Hafen mit Hirn

Internet der Dinge:

Von Ingmar Höhmann
10. Dezember 2015
Corbis

In Hamburg testet Cisco derzeit, wie sich Städte intelligent vernetzen lassen. Grundstein für die Zusammenarbeit mit der Stadt war ein "Memorandum of Understanding" im April 2014. In rund einem Dutzend Pilotprojekten ergründen die Kooperationspartner seitdem, wie sie den Verkehr besser lenken, die Lebensqualität steigern und den Umweltschutz verbessern können. Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz hat dafür eigens eine Leitstelle Digitale Stadt gründen lassen.

Eine zentrale Rolle spielt der Hafen, den jährlich knapp 12.000 Schiffe anlaufen. Intelligente Technik soll die Betriebskosten innerhalb von sieben Jahren um rund 70 Prozent senken und das Kapazitätsproblem lösen: Bis 2025 wird der Hafen Cisco zufolge in der Lage sein, rund 20 Millionen Container pro Jahr umzuschlagen - fast doppelt so viele wie 2014 -, ohne dafür mehr Fläche in Anspruch zu nehmen. Die öffentlich-rechtliche Hamburg Port Authority, die Betreibergesellschaft des Hafens, will einen "Smart Port" schaffen. Darin sind Waren- und Verkehrsströme perfekt aufeinander abgestimmt: Jeder Frachter, Container, Lastwagen und Güterzug soll zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. So erhalten Lastwagenfahrer in Zukunft erst dann eine Einfahrgenehmigung, wenn die für sie bestimmten Container am Terminal zur Abholung bereitstehen. Größere Effizienz ist auch vonnöten. Mehr als 40.000 Lkw-Fahrten verzeichnet der Hafen heute, oft kommt es zu Staus. Cisco und die Hafenbehörde haben viel vor: Es gilt, Daten von Schiffen, Lastwagen, Brücken und sogar vom Wasserpegel einzuholen und zu verknüpfen. Eine App - unter anderem von T-Systems und den Softwareunternehmen SAP und Dakosy entwickelt - informiert heute schon Lkw-Fahrer über Ankunftszeiten der Schiffe, schnelle Routen und freie Parkplätze.

Sensible Daten

Die Projektpartner installieren in der Stadt nun allerlei Geräte, die über das Internet miteinander verbunden sind. Im Pilotprojekt "Smart Road" kommen unter anderem 26 Videokameras, 102 Leuchten sowie 60 Thermal- und Bewegungssensoren zum Einsatz. Weitere Geräte sammeln Daten über die Beschleunigung von Fahrzeugen, das Wetter und die Luftqualität. Um den Datenschutz zu gewährleisten, verpixelt eine Software des Wiener Unternehmens Kiwi Security die aufgenommenen Gesichter.

Doch die Smart City, wie sie Cisco und Hamburg erkunden, hat noch weit mehr Facetten: Sensoren an den Eisenbahnweichen geben Alarm, wenn sie geschmiert werden müssen; die Ampelschaltung orientiert sich am Verkehrsaufkommen; Straßenlaternen schalten sich ein, wenn Radfahrer abends eine Kreuzung überqueren; sogar mit Onlineuniversitäten, virtuellen Museen und Bürgerzentren im Internet experimentieren die Hamburger Digitalpioniere. All das gehört zum Internet der Dinge oder, wie Cisco es gern nennt, dem Internet of Everything. Der Konzern verspricht Städten allerhand Vorteile: Intelligente Netze sollen Behörden effizienter, Mitarbeiter produktiver und Einkommensquellen ertragreicher machen. Allein in Deutschland könne der öffentliche Sektor dadurch nach einer Cisco-Studie zwischen 2013 und 2022 eine Wertschöpfung von mehr als 130 Milliarden Euro erzielen. Wesentliche Bereiche sind neben automatisierten, energieeffizienten Gebäuden intelligente Parkleitsysteme, das Ablesen von Wasser- und Gasverbrauchsdaten über das Internet sowie automatische Mautgebühren. Die IT-Infrastruktur sowie die Systemintegration will Cisco beisteuern. In Hamburg wird sich zeigen, welche Lösungen tatsächlich einen Mehrwert bringen.


Vor dem Jahr 2000 verkaufte Cisco hauptsächlich Router und andere Geräte zum Betrieb des Internets. Seit jedoch Einwahlmodems durch Breitbandanschlüsse, Smartphones und andere neue Technologien abgelöst wurden, richtet der Konzern sein Geschäft immer wieder radikal neu aus. Der ehemalige CEO John Chambers beschreibt in unserem Dezember-Heft, wie er dabei vorging.


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    Ingmar Höhmann ist Redakteur des Harvard Business Managers.

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