Die häufigsten Wahrnehmungsfehler

Psychologie:

14. Juni 2016
Getty Images

1. Handlungsorientierte Verzerrungen

Übertriebener Optimismus
Wir sind zu optimistisch im Hinblick auf das Ergebnis geplanter Aktionen. Wir überschätzen die Wahrscheinlichkeit positiver Ereignisse und halten negative Entwicklungen für unwahrscheinlicher, als sie in Wirklichkeit sind.

Übermäßiges Selbstvertrauen
Wir überschätzen den Grad unserer Kompetenz im Vergleich zu anderen Menschen - und folglich auch unsere Fähigkeit, künftige Situationen zu beeinflussen. Wir schreiben uns das Verdienst an früheren positiven Entwicklungen zu, ohne einzugestehen, dass dabei auch der Zufall eine Rolle gespielt haben könnte.


2. Kognitive Verzerrungen beim Wahrnehmen und Beurteilen von Alternativen

Bestätigungsfehler
Wir räumen Informationen, die unseren eigenen Vorstellungen entsprechen, einen hohen Stellenwert ein und messen Beweisen, die dagegensprechen, nicht genügend Bedeutung bei. Wir sind bei unserer Informationssuche nicht objektiv.

Ankereffekt und unzureichende Korrektur
Wir orientieren uns beim Entscheiden an einem Anfangswert und korrigieren unser Denken nicht ausreichend, um von diesem Wert wegzukommen.

Gruppendenken
Wir streben nach Konsens auf Kosten einer realistischen Einschätzung alternativer Vorgehensweisen.

Egozentrik
Wir fokussieren uns so sehr auf unsere eigene Perspektive, dass wir uns nicht vorstellen können, wie sich eine bestimmte Strategie oder Vorgehensweise auf andere Menschen auswirken wird. Wir gehen davon aus, dass alle Personen Zugang zu denselben Informationen haben wie wir.


3. Kognitive Verzerrungen beim Formulieren von Alternativen

Verlustaversion
Wir empfinden Verluste stärker als Gewinne der gleichen Größenordnung und verhalten uns daher risikoscheuer, als wir es aufgrund einer rationalen Kalkulation eigentlich sein müssten.

Das Problem der versunkenen Kosten.
Wir achten beim Nachdenken über künftige Wege auf Kosten, die wir bereits investiert haben, obwohl diese Ressourcen unwiederbringlich verloren sind.

Eskalierendes Commitment
Wir investieren weitere Ressourcen in ein offensichtliches Verlustgeschäft, weil uns dieses schon so viel Mühe, Geld und Zeit gekostet hat.

Kontrollierbarkeits-Bias
Wir glauben, den Ausgang einer Situation besser unter Kontrolle zu haben, als es tatsächlich der Fall ist, und schätzen die Risiken eines geplanten Vorgehens falsch ein.


4. Stabilitätsirrtümer

Status-quo-Fehler
Wir bevorzugen den Status quo, sofern wir nicht gezwungen sind, ihn zu verändern.

Zu starke Gegenwartsorientierung
Wir messen sofortigen Belohnungen einen sehr hohen Stellenwert bei und unterschätzen langfristige Gewinne.


Was verzerrte Wahrnehmung anrichten kann, beschreiben die Autoren Jack B. Soll, Katherine L. Milkman und John W. Payne in ihrem Beitrag "Vorsicht, verzerrte Wahrnehmung". Er ist in unserer Edition "Einfacher entscheiden" enthalten.


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