Wie das Internet der Dinge alles verändert

10. Juli 2014
Car2Go: Unternehmen wie die Daimler-Gruppe investieren in mobile Dienste
DPA

Car2Go: Unternehmen wie die Daimler-Gruppe investieren in mobile Dienste

2. Teil: Tradition und Wachstum

Traditionelle Produkte in ein service-basiertes Geschäftsmodell einzubinden, ist eine noch viel größere Herausforderung. Diese neuen Modelle haben große Auswirkungen auf Prozesse innerhalb des Unternehmens, wie etwas das Produktmanagement oder die Produktions- oder Absatzplanung. Angesichts der Dynamik des Netzes werden Innovationen weitaus schneller erfolgen müssen. In kurzer Zeit haben wir die Bosch Software Innovations als neue Software- und Systemunternehmenseinheit aufgebaut; wir haben einen Service für Elektromobilität in Singapur gestartet und cloud-basierte Sicherheitsprodukte auf den Markt gebracht. Wir haben eine internetfähige Sicherheitskamera entwickelt und eine App für das iPhone auf den Markt gebracht, mit der Nutzer von unterwegs ihre Heizung zu Hause ansteuern können. Weitere Ideen zur Zukunft des vernetzten Lebens haben wir auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas vorgestellt.

In vielen verschiedenen Sektoren der Weltwirtschaft werden neue webbasierte Geschäftsmodelle, die für das Internet der Dinge entwickelt werden, Unternehmen zusammenbringen, die nie zuvor zusammengearbeitet haben. Durch Joint Ventures und Akquisitionen kombinieren Unternehmen der Old Economy und der New Economy ihre jeweiligen Stärken, so dass sie zusammen bislang unerschlossene Geschäftsfelder erschließen können. In Echtzeit müssen sie herausfinden, wie sie ihre Geschäftsentwicklung mit Kunden und anderen Stakeholdern koordinieren werden.

Unbekannte Konkurrenz

Dann werden wir einen intensiven Wettbewerb mit Unternehmen aus beiden Welten haben, die alle um Marktanteile kämpfen und versuchen, der Zukunft ihren Stempel aufzudrücken. Erfahrene Hersteller in traditionellen Branchen - egal ob sie Kaffeemaschinen, Autos, Klimaanlagen, Fitnessgeräte oder Schuhe herstellen - müssen plötzlich nicht mehr nur mit Unternehmen ihrer eigenen Kategorie konkurrieren: Sie stehen auch bislang unbekannten Gegnern gegenüber.

Die meisten wissen, dass ihre Zukunftsstrategie zwei Notwendigkeiten miteinander vereinbaren muss: Sie müssen ihr traditionelles Geschäft schützen und gleichzeitig Wachstum schaffen. Etwa indem sie Dienstleistungen anbieten, die dem Kunden zeigen, dass sie mit dem Kauf des Produkts noch viel größeren Nutzen erhalten. Kein Hersteller sollte zu dem Schluss kommen, dass das Internet der Dinge eine Bedrohung ist, die bekämpft werden muss, um den Wert des Produkts zu schützen und das Kapital, das für den Aufbau der Produktionskapazitäten investiert wurde. Angesichts knapper Ressourcen zwingt dies Unternehmen zu einer schwierigen Entscheidung: Jedes Investment kann dazu benutzt werden, die produktnahen Bereiche zu stärken, wie Maschinen, Lieferketten, Personal und Marken. Oder es kann in den neuen Bereich der vernetzten Dienstleistungen fließen, die höhere Margen versprechen.

Viele glauben, die beste Entscheidung sei es, in beiden Bereichen gleichermaßen zu investieren. Immer mit dem Ziel, die ideale Balance mit der höchsten Marge zu erreichen.

Das Resultat: Nicht nur im Markt, sondern auch innerhalb der Unternehmen werden völlig unterschiedliche Geschäftsmodelle, Strukturen und Arbeitskulturen aufeinander treffen. Das muss auch passieren, damit das Internet der Dinge Wirklichkeit werden kann.

Viele Leute sind der Auffassung, dass eines der Systeme untergehen muss, wenn Old und New Economy aufeinander stoßen. Populär ist auch die Meinung, dass die New Economy dabei Vorteile auf ihrer Seite hat. Gewiss müssen viele Unterschiede überwunden werden, bis die Unternehmen aus beiden Sphären zusammenpassen: Kontrollierte Systeme auf der einen Seite stehen offene Gemeinschaften auf der anderen gegenüber. Die eine Seite hält ein wachsames Augen auf knappen Ressourcen; die andere bietet ihre Dienstleistungen im Grunde kostenfrei an. Am wahrscheinlichsten ist, dass sich beide verändern werden und ein neues System mit völlig anderen Dynamiken entsteht. Es werden sich neue Gravitationszentren und neue Partnerschaften bilden. Als Manager sollten Sie sich die folgenden Fragen stellen: Wo ist der Platz für Ihr Unternehmen in diesem neuen System? Können Sie die Chancen nutzen, oder wird ihre Firma von der Konkurrenz an den Rand gedrängt?

Zum Autor
Stefan Ferber ist Director for Business Development for the Internet of Things and Services der Bosch Software Innovations GmbH, das zur Robert Bosch GmbH gehört.

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