Frauennetzwerk als Karrierebremse

Karriere:

Von Lisa Kepinski und Veronika Hucke
31. März 2016

Spätestens seit Einführung der Frauenquote für Aufsichtsräte müssen sich viele Unternehmen aktiv um mehr Frauen in Führungspositionen bemühen. Interne Mitarbeiternetzwerke sind dabei ein beliebtes Mittel, um mehr Vielfalt und Chancengleichheit (Diversity und Inclusion, D&I) herzustellen. Sie sind schnell mit Bordmitteln ins Leben gerufen, sollen das Zugehörigkeitsgefühl stärken und bieten den Beteiligten gleichzeitig ein Forum zum Austausch.

Das klingt gut und ist sicher auch gut gemeint. Das Problem ist nur, dass trotz dieser bekannten Vorteile keine Daten darüber existieren, was interne Netzwerke wirklich bringen. Das war für uns Anlass für einen Praxischeck. Mit einem erschreckenden Ergebnis: Netzwerke sind derzeit häufig nichts weiter als eine Sackgasse und hindern insbesondere Frauen daran, im Unternehmen aufzusteigen.

Die Ergebnisse unserer Onlineumfrage zeigen zum einen, dass die Erwartungen an Netzwerke zwar hoch sind, aber wenig Unterstützung seitens der Unternehmen vorhanden ist. Die Netzwerke sind chronisch schlecht ausgestattet und stützen sich fast vollständig auf die Zeit und die Energie von sehr engagierten Freiwilligen.

Während von vielen weiblichen Führungskräften erwartet wird, dass sie sich in Netzwerken engagieren, wird die von ihnen investierte Zeit von den wenigsten Unternehmen honoriert. Der Frust darüber schadet dem Vertrauen in den Arbeitgeber. Das ist das zweite zentrale Ergebnis unserer Studie. Beides sind Faktoren, die dem Aufstieg von Frauen kaum dienlich sind.

Ein weiteres zentrales Ergebnis unserer Umfrage: Viele Netzwerke erfüllen die Erwartungen ihrer Mitglieder nicht. Diese haben sehr klare Vorstellungen, wenn sie einem solchen Zirkel beitreten: Sie wollen Kolleginnen und Kollegen kennenlernen (56 Prozent), dabei helfen, ein besseres Arbeitsumfeld für Frauen zu schaffen (54 Prozent), und Weiterbildungsmöglichkeiten nutzen, um im Unternehmen voranzukommen (48 Prozent). Trotz der klar umrissenen Erwartungen werden Netzwerke den Wünschen ihrer Mitglieder nur selten gerecht und erhalten im Durchschnitt eine mittelmäßige Weiterempfehlungsrate - einen Net Promoter Score (NPS) von -3 (auf einer Skala zwischen minus und plus 100).


Die ausführlichen Ergebnisse der Studie lesen Sie in unserer aktuellen Ausgabe.


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Zu den Autorinnen
Veronika Hucke hat nach einer mehr als 20-jährigen Karriere in internationalen Hightech-Konzernen das Beratungsunternehmen D&I Strategy and Solutions gegründet.

Lisa Kepinski ist Gründerin des Inclusion Institute mit Schwerpunkt Beratung, Training, Coaching und Forschung. Sie arbeitet seit über 20 Jahren in und mit global tätigen Organisationen.

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