Wie das Internet der Dinge alles verändert

Innovation:

Von Stefan Ferber
10. Juli 2014
Car2Go: Unternehmen wie die Daimler-Gruppe investieren in mobile Dienste
DPA

Car2Go: Unternehmen wie die Daimler-Gruppe investieren in mobile Dienste

Wir werden derzeit Zeuge, wie zwei Sphären der Arbeitswelt aufeinander stoßen - ein Zusammenstoß zweier sehr ungleicher Systeme, der sie gehörig durcheinander wirbeln wird. Der Grund für diese Revolution: Das Internet der Dinge.

Das Internet der Dinge bezeichnet eine dramatische Weiterentwicklung des Internets. Künftig werden physische Objekte miteinander kommunizieren, und das noch intensiver, als es heute Menschen tun. Nach einer Studie der Bosch-Gruppe hat bis 2015 rund drei Viertel der Menschheit Zugriff auf das Internet. Es wird dann rund sechs Milliarden internetfähige Endgeräte geben: Ein gewaltiges globales System miteinander verbundener Computer-Netzwerke, Sensoren, Antriebselemente und Geräte, die alle das Internet-Protokoll nutzen. Dies birgt ein so großes Potenzial, unser aller Leben zu verändern, das oft von der "nächsten Revolution des Internets" die Rede ist.

Für Manager bedeuten diese Umwälzungen langfristige Herausforderungen - aber sie müssen auch schon heute wichtige Entscheidungen für ihr Unternehmen treffen. Sie müssen Visionäre sein und überlegen, welche neuen lukrativen Angebote möglich werden, wenn die physische Welt mit der virtuellen verschmilzt und potenziell jedes physische Objekt intelligent und vernetzt sein kann. Schon heute müssen sie ihre Unternehmen und die web-basierten Geschäftsmodelle so aufstellen, damit diese Ideen in Zukunft Wirklichkeit werden können.

Als Kunden haben wir eine gewisse Vorstellung davon, wie sich das Verhältnis zwischen Käufer und Unternehmen ändert, wenn Endgeräte mit dem Internet verbunden sind. Heutzutage ist niemand mehr mit einem Walkman von Sony und Kassetten unterwegs; stattdessen tragen wir iPods von Apple - und unsere wichtigste Quelle für Musik ist der iTunes-Store geworden, ebenfalls von Apple. Das Unternehmen verkauft die Geräte und die Inhalte und profitiert so gleich doppelt. Auf eine ähnliche Weise stellen die Käufer von Industriegütern fest, wie sich das Verhältnis zu ihren Zulieferern durch intelligente, vernetzte Produkte und Maschinen verändert. Denken wir beispielsweise an die Auswirkungen, die vorbeugende Instandhaltung im Maschinen- und Anlagenbau bedeuten würde. Wenn eine Maschine mit Sensoren ausgestattet ist, weiß sie, in welchem Zustand sie sich befindet. Wann immer es nötig wird, kann sie die eigene Instandhaltung veranlassen.

Wenn die Dinge miteinander vernetzt sind, hat das ohne Zweifel gravierende Auswirkungen auf die Wertschöpfung. In vielen Fällen stehen nicht mehr die industriell gefertigten Produkte im Mittelpunkt, sondern die webbasierten Dienste, auf die wir durch das Produkt zugreifen können. Deshalb investiert beispielsweise die Daimler-Gruppe in mobile Dienste wie etwa Car2go, myTaxi oder moovel; deshalb nutzt General Electric (GE) das so genannte "Industrial Internet" für Dienstleistungen im Maschinen- und Anlagenbau. Und LG ebnet den Weg zum vernetzten Wohnen durch internettaugliche Fernseher, Haushaltsgeräte und die damit verbundenen Dienstleistungen.

Rentables Geschäft

Wissenschaftler vom Institute of Technology Management an der Universität St. Gallen in der Schweiz kamen in einer Studie zu dem Schluss, dass sich diese Dienstleistungen für traditionelle Industrieunternehmen rentieren. Dabei nennen sie das Beispiel einer Papiermaschine. Durch den Verkauf kann ein Unternehmen etwa eine Marge von ein bis drei Prozent erwirtschaften, während damit verbundene Dienstleistungen bei Margen liegen, die fünf- bis zehnmal so groß sind. Dieses Verhältnis trifft auch für den Verkauf von Autos und den damit verbundenen Mobilitäts- und Wartungsdienstleistungen zu.

Für Unternehmen der Old Economy ist die Aussicht schwindelerregend, traditionelle Produkte intelligent und vernetzungsfähig zu machen. Ein Beispiel: Mein eigenes Unternehmen, die Bosch-Gruppe, produziert jeden Tag über eine halbe Million Artikel in über 1500 verschiedenen Produkt-Kategorien.

Seite
1
2
Artikel
Kommentare
0
Diskussionsregeln

Wir freuen uns über lebendige, konstruktive und inspirierende Diskussionen auf HBM Online. Um die Qualität der Debattenbeiträge sicherzustellen, werden unsere Moderatoren jeden Beitrag prüfen. Eine Nutzung der Kommentarfunktion zu kommerziellen Zwecken ist nicht erlaubt. Beiträge mit vorwiegend werblichem, strafbarem, beleidigendem oder anderweitig inakzeptablem Inhalt werden von unseren Moderatoren gelöscht.

© 2013 Harvard Business Publishing
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH
ANZEIGE
Die neuesten Blogs
Nach oben