Der große Wandel

Management:

Von Richard Straub
2. Juli 2014
Getty Images

Glaubt man den Ökonomen, dann werden wir 2014 weltweit eine leichte wirtschaftliche Erholung erleben - auch wenn sie von Land zu Land unterschiedlich ausfallen wird und mit vielen Unsicherheiten behaftet ist.

Eine Erholung der Weltwirtschaft bietet immer auch die Chance, große strukturelle Probleme anzugehen: ein nicht nachhaltiges Schuldenniveau, unterfinanzierte soziale Sicherungssysteme in der westlichen Welt, Währungsungleichgewichte, zunehmend ungleiche Einkommensverteilung, eine aufgeblähte und uneffiziente öffentliche Verwaltung und ein exzessiv auf kurzfristiges Handeln ausgerichtetes Denken in den großen Unternehmen, getrieben von einer Werte vernichtenden und veralteten Shareholder-Value-Philosophie.

Angesichts hoher Arbeitslosigkeit und besonders einer Jugendarbeitslosigkeit, die historische Ausmaße erreicht, weicht die Idee von Fortschritt und kontinuierlicher Verbesserung unserer Lebensumstände einer wachsenden Zukunftsangst.

Zweischneidiges Schwert
Andererseits gibt es die Hoffnung, dass digitale Technologien beispiellose Chancen für nahezu grenzenlose Veränderung bieten: für Staaten, Wirtschaftssysteme, Unternehmen und das Leben jedes Einzelnen. Dazu gehören grundlegende Technologien, die die Entwicklung in Gebieten wie Biotechnologie, Nanotechnologie, Robotik, alternative Energien und neue Herstellungsverfahren wie dem 3D-Druck vorantreiben. Sie haben das Potential, alte Branchen zu verändern und neue zu schaffen.

Der Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien ist allerdings ein zweischneidiges Schwert. Sie können zu einer neuen industriellen Revolution führen, indem sie Innovationen vorantreiben und neue Industrien schaffen. Sie können aber auch einen zerstörerischen Effekt auf Arbeitsplätze und Beschäftigung haben, wenn Unternehmen damit fortfahren, vor allem auf die Steigerung der Produktivität und das Senken der Kosten zu achten.

Schlechte Erfolgsbilanz
Es scheint, als hätten wir einen Wendepunkt erreicht, an dem wir entweder den Weg zu langfristigem Wachstum und Wohlstand einschlagen oder den Pfad zu wirtschaftlichem Niedergang. Der Zusammenhalt unserer Gesellschaft steht auf dem Spiel. Schrittweise Veränderungen reichen nicht mehr aus - wir müssen das Wesen unserer Unternehmen und die Art und Weise ändern, wie sie in einer neuen Welt funktionieren sollen. Konzepte und Ideen, was getan werden müsste, gibt es in Hülle und Fülle. Die Herausforderung liegt vielmehr darin, wie man bessere Ergebnisse erzielt. Die Erfolgsbilanz beim Verändern von Unternehmen, gemeinnützigen Organisationen, Sozialversicherungseinrichtungen, Bildungsinstitutionen oder Behörden ist extrem schlecht, um es vorsichtig auszudrücken. Wir sind weit davon entfernt, zu verstehen, wie man zum Beispiel mit der wachsenden Komplexität unserer miteinander vernetzten sozialen Systeme umgeht und wir produzieren immer mehr unbeabsichtigte Ergebnisse, während wir versuchen sie zu verändern.

Forum für neues Management
Peter Drucker sah Management (ein Begriff, der für ihn Unternehmensführung, Leadership und Unternehmertum einschloss) als grundlegende und lebensnotwendige soziale Aufgabe. Er postulierte, dass das Gedeihen, die Dynamik und selbst das Überleben einer Gesellschaft von der Qualität, der Ernsthaftigkeit, dem Wissen und den Werten ihrer Manager und Führungskräfte abhängen. Er lobte professionelles Management als "typische Aufgabe einer modernen Gesellschaft; die Arbeit, die unsere Gesellschaft von allen früheren unterscheidet".

Sind Manager, Führungskräfte und Unternehmer bereit, den großen Wandel in Angriff zu nehmen? Die meisten würden wohl verneinen. Aber was können wir tun? Was ist nötig, um das Management zu der effektiven sozialen Technologie umzuformen (als die Drucker es beschrieben hat), um unsere Einrichtungen und Unternehmen zu verändern?

Das herauszufinden, ist das Ziel des Global Peter Drucker Forum 2014 "The Great Transformation - Managing our way to prosperity".


Die wichtigsten Texte von Peter Drucker erhalten Sie in unserer Edition 1/2010.

Zum Autor
Nach 32-jähriger Karriere bei IBM gründete Richard Straub die Peter Drucker Society Europe. Er ist Mitglied des Leitungsgremiums der European Foundation for Management Development (EFMD), Generalsekretär der European Learning Industry Group (ELIG) und fungiert als strategischer Berater für IBM Global Education. Folgen Sie ihm auf Twitter @rstraub46.

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