Elite der Managementforschung gekürt

Thinkers50:

Von Ingmar Höhmann
10. November 2015
Harvard-Professor Michael Porter, neue Nummer 1 der Management-Denker
DPA

Harvard-Professor Michael Porter, neue Nummer 1 der Management-Denker

Sie waren alle versammelt: Die besten Managementvordenker der Welt, renommierte Universitätsprofessoren, Berater, die mit ihren Konzepten Millionen verdient haben, Bestsellerautoren. Doch als der große Mann aus Harvard in seiner Videobotschaft das Wort an sie richtete, sahen sie alle ein wenig wie Schüler aus. Michael Porter, den die Thinkers50-Organisation gerade zum führenden Vordenker des Managements ernannt hatte, riet ihnen, "aus Management die starke Kraft zu machen, die es sein kann " - so wie er es seit Jahrzehnten vorexerziert.

Die Kür der 50 besten Management-Denker geriet gestern Abend in der Londoner Drapers' Hall zum Schaulaufen der Harvard-Elite. Der Strategieprofessor Porter und Innovationsguru Clayton Christensen führten die Liste an; insgesamt neun der zehn ersten Plätze gingen an Autoren des Harvard Business Managers. Unter ihnen befand sich etwa Linda Hill, Coautorin des Artikels "Wecken Sie das kollektive Genie"sowie das Duo W. Chan Kim und Renée Mauborgne, die vergangenes Jahr das Konzept des "Blue Ocean Leaderships" vorgestellt hatten.

Platz

Name (Platz 2013)

Die neuesten Werke

1

Michael Porter (7)

Wie smarte Produkte den Wettbewerb verändern
Alle Beiträge

2

Clayton Christensen (1)

"Das Dilemma der Kapitalisten"
Alle Beiträge

3

W Chan Kim & Renee Mauborgne (2)

"Gefangen in roten Ozeanen"
Alle Beiträge

4

Don Tapscott (4)

"Wikinomics"

5

Marshall Goldsmith (10)

"So werden Sie CEO"

6

Linda Hill (8)

"Wecken Sie das kollektive Genie"
Alle Beiträge

7

Roger L Martin (3)

"Designer als Umsetzer"
Alle Beiträge

8

Herminia Ibarra (9)

"Was ist Authentizität?"
Alle Beiträge

9

Rita G McGrath (6)

"Plädoyer für ein anderes Kurzfristdenken"
Alle Beiträge

10

Dan Pink (13)

"Weg mit den Provisionen!"

Quelle: http://thinkers50.com/t50-ranking/2015-2/
Einer von elf Sonderpreisen - der Strategy Award - ging an Alexander Osterwalder und Yves Pigneur, die Erfinder des Geschäftsmodell-Tools "Business Model Canvas". Der Schweizer Osterwalder ist der einzige deutschsprachige Vordenker unter den Thinkers50. Die weltweite Anerkennung führt er unter anderem darauf zurück, dass er in seiner Arbeit von Anfang an ein globales Publikum angesprochen hat. So entstand das Buch "Business Model Generation" durch die Zusammenarbeit mit mehreren Hundert Praktikern aus der ganzen Welt. "Die Community hat uns sicher geholfen, die Methode, die sie selbst mit entworfen hatten, weiterzuverbreiten", sagt er.

Thinkers50-Gründer Stuart Crainer bezeichnet die Verleihung, die alle zwei Jahre stattfindet, auch als "Oscars des Managements". Tatsächlich werben viele der ausgezeichneten Professoren und Berater auf ihren Webseiten mit ihrer Platzierung im Ranking. Vor allem aber dient sie dazu, ihre Rednerhonorare in die Höhe zu treiben. Harvard-Star Michael Porter beispielsweise streicht für einen 45-Minuten-Auftritt zwischen 100.000 und 150.000 Dollar ein - gut möglich, dass er als neue Nummer eins künftig noch mehr fordern kann.


Edition 1/2006


Die besten Ideen von... Michael E. Porter


Zum Autor
Ingmar Höhmann ist Redakteur des Harvard Business Managers.

Artikel
Kommentare
2
athemis10 11.11.2015

Es ist doch immer schön, wenn man sich selbst feiern kann, insbesondere wenn sich dies in Dollars niederschlägt. Die tatsächliche Managementwelt sieht - außerhalb der Harvard Käseglocke - etwas anders aus, ja man hat sogar den Eindruck, dass diese gekürten und damit ausgewiesenen Vordenker auf einer Management insel leben, die mit der Realität nicht sehr viel zu tun hat. Worin liegt dann der Nutzen für die reale Managementwelt eines solchen Preises? Gerade in diesen Tagen erleben wir ein erschreckendes Negativ-Beispiel eines ehedem ebenfalls gekürten und gelobten Managers und Vordenkers der Automobilindustrie, der Ex-VW Lenker Martin Winterkorn. Offensichtlich hat er eine andere Auffassung von Management vertreten, nämlich die des "hard-liners" mit dem Effekt, dass diese Art des "Führens durch Angst" den Konzern viele Milliarden und ein schlechtes Image kosten wird. Es gibt noch weitere Martin Winterkorns in anderen Unternehmen, die Mitarbeiter - insbesondere die intelligenten und innovativen - "durch einen sehr autoritären Führungsstil "klein halten", damit sie unangefochten "regieren " können. Ich denke, dass dieser Vordenker Preis keine positiven Auswirkung auf diese Negativ-Beispiele eines Managers haben wird und dass sie auch weiterhin den Unternehmen mittel- und langfristig Schaden zufügen werden. Ich würde mir wirklich wünschen, dass wir endlich klüger geworden sind und diese "Autokraten" aus dem Managementalltag verbannen.

ingmar_hoehmann 11.11.2015

Herzlichen Dank für diesen Beitrag, vor allem für den Hinweis auf VW. Die Person von Martin Winterkorn spielt tatsächlich eine große Rolle in den Diskussionen, die derzeit auf Managementkonferenzen geführt werden. Martin Winterkorn ist kein Management-Vordenker, sondern ein Praktiker. In London haben sich die Teilnehmer sehr kritisch geäußert. Die aktuellen Theorien zur Unternehmensführung, für die die Professoren in London geehrt wurden, beschreiben so ziemlich genau das Gegenteil eines autokratischen Führungsstils, daher war die einhellige Meinung, dass die Neuausrichtung bei VW auch zu einer besseren Unternehmenskultur führen könne. Aber Theorie und Praxis sind oft zwei unterschiedliche Dinge, unter anderem auch, weil Theorien in der Realität nur schwer umzusetzen sind.

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