem, beleidigendem oder anderweitig inakzeptablem Inhalt werden von unseren Moderatoren gelöscht.

© Harvard Business Manager 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH
ANZEIGE
Nach oben