Cloud-Computing wirft schwierige wirtschaftliche Fragen auf

IT-Strategie:

Von Drue Reeves und Daryl Plummer
25. November 2013

Wer trägt die Risiken beim Cloud Computing?
Corbis

Wer trägt die Risiken beim Cloud Computing?

Die wirtschaftlichen Gründe für das enorme Wachstum bei Cloud-Diensten scheinen auf der Hand zu liegen: Bei Cloud-Computing bezahlen wir einfach das, was wir brauchen, und zwar nur dann, wenn wir es wirklich brauchen. Aber ist das wirklich so einfach?

Die Wahrheit sieht etwas komplizierter aus. Häufig übersehen Unternehmen, welche Risiken und welch tief greifenden Wandel sie auf sich nehmen, wenn sie auf Cloud-Computing umsteigen - denn nicht nur das technische Modell dafür ist ganz anders als früher, sondern auch das ökonomische. Und wie sich zeigt, gibt es in Bezug auf das Finanzmodell für Cloud-Computing weitaus mehr Feinheiten zu beachten, als die meisten Leute glauben.

Was also macht dieses Finanzmodell für Cloud-Computing aus? Für den Anfang können wir es als Kombination zweier Faktoren verstehen, nämlich erstens der Art und Weise, wie sich mit der Cloud Geld verdienen lässt, und zweitens der Risiken, die mit dem Umstieg auf eine neue Abrechnungsart einhergehen. Viele Leute nehmen an, dass es hier um nichts weiter geht als den Umstieg auf "pay as you go" (PAYG, Bezahlen nach Nutzung). Tatsächlich spielt dieses Modell eine bedeutende Rolle. Gleichzeitig aber ist auch der Unterschied zwischen Betriebs- und Investitionskosten zu beachten. Zudem zeichnet sich die Cloud durch Abonnements für Dienstleistungen und dadurch aus, dass Kunden für Ergebnisse (statt für Technologien) bezahlen. Die gute Nachricht: Den meisten Unternehmen sind solche Modelle schon vertraut.

Unternehmen geben regelmäßig Geld für Dinge aus, die für ihr Geschäft unverzichtbar sind. Ebenso regelmäßig bezahlen sie aus ihren betrieblichen Budgets Abonnements und Dienstleistungen, die für ihr Geschäft notwendig sind, aber nicht direkt damit zusammenhängen - etwa Zulieferungen, bei denen eine Selbstversorgung zu teuer oder zu aufwendig wäre (wie etwa bei Strom). Diese Dienstleistungen werden dann von anderen Anbietern bezogen, die sich darauf spezialisiert haben.

Das gilt auch für das Feld des Cloud Computing. Warum etwa sollte ein Spielzeug- oder Kosmetik-Hersteller mehrere Rechenzentren besitzen und betreiben? Viel einfacher und wirtschaftlich sinnvoller ist es, stattdessen eine Zeitlang für einen bestimmten Service zu bezahlen - aber nur, so lange man ihn wirklich nutzt. Auf diese Weise wird kein Geld für etwas verschwendet, das ein anderes Unternehmen viel besser, schneller und billiger bereitstellen kann. Allerdings können sich daraus Probleme sowohl für die Kunden der Cloud-Dienste als auch für deren Anbieter ergeben.

Für Unternehmen steht das neue ökonomische Modell des Cloud Computing in direktem Gegensatz zum alten ökonomischen Modell für Informationstechnologie, bei dem Technik als Anlageinvestition gekauft und anschließend weiter in Wartung und Pflege investiert wird. Traditionell war also ein guter Teil der für Technologie vorgesehenen Mittel in der Investitionsplanung für den Kauf physischer Güter festgeschrieben.

Cloud-Dienste dagegen sind eben nichts weiter als Dienstleistungen, sodass die Kosten dafür aus den Etats für Betriebskosten beglichen werden müssen. Wenn Ihr Unternehmen gleichzeitig noch die Wartung bestehender Infrastruktur bezahlen muss, kann das auf bedeutende Änderungen hinauslaufen. Falls die Cloud-Dienste nicht einfach bestehende Dienste ersetzen, müssen möglicherweise sogar ganz neue Budgetposten geschaffen werden - und niemand muss uns erzählen, wie schwierig das ist.

Seite
1
2
Artikel
Kommentare
0
Diskussionsregeln

Wir freuen uns über lebendige, konstruktive und inspirierende Diskussionen auf HBM Online. Um die Qualität der Debattenbeiträge sicherzustellen, werden unsere Moderatoren jeden Beitrag prüfen. Eine Nutzung der Kommentarfunktion zu kommerziellen Zwecken ist nicht erlaubt. Beiträge mit vorwiegend werblichem, strafbarem, beleidigendem oder anderweitig inakzeptablem Inhalt werden von unseren Moderatoren gelöscht.

© 2013 Harvard Business Publishing
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH
ANZEIGE
Die neuesten Blogs
Nach oben