Fünf Irrtümer über den optimalen Arbeitsplatz

Motivation:

Von Ron Friedman
23. April 2015
Corbis

Angenommen, Ihr Arbeitgeber würde sich über Nacht auf wundersame Weise in den besten Arbeitsplatz der Welt verwandeln.

Woran würden Sie das erkennen? Was wäre am nächsten Morgen, wenn Sie wieder ins Büro kämen, anders?

Bei dem Wort "optimaler Arbeitsplatz" denken wir unwillkürlich an die Milliarden-Dollar-Unternehmen, die auf der Jahresliste des Wirtschaftsmagazins Fortune ganz oben stehen. Wir stellen uns ein weitläufiges Firmengelände mit jeder Menge Freizeitangeboten für die Mitarbeiter vor: ein utopisches Traumland, wo man ständig Erfolgserlebnisse hat, die Zusammenarbeit reibungslos abläuft und das Glück der Mitarbeiter keine Grenzen kennt.

Doch leider sind diese Idealvorstellungen irreführend: Sie verraten uns nicht, wie man einen hervorragenden Arbeitsplatz schafft.

In den vergangenen Jahren haben Wissenschaftler verschiedenster Disziplinen begonnen, sich mit der Frage zu beschäftigen, unter welchen Bedingungen Menschen erfolgreicher arbeiten können. In meinem neuen Buch versuche ich die Quintessenz ihrer Erkenntnisse darzustellen, die leider nicht sonderlich ermutigend ist: Denn bisher weiß man gar nicht so genau, welche Faktoren zu einem hervorragenden Arbeitsumfeld beitragen. Oft sind es Dinge, mit denen niemand gerechnet hätte.

Folgende Vorstellungen vom optimalen Arbeitsplatz haben sich als völlig falsch erwiesen:

Irrglaube Nr. 1: Alle Mitarbeiter sind immer glücklich

In den vergangenen zehn Jahren hat uns die Literatur zum Thema Glück faszinierende Erkenntnisse beschert: Labor- und Feldversuche zeigen, dass gut gelaunte Menschen kontaktfreudiger, altruistischer, ja sogar kreativer sind.

Da ist es eigentlich kein Wunder, dass viele Unternehmen versuchten, aus diesen Untersuchungsergebnissen Kapital zu schlagen. Man suchte nach Wegen, die Mitarbeiter glücklicher zu machen. In vielerlei Hinsicht kommt dieser Trend den Angestellten sehr entgegen: Denn natürlich ist es wesentlich angenehmer, in einem Betrieb zu arbeiten, dem die emotionale Verfassung seiner Belegschaft/Mitarbeiter am Herzen liegt.

Aber erstaunlicherweise hat Glück auch seine Schattenseiten. In euphorischer Stimmung arbeiten wir weniger sorgfältig, sind leichtgläubiger und nehmen eher Risiken in Kauf.

Glück am Arbeitsplatz kann also auch kontraproduktiv sein. Außerdem haben auch sogenannte negative Emotionen wie Ärger, Scham und Verlegenheit durchaus einen Wert. Studien zeigen, dass solche Gefühle Mitarbeiter zu größerem Engagement anspornen können, indem sie ihre Aufmerksamkeit auf ernste Probleme lenken und sie dazu motivieren, etwas daran zu verbessern. Diese Verbesserungen führen dann wiederum zum Erfolg.

Statt positives Denken um jeden Preis anzustreben, sollten Führungskräfte sich also lieber darüber klarwerden, dass Spitzenleistungen ein gesundes Gleichgewicht aus positiven und negativen Emotionen erfordern. Wenn man die Mitarbeiter unter Druck setzt, ihre negative Gefühlen zu unterdrücken, führt das also nicht zu größerem Engagement, sondern eher zu Verstimmung.

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Kommentare
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MarcoHass 25.04.2015

Spitzenleistungen sind nur ab und zu möglich und sollten auch es auch nur dann, wenn es nötig ist eingefordert werden. Mit gesundem Gleichgewicht aus positiven und negativen Emotionen sollte eine Führungskraft Nicht "arbeiten". Das ist manipulativ und gefährlich für alle Stakeholder. Konflikte und Meinungsverschiedenheiten sind grundsätzlich unterschiedlich und werden mir zu oft im Text gegenübergestellt obwohl die Begriffe richtig erklärt wurden.....

Beate Teschner 31.05.2016

Irrglaube 1 >>Alle Mitarbeiter sind immer glücklich>Es kommt nur selten zu Konflikten>Es passieren kaum Fehler>Es werden nur Mitarbeiter eingestellt, die zur Unternehmenskultur passen>Das Firmengelände hat einen möglichst hohen Spaßfaktor

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