Der Neugier auf der Spur

Kreativität:

26. März 2018
Getty Images

Menschen sind von Natur aus neugierig. Doch in Unternehmen wird ihnen diese Wissbegierde systematisch aberzogen. Hierarchische Strukturen führen dazu, dass in der Regel nicht die innovativsten, sondern die risikoärmsten Vorschläge zum Zuge kommen. Es fehlt an einer Geisteshaltung, die Neugier nicht nur zulässt, sondern ausdrücklich fördert.

Neugier umfasst vier Dimensionen, die sich messen und verändern lassen. Die erste ist Wissbegierde. Sie beschreibt, wie jemand von sich aus nach neuen und komplexen Informationen sucht und was ihn dazu antreibt. Wissbegierige Menschen sind Entdecker. Ihr Beweggrund besteht darin, die Anspannung zu reduzieren, die aus fehlendem Wissen oder mangelhaftem Verständnis entsteht. Dieser Treiber ist ausschlaggebend dafür, dass jemand innovative Lösungen außerhalb seines beruflichen Komfortbereichs findet - und genau darum geht es: einen Blick über den Tellerrand zu ermöglichen.

Wissbegierde allein reicht nicht aus. Sie müssen auch bereit sein, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen und verschiedene Wege auszuprobieren, bevor Sie eine Idee oder Lösung abschließend bewerten. Diese mentale Flexibilität nennen wir Kreativität bei der Problemlösung. Sie ist die zweite Dimension von beruflicher Neugier. Ihr Wesen wird gut durch eine Aussage verdeutlicht, die dem Erfinder Thomas Edison zugeschrieben wird: "Ich habe 999 Wege gefunden, wie eine Glühbirne nicht funktioniert."

Edison war ein kreativer Einzelgänger. Heutzutage bilden Unternehmen für Innovationsprozesse globale Teams, in denen die Sichtweisen vieler unterschiedlicher Menschen zusammenfließen. Diese Art der Zusammenarbeit kann zu sehr viel kreativeren Problemlösungen führen. Mit ihr entstehen aber auch Probleme: In der Regel ergibt sich ein Schlagabtausch um die bessere Idee. Selten werden gegensätzliche Vorstellungen vereint oder als Basis für neue Denkansätze genutzt.

Manager und ihre Teams müssen sich deshalb für andere Perspektiven und widersprüchliche Informationen öffnen. Neugier am Arbeitsplatz benötigt daher Offenheit für Ideen - die dritte Dimension. Hochgradig neugierige Menschen übernehmen mit Freude andere Denkmuster. Sie stürzen sich in unbekannte Aktivitäten und beschäftigen sich gern mit neuen Themen.

Wer kritische Fragen stellt, Widersprüche akzeptiert und sich auf unbekanntes Terrain wagt, wird die Herausforderungen aber nur bewältigen, wenn er dabei über eine hohe Stresstoleranz verfügt. Diese vierte Dimension beschreibt die Überzeugung, dass jemand in der Lage ist, mit Neuem, Komplexem, Undurchsichtigem, Unerwartetem oder Unbekanntem umzugehen. Dies ist nicht zu unterschätzen. Untersuchungen haben ergeben: Die Stresstoleranz bestimmt, ob eine Person ihrer Neugier auch maßgebliche Taten folgen oder sich entmutigen lässt und weitermacht wie bisher.

Lässt sich das alles bei Mitarbeitern trainieren? Ja, so hat eine aktuelle Studie ergeben. Carl Naughton, einer der Gründer der Unternehmensberatung Braincheck und Autor des Buchs "Neugier: So schaffen Sie Lust auf Neues und Veränderung" (Econ 2016), beschreibt zusammen mit Isabel De Paoli, Chief Strategy Officer von Merck, und Todd B. Kashdan, Psychologieprofessor an der George Mason University im US-Bundesstaat Virginia, im aktuellen Harvard Business Manager ein Programm, mit dem sich die berufliche Neugier in Unternehmen steigern lässt. Seine Wirksamkeit überprüften sie mit drei Teams von Merck, Porsche Consulting und dem Weizmann Institute of Science. Verschiedene Techniken wie das "Lunch and learn"-Format oder die "Curiosity Cake Challenge" halfen den Teams, ihre Neugier und damit ihre Innovationskraft zu steigern.


Lesen Sie dazu den Beitrag "Der Neugier auf der Spur" in der April-Ausgabe des Harvard Business Managers.


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