Die Utopie von der Abschaffung der Hierarchie

Führung:

Von Michael Leitl
10. Juli 2014
Getty Images

Viele unserer Autoren ersinnen neue Ideen, wie sich Arbeit besser organisieren, flexibler gestalten und schneller an neue Rahmenbedingungen anpassen lässt. Gary Hamel, wohl einer der agilsten Innovatoren in der Managementideenszene, beschrieb 2012 im Harvard Business Manager, wie der Lebensmittelhersteller Morning Star Hierarchien abschaffte - und die Mitarbeiter die Aufgaben des Managements übernommen haben.

Diese Form der vermeintlich hierarchielosen Arbeit ist vor allem unter Programmiern besonders weit vorangeschritten: In der Open-Source-Bewegung und in diversen losen Projektgruppen, in denen es allenfalls Auftraggeber und lose Teamverbünde gibt.

Die Idee, dass es keine Hierarchien mehr gibt, ist allerdings eine Utopie. In dem Roman "The Circle" von Dave Eggers werden die Schattenseiten dieser neuen Arbeitswelt satirisch nachgezeichnet.



Wie sehr das Buch allerdings inzwischen von der Realität überholt wird, zeichnet Dietmar Dath in seinem FAZ-Artikel "Ausbeutung 2.0" nach. Sein Fazit:

"Aber die neuen Managementtechniken, die jenem Funktionselitennachwuchs gerade das Leben versauen, werden an ihnen [den Programmierern] nur getestet. Sie sind auf Export in alle Berufszweige angelegt; selbst in die klassische Industrieschufterei." (aus "Ausbeutung 2.0: Die coole Schinderei der Zukunft")

Wenn es schlecht läuft - und das ist im Arbeitsleben ja keinesfalls ausgeschlossen - entwickelt sich eine Hierarchie sozialer Kontrolle und des Gruppendrucks. Was schlimmer sein kann, als das klassische Arbeitgeber/Arbeitnehmerverhältnis, da sie auf keiner vertraglichen Grundlage beruht, Rechte also auch nicht eingeklagt werden können.

Ein lesenswertes Stück.

Zum Autor
Michael Leitl ist Redakteur des Harvard Business Managers.

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