Manager oder doch eher Coach?

Führung:

Von Jack Zenger und Joseph Folkman
14. August 2014
Getty Images

Betrachten Sie sich in Ihrer Managerrolle als Führungskraft oder eher als Coach? Ist es Ihnen beispielsweise wichtig, dass Ihre Mitarbeiter Sie als Experten wahrnehmen, oder möchten Sie lieber ein egalitäres Arbeitsumfeld schaffen? Sind Sie eher ein Vorgesetzter, der Probleme löst, oder jemand, der den Mitarbeitern hilft, eigene Lösungen zu finden? Geben Sie lieber Anweisungen oder ziehen Sie einen kooperativen Führungsstil vor?

Die Ergebnisse unserer Umfrage, deuten darauf hin, dass Coaching-Eigenschaften den meisten Managern wichtiger sind, als wir erwartet hatten.

In unserer Untersuchung fragten wir 30 Aussagen und Verhaltensweisen ab, die Aufschluss darüber gaben, wie Menschen untereinander interagieren. Wir setzten diese in Korrelation mit den wichtigsten Merkmalen zweier konträrer Führungsstile: starke Top-down-Führungspersönlichkeit versus exzellenter Coach. (Falls Sie diesen Fragebogen noch nicht ausgefüllt haben, sollten Sie es jetzt tun, um Ihre Ergebnisse mit unseren unten stehenden Ergebnissen vergleichen zu können.

Über 2000 Leser füllten den Fragebogen aus. Die Befragungsergebnisse stammen von Angehörigen verschiedenster Nationalitäten: 60 Prozent aus den USA, 10 Prozent aus Europa, 9 Prozent aus Asien, 6 Prozent aus Kanada, 2 Prozent aus Mittel-/Südamerika, 2 Prozent aus Afrika und 11 Prozent, die keine Ortsangabe machten. Die Befragten bilden eine ziemlich ausgewogene Mischung aus Angehörigen aller Unternehmensebenen: 20 Prozent entstammten der Geschäftsleitung, 23 Prozent dem oberen Management, 27 Prozent dem mittleren Management und 30 Prozent waren leitende Angestellte oder Einzelpersonen.

In der unten stehenden Tabelle sehen Sie die Ergebnisse der Teilnehmer der Umfrage, aufgesplittet für drei verschiedene Führungsmerkmale. Ein Ergebnis mit einem Minus davor steht für die Präferenz eines starken, direkten Führungsstils: Diese Vorgesetzten managen ihre Mitarbeiter mithilfe ihrer Fachkompetenz und indem sie ihnen Ratschläge und klare Anweisungen geben. Ein Ergebnis mit einem Plus davor bedeutet, dass die betreffende Person eher wie ein Coach agieren möchte. Im Großen und Ganzen deuten unsere Recherchen und unsere Erfahrung darauf hin, dass ein exzellenter Coach den anderen eher hilft, eine eigene Lösung zu finden, als Ratschläge zu erteilen.

Er sagt seinen Mitarbeitern nicht, was sie tun sollen, sondern möchte sie auf kooperative Weise führen. Und er verhält sich auch nicht wie ein Experte, sondern eher wie ein gleichgestelltes Teammitglied. Bei unserer Datenanalyse stellten wir zu unserem Erstaunen (und ehrlich gesagt auch zu unserer Freude) fest, dass drei Viertel der Ergebnisse im Plus-Bereich lagen: Das Gros der befragten Personen managt seine Mitarbeiter also am liebsten durch Coaching.

Havard Business Review; zengerfolkman.com
Vor Jahren verfolgte Joe Folkman die Präsentation des CEOs eines Fortune-50-Unternehmens, das durch Übernahmen sehr stark gewachsen war. "Wir haben alle diese Firmen aufgekauft, weil wir das Gefühl hatten, dass sie zusammen mehr wert sein würden als einzeln", erklärte der CEO. "Diese Wertsteigerung lässt sich aber nur erreichen, wenn Sie sich bemühen, miteinander zu kooperieren." Die meisten Unternehmenschefs der Welt hätten eine ähnliche Ansprache gehalten. Anscheinend kommt diese Botschaft allmählich bei den Leuten an.

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Kommentare
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portecassell 15.08.2014

Führen und Coachen sind zwei so verschiedene Paar Schuhe wie Arbeitsstiefel und Highhills. Führen heisst, Ziele gemeinsam erarbeiten und Mitarbeiter bei der Verfolgung der Ziele zu kontrollieren und zu messen oder zu beurteilen. Führung ist ein Handwerk. Es hat klare Aufgaben und festes Handwerkszeug. Kommunikation und Sinnvermittlung sind oberstes Gebot. Coachen ist Beraten und Hilfe, mit Problemen bei der Aufgabenerfüllung fertig zu werden und gegebenfalls eigene Verhaltens- und Handlungsweisen zu verändern. Das Erreichen des Zieles liegt im Ermessen und der Bereitschaft des Coachees. Leider erlebe ich bei meiner Arbeit so häufig, dass Führungskräfte zu Talkmastern verkommen und weder erfolgreich führen noch wirklich gut coachen. Beides zusammen geht nicht! Es wird aber zu gerne so gemacht, denn Führungskräfte haben oft nicht gelernt, wie Führung geht. Das heißt, sie können nicht führen. Als Kumpel im Team können sie ihre persönliche Verantwortung an das Team abgeben. Absolute Verantwortung für das jeweilige System zu übernehmen ist Übernahme von Führung, nichts sonst! Die wichtigste Regel und Information an jemand, der Führung übernimmt, heißt: mit der Übernahme der Führungsverantwortung bist Du einsam. In jedem Augenblick gefordert und verantwortlich für das gesamte Unternehmen und Du musst handeln ohne vorher den Teamkonsens zu erreichen. Kuschelige Teamzugehörigkeit war gestern.

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