Zum Chef geboren oder dazu gemacht?

Psychologie:

Von Connson Chou Locke
25. März 2014
Corbis

In Kürze: Der Begriff Führungskompetenz hat einen guten Ruf. Kein Wunder: Er klingt nach Durchsetzungsstärke und Karriere auf der Überholspur. Connson Chou Locke forscht an der London School of Economics - und arbeitet an der Entzauberung dieses Mythos. Denn laut ihrer Forschungen haben angeborene Eigenschaften wie Intelligenz, der Grad an Extrovertiertheit und Durchsetzungsstärke zumindest nur einen sehr geringen Einfluss darauf, wie erfolgreich eine Führungskraft ist.

Nachweisen konnte die Wissenschaftlerin nur, dass jemand, der auf andere besonders klug oder charismatisch wirkt, von diesen schneller respektiert wird - doch das macht ihn nicht automatisch zum besseren Chef. Um so fataler sei es, so Connson Chou Locke, dass ein Großteil aller Unternehmen auf dieser Basis Mitarbeiter befördern würden.

Leider, so die Wissenschaftlerin, würden Führungskräfte nichtsdestotrotz häufig auf Grund von Eigenschaften wie Extraversion, Charisma und (wahrgenommener) Intelligenz für ihre Aufgaben ausgewählt. Angesichts ihrer Forschungsergebnisse verwundert es nicht, dass ein Großteil von ihnen hinter ihren Erwartungen bleibt.

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r-p-hennecke 04.04.2014

Wie nah oder weit sind wissenschaftliche Studien zum unternehmerischen Tagesgeschäft positioniert? Die Muster der innerbetrieblichen Förderung einer Führungskraft sind recht einfach zu durchschauen, falls man sich häufiger in der Praxis bewegt. Dabei sollte zwischen Konzernen/Großunternehmen und mittelständischen Strukturen unterschieden werden. In Konzernen ist die Leistungserbringung des Erwarteten die Voraussetzung, um überhaupt eine Chance zur Entwicklung zu erhalten. Der tatsächliche Entwicklungspfad, welcher realisierbar ist, unterliegt schon seit langem einem wesentlichen zusätzlichen Kriterium - die (neudeutsch) Visibility. Es ist die Sichtbarkeit im Unternehmen, eben wie man wahrgenommen wird von der Hierarchie, die den weiteren Entwicklungspfad bestimmt – zum Teil sogar unabhängig von den eigenen Vorstellungen. Dabei spielt der subjektive Eindruck der einzelnen Entscheider, die im Fördergremium vertreten sind, eine sehr große Rolle – natürlich verbunden mit der gelebten Unternehmenskultur. Meistens gibt es auch einen Kriterienkatalog, an dem die Kandidaten gemessen werden. Menschlich ist ja leicht nachvollziehbar, dass der "Nasenfaktor" oder die "Wellenlänge" – der persönlich subjektive Eindruck gerne stärker bewertet wird. Theorie und Praxis - der Unterschied liegt in der Umsetzung, und so ist Charisma im Auftreten - eben logisch - sehr förderlich zur Entwicklung der persönlichen Karriere. Die rational analysierte Eignung bezüglich der zugedachten Führungsposition fällt somit auf einen sekundären Rang in der Bewertung. Wir sind alle leider nur Menschen, also fehlerbelastet oder nicht?

r-p-hennecke 07.04.2014

Wie nah oder weit sind wissenschaftliche Studien zum unternehmerischen Tagesgeschäft positioniert? Die Muster der innerbetrieblichen Förderung einer Führungskraft sind recht einfach zu durchschauen, falls man sich häufiger in der Praxis bewegt. Dabei sollte zwischen Konzernen/Großunternehmen und mittelständischen Strukturen unterschieden werden. In Konzernen ist die Leistungserbringung des Erwarteten die Voraussetzung, um überhaupt eine Chance zur Entwicklung zu erhalten. Der tatsächliche Entwicklungspfad, welcher realisierbar ist, unterliegt schon seit langem einem wesentlichen zusätzlichen Kriterium - die (neudeutsch) Visibility. Es ist die Sichtbarkeit im Unternehmen, eben wie man wahrgenommen wird von der Hierarchie, die den weiteren Entwicklungspfad bestimmt – zum Teil sogar unabhängig von den eigenen Vorstellungen. Dabei spielt der subjektive Eindruck der einzelnen Entscheider, die im Fördergremium vertreten sind, eine sehr große Rolle – natürlich verbunden mit der gelebten Unternehmenskultur. Meistens gibt es auch einen Kriterienkatalog, an dem die Kandidaten gemessen werden. Menschlich ist ja leicht nachvollziehbar, dass der "Nasenfaktor" oder die "Wellenlänge" – der persönlich subjektive Eindruck gerne stärker bewertet wird. Theorie und Praxis - der Unterschied liegt in der Umsetzung, und so ist Charisma im Auftreten - eben logisch - sehr förderlich zur Entwicklung der persönlichen Karriere. Die rational analysierte Eignung bezüglich der zugedachten Führungsposition fällt somit auf einen sekundären Rang in der Bewertung. Wir sind alle leider nur Menschen, also fehlerbelastet oder nicht?

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