Die 100 besten CEOs der Welt

Ranking:

Von Adi Ignatius
16. Oktober 2014

Vor ein paar Jahren saß ich mit Howard Schultz, dem Gründer der Kaffeehauskette Starbucks, in seinem Büro in Seattle zusammen. Ich sprach mit ihm über die Herausforderungen, die seine Position als CEO mit sich brachte. An einer Stelle fragte ich ihn: Gibt es einen Unterschied zwischen der Person, die er sein möchte, und der, die er nach außen als Leiter eines börsennotierten Unternehmens darstellen muss?

Vorstandschef zu sein, sagte Schultz, "war schwierig - und einsam." Dennoch sei es möglich, zu seinen Werten zu stehen und sich gleichzeitig den Respekt der Börse zu verdienen. "Aber die einzige Zutat, die in einer solchen Umgebung funktioniert, ist Leistung - wir müssen also Erfolge vorweisen."

Wie die CEOs ausgewählt wurden
  • Die Methode
    Für die Rangliste der weltbesten CEOs haben wir die Vorstandschefs der Unternehmen untersucht, die Ende 2013 im Standard and Poors Global 1200 vertreten waren. Dieser Index bildet 70 Prozent der weltweiten Aktienmarkt-Kapitalisierung ab. Enthalten sind Firmen aus Nordamerika, Europa, Asien, Lateinamerika und Australien. Uns war eine verlässliche Datengrundlage sowie die langfristige Entwicklung wichtig. Aus diesem Grund schlossen wir CEOs aus, die ihre Stellung vor 1995 oder nach dem 30. April 2012 angetreten hatten. Wir sonderten ebenfalls alle Manager aus, die vorbestraft oder inhaftiert worden waren. Am Ende kamen wir auf 832 aktuelle CEOs von 827 Unternehmen (einige besaßen eine Doppelspitze). Diese Führungskräfte kamen aus 43 Nationen und leiteten Organisationen mit Sitz in 30 Ländern. Die Leiterin unseres Forschungsteams war Nana von Bernuth, Projektmanagerin an der französischen Business School Insead. Ihr zur Seite standen für die Statistik Hyunwoo Park und für die Programmierung Peggy Lam, Michelle Kossack und Phachareeya Ratchada.
Schultz hat an beiden Fronten gute Ergebnisse erzielt. Er hat sich in die politische Debatte eingemischt und ist bei unterschiedlichen Themen für Reformen eingetreten. So hat er sich beispielsweise für die gleichgeschlechtliche Ehe ausgesprochen und als Unterstützer von US-Präsident Barack Obama positioniert. Und obwohl das so manchem Aktionär nicht gefallen haben wird - andere mag es vielleicht gefreut haben -, so hat er den Anteilseignern doch immer wieder auch herausragende Unternehmenszahlen präsentieren können.

Das Ergebnis: Schultz hat es in unsere Rangliste der 100 besten CEOs der Welt geschafft - er belegt den 54. Platz.

1350 Prozent Aktienrendite

Das Ranking zeichnet sich durch eine große Vielfalt aus. Vertreten sind 22 Nationalitäten und zahllose unterschiedliche persönliche Wertvorstellungen und Führungsstile. Ein anderer CEO, der ebenfalls in Seattle sein Hauptquartier aufgeschlagen hat, ist Amazon-Gründer Jeff Bezos. Er hat es auf den ersten Platz weltweit geschafft.

Wie lässt sich der Wert eines Vorstandschefs messen? Wir haben uns für einen wissenschaftlichen Ansatz entschieden: Statt Reputation oder anekdotische Evidenz legten wir harte Fakten zugrunde. Wir schauten uns an, wie sich die Aktienrendite - der Total Shareholder Return (TSR) - und die Marktkapitalisierung der geführten Unternehmen entwickelt hat. Dabei nahmen wir eine eher langfristige Perspektive ein. Unsere Rankings ziehen die Leistung aktueller CEOs über ihre gesamte Amtszeit in Betracht, und wir haben nur diejenigen berücksichtigt, die seit mindestens zwei Jahren ihren Job ausüben. Der Medianwert in unserer Untersuchung lag bei sieben Jahren.

Die besten CEOs waren zweifellos effektiv. Die Top 50 haben während ihrer Amtszeit im Schnitt eine um Währungseffekte bereinigte Aktienrendite von 1350 Prozent erzielt - umgerechnet ergibt sich damit eine jährliche durchschnittliche Rendite von 26,2 Prozent. Der um Brancheneffekte bereinigte TSR liegt bei 1161 Prozent; rechnet man Ländereffekte heraus, dann sind es 1087 Prozent.

