Die Vorurteilsfalle

Frauen im Management:

Von Kai W. Dierke und Anke Houben
23. September 2013

Stärke zeigen: Frauen haben andere Führungmodelle als Männer
Corbis

Stärke zeigen: Frauen haben andere Führungmodelle als Männer

Frauen können es. Eine Vielzahl von Studien beweist, dass Frauen in Unternehmen kompetent führen. Ebenso wahr ist, dass sich Unternehmen bemühen; viele haben Diversity-Programme gestartet, erste bescheidene Erfolge sind sichtbar. Nach dieser Startphase verdient heute eine tiefgreifendere Frage Aufmerksamkeit: Was muss getan werden, um gemischte Führungsteams zum Erfolg zu führen - und damit Diversity wirklich als Wettbewerbsvorteil zu nutzen?

Auch wenn es ein wenig mehr Frauen bis in die obersten Führungsebenen schaffen, treffen sie auf die nächsten Hürden: die Barrieren in den Köpfen - unausgesprochen, nicht sichtbar und schwieriger zu managen als strukturelle Hindernisse. Herminia Ibarra, Leadership Professorin in Insead und Co-Autorin der aktuellen Titelgeschichte über Frauen im Management im Harvard Business Manager, bezeichnet diese unbewussten Vorurteile als "Geschlechterdiskriminierung der zweiten Generation". In unserer Arbeit mit Top-Teams treffen wir immer wieder auf drei Vorurteile, die eines gemein haben: Das Verhaltensrepertoire von sogenannten Alpha-Males ist der Gold-Standard - und Frauen haben sich daran zu messen.

1. Vorurteil: Frauen fehlt die Härte für das Geschäft

Zu oft enden Frauenkarrieren in sogenannten Pink Ghettos, in Führungspositionen in Personalwesen, Kommunikation, Recht und anderen unterstützenden Bereichen. In den harten Business-Funktionen (wie Finanzen, Vertrieb, Produktion, Einkauf) nimmt der Anteil von Frauen laut einer aktuellen McKinsey-Studie deutlich ab. Die entscheidenden Aufgaben bleiben den männlichen Führungskräften vorbehalten - mit fatalen Folgen. Denn so verhärten sich die althergebrachten Vorurteile, dass weibliche Top-Führungskräfte nicht auf Augenhöhe mit ihren männlichen Kollegen agieren. Die Forderung "Mehr Frauen in die Führung" greift damit zu kurz. Solange Frauen nicht auch herausragende Verantwortung im Kerngeschäft tragen, wird der Blick auf die bloße Zahl zum Bumerang für Frauen und Unternehmen.

2. Vorurteil: Frauen setzen zu sehr auf Konsens

Alpha-Frauen sind anders erfolgreich als Alpha-Männer - sie haben andere Führungsmodelle. Unsere Erfahrung aus den Unternehmen zeigt: Frauen vertreten ihre inhaltliche Position ebenso ambitioniert und konsequent wie Männer, aber sie setzen eher auf Überzeugung und Konsenslösungen als auf Dominanz. Durch ihre Sensibilität für die emotionale Sichtweise vermeintlich rationaler Fragestellungen suchen sie eher die Zusammenarbeit und arbeiten auch hinter den Kulissen an akzeptablen Win-Win-Lösungen. Frauen entfalten damit in ihrer Führungsarbeit auf andere Weise Wirkung als Männer: Sie bringen neben klassischen Management-Kompetenzen genau jene emotionale Intelligenz in die Top-Etage ein, die bislang häufig fehlt. Denn emotionale Intelligenz nimmt in der Unternehmenshierarchie von unten nach oben ab. Damit mangelt sie genau dort, wo sie im Zeitalter von Netzwerk- und Matrixorganisationen am nötigsten wäre - im Team an der Spitze. Die Managementforscher Bradberry und Grieves lieferten bereits 2007 diesen ernüchternden Befund. Die Fähigkeit von Frauen zu emotionaler Intelligenz - derzeit noch zu oft als Schwäche ausgelegt - ist also tatsächlich ein Gewinn für jedes Top-Team.

Seite
1
2
Artikel
© Harvard Business Manager 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH
ANZEIGE
Die neuesten Blogs
Nach oben