Wie unser Großraumbüro die Stimmung verbesserte

Architektur:

Von Paul Rosenberg und Kelly Campbell
11. März 2015
Büro der Bridgespan Group
Anton Grassl/Esto

Büro der Bridgespan Group

Heutzutage betrachten die meisten Menschen Großraumbüros mit Skepsis - als Überbleibsel einer architektonischen Modeerscheinung, die früher einmal cool war, eigentlich aber eher zu Ablenkung als zu besonderen Innovationen geführt hat. Zu viel Transparenz hat tatsächlich Nachteile, wie dieser Artikel zeigt.

Vor sechs Monaten beschlossen wir von der Bridgespan Group, zu überprüfen, ob das negative Urteil über Großraumbüros wirklich zutrifft: Wir siedelten 70 unserer Mitarbeiter aus Büros und Bürokabinen (Cubicles) auf zwei Stockwerke eines Gebäudes in der Bostoner Back Bay um. Es war ein völlig anderer Büroraum, der aus der entkernten obersten Etage eines vier Häuserblocks entfernten Hochhauses gestaltet worden war.

Mit diesem Experiment wollten wir Hierarchien niederreißen und unsere bereits vorhandene kooperative Unternehmenskultur stärken. Bisher sind wir damit erfolgreich gewesen. Der offene Grundriss hat sich positiv auf die Produktivität, den Elan und das Zusammengehörigkeitsgefühl unserer Mitarbeiter ausgewirkt. Aber der Weg vom traditionellen Büro zu diesem neuen Arbeitsraum, in dem Arbeitsflächen, Tische, Aufenthaltsbereiche und private Räume (auf First-come-first-served-Basis) gemeinsam genutzt werden, erforderte sorgfältiges Nachdenken und eine genaue Planung.

Die Planung

Vor etwas mehr als einem Jahr versammelten sich 22 Mitarbeiter verschiedenster Funktionen und Positionen für zweieinhalb Tage im Rohbau unseres neuen Büros, um zu überlegen, wie man es am besten nutzen könnte. Ein Team von Architects of Group Genius und unsere Bauarchitekten von CBT unterstützten uns dabei. Unsere Herausforderung bestand darin, ein völlig anderes Büro zu kreieren, das die Teamarbeit fördern und uns wertvolle Erkenntnisse über unsere Projekte zur Beratung gemeinnütziger Organisationen bringen sollte. Außerdem wollten wir für alle unsere Mitarbeiter ein breiteres Spektrum an täglichen Arbeitsplatzmöglichkeiten schaffen, und das möglichst ohne hohe Kosten, da wir schließlich ein Non-Profit-Unternehmen (mit entsprechend niedrigem Budget) sind.

Wir bildeten Gruppen, um darüber nachzudenken, in welchen Umfeldern wir am besten arbeiten konnten, unternahmen Exkursionen zu Büroräumen, die eigens für Wissensarbeiter geschaffen worden waren, und fertigten verschiedene Bauentwürfe an: von fast normal bis avantgardistisch. (Eine kleinere Gruppe von Mitarbeitern unseres Unternehmens hatte vorher bereits monatelang Grundrisskonzepte recherchiert, sich TED-Talks zum Thema Raum und Klang angehört und innovative Unternehmen besucht.)

Dabei dachten viele von uns an jene Woche im Hochsommer zurück, als in der Hälfte unserer damaligen Büros plötzlich die Klimaanlage ausgefallen war. Damals drängten sich die Mitarbeiter in den kühleren Räumen und teilten Büros und Schreibtische mit Kollegen. Das hatte zu einer sehr legeren, zwanglosen Zusammenarbeit außerhalb offizieller Konferenzen und Gesprächstermine geführt. Würden wir es schaffen, diesen glücklichen Zufall in unseren neuen Büroräumen zum Dauerzustand zu machen? Laut Fachliteratur sehnen Mitarbeiter sich nach Personalisierung und Entscheidungsfreiheit. Vielleicht konnten wir dieses Ziel ja erreichen, indem wir ihnen nicht wie bisher feste Büroräume oder -kabinen zuwiesen, sondern sämtlichen Mitarbeitern aller Unternehmensebenen verschiedene Arbeits- und Aufenthaltsräume zur Auswahl anboten, zwischen denen sie nach Belieben hin und her wechseln konnten. Außerdem wollten wir große, flexibel nutzbare Räumlichkeiten schaffen, wo die Leute sich zusammensetzen, Brainstormings veranstalten oder auf andere Weise zusammenarbeiten konnten.

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Großraum, Cubicle, Einzelbüro - alles ist schon einmal dagewesen. In unserem Schwerpunkt diskutieren wir die Frage, wie die perfekte Arbeitsumgebung aussieht und wie heute gearbeitet wird.
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