Geld ist nicht alles

25. Juni 2013

3. Teil: Geld demotiviert

Es gibt also wenig Hinweise darauf, dass Geld Menschen motiviert. Auf der anderen Seite spricht einiges dafür, dass Geld uns im Gegenteil demotiviert. Das spricht für die These, dass mit Prämien versteckte Kosten verbunden sein könnten. Dies bedeutet natürlich nicht, dass wir umsonst arbeiten sollten. Natürlich müssen wir alle unsere Rechnungen zahlen und für unsere Familien sorgen. Aber wenn diese grundlegenden Dinge einmal abgedeckt sind, sind die psychologischen Vorteile von Geld fragwürdig. In einer oft zitierten Studie argumentieren Daniel Kahnemann und Angus Deaton, dass das emotionale Wohlbefinden von US-Arbeitnehmern mit höheren Einkommensniveau stieg, bis zu einem Niveau von 75.000 US-Dollar im Jahr. Danach hatte ein höheres Einkommen keinen steigernden Effekt mehr auf das Wohlbefinden. Arnold Schwarzenegger sagte einmal: "Geld macht nicht glücklich. Ich besitze nun 50 Millionen Dollar, aber ich war genauso glücklich, als ich 48 Millionen hatte."

Individuelle Beziehung

Aber dies trifft nicht für alle Menschen zu. Unsere Beziehung zu Geld ist sehr speziell. Tatsächlich ist es in Zeiten der Personalisierung, in der die meisten Dinge an unsere Bedürfnisse angepasst werden können – von den Newsfeeds sozialer Medien, potenzielle Partner beim Online-Dating, eingeblendete Artikel beim Online-Shopping oder Playlists für Musik – ziemlich verwunderlich, dass Entlohnungssysteme immer noch auf der Prämisse funktionieren: Was für die Masse funktioniert, funktioniert auch für den Einzelnen.

Geld ist nicht nur ein Transaktionsmittel. Es ist ein psychologisches Symbol, und seine Bedeutung ist höchst subjektiv. Es gibt zum Beispiel deutliche Unterschiede darin, wie Menschen über Geld denken oder sich Sorgen machen. Menschen schätzen Geld aus unterschiedlichen Gründen (zum Beispiel als notwendiges Mittel für Macht, Freiheit, Sicherheit oder Liebe). Wenn Unternehmen ihre Mitarbeiter wirklich motivieren wollen, müssen sie verstehen, was ihre Mitarbeiter tatsächlich wertschätzen. Die Antwort ist: Sie müssen jeden Mitarbeiter individuell behandeln. Studien zeigen, dass verschiedene Werte auf unterschiedliche Art und Weise auf das Engagement von Mitarbeitern wirken. Zum Beispiel ist das Erreichen von Einkommenszielen, die auf Machtstreben, Narzissmus oder dem Überwinden von Selbstzweifeln beruhen, weniger befriedigend als solche, die auf Sicherheitsstreben, Unterstützung durch die Familie oder Freizeit basieren. Vielleicht ist es an der Zeit, Menschen nicht dafür zu bezahlen, was sie wissen oder tun. Sondern so, wie sie es wollen.

Andere Studien zeigen, dass die Persönlichkeiten von Arbeitnehmern viel bessere Schlussfolgerungen auf ihr Engagement zulassen als etwa ihr Gehalt. Die überzeugendste Forschungsarbeit in diesem Feld ist eine große Meta-Analyse mit insgesamt 25.000 Teilnehmern. Darin zeigen die Autoren, dass Persönlichkeit zu 40 Prozent für die Abweichungen bei der Angabe von Zufriedenheit im Job verantwortlich war. Je emotional stabiler, kontaktfreudiger, umgänglicher und gewissenhafter Menschen sind, desto mehr tendieren sie dazu, ihren Job zu mögen (unabhängig von der Höhe ihres Einkommens). Aber die Persönlichkeit von Mitarbeitern ist nicht die wichtigste Determinante, wenn es um den Grad des Engagements geht. Tatsächlich ist die wichtigste Ursache von unmotivierten Mitarbeitern in Unternehmen schlechte Führung. Also stehen Manager in einer besonderen Verantwortung: Ihre Persönlichkeit wird einen großen Einfluss darauf haben, ob ihre Mitarbeiter motiviert sind oder nicht.

Zum Autor
Tomas Chamorro-Premuzic ist ein international anerkannter Experte für Persönlichkeitsprofile und Psychometrie. Er ist Professor für Wirtschaftspsychologie am University College London (UCL) und Vice President of Research and Innovation bei Hogan Assessment Systems. Zuvor hat er an der London School of Economics sowie der New York University gelehrt. Er ist Mitbegründer von Metaprofiling.com.
Artikel
Kommentare
3
J.Becker 25.06.2013

Wenn die Wissenschaft vorgeschoben wird
Ich bin immer wieder aufs neue erstaunt, welche einfachen und Jahrhunderte alte Abläufe, Gepflogenheiten und Gewohnheiten unter dem Deckmantel wissenschaftlicher Erkenntnisse "neu erklärt" werden. Am Ende hat die Wissenschaft noch herausgefunden, dass die Mitarbeiter am zufriedensten sind, die dem Arbeitgeber auch noch Geld zahlen (kleiner Scherz) !! Wissenschaft hin oder her, mache Themen sollten von Journalisten einfach seriöser recherchiert und vor dem Hintergrund ernsthafter Auseinandersetzung mit gesellschaftlich wichtigen Themen, differenziert abgedruckt werden.

Unregistriert 29.06.2013

Ah so ...
... Geld demotiviert also. Na, das wird auch der Grund sein, warum Vorstandsgehälter immer weiter steigen ... denn ist ja logisch, wenn man denn einmal ein Millionengehalt hat, hat man ja überhaupt keine Lust mehr auf Arbeit und was dann dabei herauskommt, sieht man ja z.B. bei BER :))) Leute, hört endlich auf diesen propagandistischen Schwachsinn zu verbreiten und zu versuchen, die Arbeitnehmer für dumm zu verkaufen.

weareone 09.04.2016

Würde mich sehr interessieren, ob einer der beiden vorhergehenden Kommentatoren sich selber überhaupt gründlich mit der Thematik auseinandergesetzt hat. Allem Anschein nicht, denn sonst würden solche Kommentare überflüssig sein. Nicht einfach mit dem eigenen Frust umzugehen, was?!

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