Wann dem Roboter zu trauen ist

Psychologie:

Von Walter Frick
3. September 2015

Getty Images
Als eine Gruppe von Besuchern einer Robotikkonferenz 2013 dazu eingeladen wurden, mit Pleos zu spielen, ahnten sie noch nichts Böses. Kate Darling, Wissenschaftlerin am Massachusetts Institute of Technology, ließ sie zunächst mit den kleinen, computergesteuerten Spielzeugdinosauriern spielen und forderte sie auf, ihnen Namen zu geben. Die Teilnehmer merkten schnell, dass ihre Roboter kommunizieren konnten: Mit Gesten und Gesichtsausdrücken zeigten die Babydinos, dass sie es gernhatten, wenn man sie streichelte, es aber nicht mochten, wenn man sie am Schwanz packte und hochhob. Nach einer Stunde schickte Darling die Teilnehmer in die Pause. Als sie wiederkamen, gab die Wissenschaftlerin Messer und Beile aus und forderte sie auf, ihre Pleos zu quälen und zu zerstückeln.

Dass sie auf Widerstand stoßen würde, hatte Darling erwartet, doch sie war überrascht von der Vehemenz, mit der die Gruppe sich weigerte, den Robotern Schaden zuzufügen. Sie stellten sich gar schützend vor ihre Pleos. "Derart lebensnahe Maschinen rufen menschliche Reaktionen in uns hervor", schlussfolgerte Darling 2013 in einer Vorlesung, "obwohl wir eigentlich wissen, dass es sich nicht um Lebewesen handelt."

Wie Menschen auf Roboter reagieren und mit ihnen kommunizieren, ist inzwischen Gegenstand zahlreicher Forschungsprojekte. Menschen interagieren besser mit Maschinen, wenn diese lebensecht und vertrauenswürdig wirken. Doch zu viel Natürlichkeit kann sich zum Nachteil entwickeln, denn dann entstehen dieselben Vorurteile und Diskriminierungen wie im Umgang von Menschen miteinander. Der ideale maschinelle Kollege hat ein paar menschliche Eigenschaften, doch es bleibt klar erkennbar, was er eigentlich ist: ein Roboter.


Walter Frick, Associate Editor bei der Harvard Business Review, stellt im Artikel "Wenn der Chef Hosen aus Metall trägt" die Ergebnisse der wichtigsten Untersuchungen vor und zeigt in unserem September-Heft, wie wir am liebsten mit einem Roboter zusammenarbeiten.


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Wie Roboter, künstliche Intelligenz und Digitalisierung unsere Arbeitswelt verändern


Zum Autor
Walter Frick ist Associate Editor bei der Harvard Business Review. Er schreibt über Wirtschaft und IT. @wfrick

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