Die Vorurteilsfalle

23. September 2013

2. Teil: Drittes Vorurteil

3. Vorurteil: Frauen sind zu weiblich - oder zu männlich

Frauen können nicht gewinnen. Treten Frauen ausgleichend und integrierend auf, gelten sie als schwache Führungskräfte. Sind sie selbstbewusst und dominant, wird ihnen schnell Arroganz oder Aggressivität unterstellt. Frauen werden nicht in ihren Fähigkeiten sui generis akzeptiert, sondern zu oft an männlichen Führungsidealen gemessen. Die Macht verdeckter, häufig unbewusster Vorurteile gegen weibliche Führungskräfte können wir immer wieder in Vorstandssitzungen beobachten: Dort werden die Beiträge einer Kollegin schlicht nicht gehört oder unkommentiert gelassen - die gleichen Argumente eines männlichen Kollegen später dankbar aufgenommen und weiterentwickelt. Dort werden latente Konflikte im Team von Frauen mutig angesprochen - und von männlichen Kollegen abgeblockt, wegdiskutiert oder am liebsten auf rationale Fragen umgeleitet. Keiner ist vor diesen alltäglichen Verhaltensmustern sicher, die dem gleichberechtigten Umgang im Wege stehen.

Der CEO ist als "Chief Enabling Officer" gefordert

"Mehr Frauen ins Top-Management" ist kein Gebot der Emanzipation, sondern der erfolgreichen Unternehmensführung. Denn gerade Frauen bringen jene Kompetenzen mit, die in Top-Teams angesichts zunehmend komplexer Führungsherausforderungen dringend gebraucht werden und die dort besonders rar sind: Team-Fokus, emotionale Intelligenz, partizipative Führung. Die Team-Komposition aus Männern und Frauen ist wichtig, aber erst die Kollaboration entscheidet über Erfolg und Misserfolg. Es geht also nicht nur um die Frage, wie Frauen an die Spitze kommen, sondern wie die Unternehmen die Vielfalt der Geschlechter, ihre Stärken und Führungsmodelle im Team-Mix optimal nutzen. Die Führung von gemischten Alpha-Teams wird anspruchsvoller und unbequemer - sie fordert den CEO vor allem als "Chief Enabling Officer". Er muss die gemeinsame Reflexion von schädlichem Verhalten von Männern und Frauen zum Bestandteil der Team-Agenda machen. Diversity heißt nicht, dass Frauen mit am Tisch sitzen, sondern dass ihre Fähigkeiten für den Unternehmenserfolg gezielt genutzt werden.

Zum Autor
Kai W. Dierke und Anke Houben sind promovierte Sozialwissenschaftler und arbeiten seit über zehn Jahren als Duo im Leadership Consulting für Top-Teams von DAX-Konzernen. Dierke war McKinsey-Berater und Vorstandsmitglied eines Schweizer Finanzkonzerns; Houben ist heute Coach am INSEAD Global Leadership Centre. Ihr aktuelles Buch heisst "Gemeinsame Spitze. Wie Führung im Top-Team gelingt", Campus 2013

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