Ein guter CEO zu sein, bedeutet natürlich weit mehr als nur die Wünsche der Investoren zu erfüllen. Ein Unternehmen leiten und Wert schaffen kann nur, wer Eigenschaften mitbringt, die sich nicht so einfach messen lassen - strategischen Weitblick, Authentizität und langfristiges Denken. Und die Anleger sind sicherlich nicht die einzige Interessengruppe, um die sich ein CEO kümmern muss. Den erfolgreichsten Unternehmen gelingt es, zu ihren Kunden, Mitarbeitern und den Gemeinden, in denen sie ihr Geschäft betreiben, starke Bindungen aufzubauen.

Zwei Frauen an der Spitze

Aber wir wollen ein möglichst objektives Ranking aufstellen. Aus diesem Grund haben wir mehr Wert auf das gelegt, was sich genau messen lässt. Eines Tages werden wir hoffentlich ähnlich präzise auch Kriterien wie Nachhaltigkeit, Mitarbeiterzufriedenheit und Kundenbindung bewerten können, so dass wir sie voller Überzeugung in unsere Formel miteinbeziehen können. Bis dahin jedoch können wir diese Liste nur parallel um Daten ergänzen, die einige dieser "weicheren" Faktoren zu erfassen versuchen.

Dazu haben wir das Reputation Institute um Mithilfe gefragt, eine Managementberatung, die sich auf die Messung von Ansehen spezialisiert hat. Sie hat unsere 100 Spitzen-CEOs nach diesen anderen Kriterien bewertet - wie gesellschaftliches Engagement, Governance, Führung oder Arbeitsumfeld. Die Ergebnisse weisen leider darauf hin, dass gute Leistungen nicht unbedingt mit guten Taten einhergehen müssen. Einige Superstars allerdings haben in allen Bereichen hervorragend abgeschnitten. Unter ihnen befindet sich auch Bezos. Obwohl die Medien viel über den Streit um höhere Rabatte auf E-Books berichtet haben, den Amazon zuletzt mit Verlagen und Autoren ausgetragen hat, belegte der Unternehmensgründer den vierten Platz in der Liste des Reputation Institutes. Schultz landete im Mittelfeld.

Was wissen wir sonst noch über die CEOs in unserem Ranking? Die meisten von ihnen sind Männer. Es gibt nur zwei Frauen: Debra Cafaro von der Immobilienfonds-Gesellschaft Ventas und Carol Meyrowitz vom Einzelhändler TX. Beim Alter liegt der Medianwert unter den Top 100 bei 59 Jahren. (Diese Zahlen sind fast deckungsgleich mit denen der Gesamtuntersuchung: Darin beträgt der Frauenanteil 3 Prozent, und der Medianwert des Alters 58 Jahre.) Interessant ist eine Erkenntnis über die Herkunft: 13 Vorstandschefs haben eine andere Nationalität als die ihres Unternehmens. Obwohl immer noch kein globaler Markt für CEOs existiert, so ist diese Zahl immerhin mehr als doppelt so hoch wie in der vergangenen Version des Rankings im Jahr 2013. Und während die 100 Spitzenreiter im Einzelfall recht unterschiedliche Wege zum Erfolg eingeschlagen haben, so kristallisieren sich doch zwei bevorzugte Pfade heraus: Mehr als ein Viertel kann einen MBA-Abschluss vorweisen, und fast genauso viele haben Ingenieurwissenschaften studiert.

Welche Schlussfolgerung lässt sich am Ende aus dem Ranking ziehen? In vielerlei Hinsicht sagt der Spitzenplatz für Bezos alles aus. Der Amazon-Gründer ist ein Manager, der regelmäßig kurzfristig orientierte Anleger enttäuscht und gleichzeitig immer wieder große Wetten auf die Zukunft abschließt. Das Unternehmen schließt viele Quartale mit Verlust ab, auch wenn die Umsätze ständig steigen. Der Aktienkurs ist, wie der vieler anderer Firmen auch, großen Schwankungen ausgesetzt. Dennoch haben Amazon und Bezos den Investoren einen von der Konkurrenz unerreichten Shareholder Value beschert - und das über einen langen Zeitraum.

Zur Person
Adi Ignatius ist Chefredakteur der Harvard Business Review.

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Kommentare
1
jelly1 - fraenzchen 17.10.2014

hier scheint eine Verwechslung statt zu finden ! ? es sind an den vordersten Stellen nur Manager aus der LUFTGESCHÄFTE-Branche ? ! echte Manager sind in der Realwirtschaft zu Hause, können lesen schreiben und rechnen und wissen das ohne soziale Kompetenz und mehr Fachwissen als notwendig nichts geht ! vielleicht hilft das einiegen auf die Sprünge ? !

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