"Den Zuhörern Respekt erweisen"

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Mit Bill McDermott sprach Ingmar Höhmann
Heft 2/2019
AFP

Was zeichnet einen guten Redner aus?

McDermott: Das Gen für Großmut! Ein exzellenter Redner stellt sich immer in den Dienst des Publikums. Dabei geht es nicht nur ums Informieren oder Unterhalten, sondern auch darum, das Publikum zu kennen. Ihnen sollte bewusst sein, warum sich die Anwesenden dafür entschieden haben, Ihnen zuzuhören. Wenn Sie Leuten diesen großen Respekt entgegenbringen, werden Sie dafür fast immer belohnt.

Sie kommen aus dem Vertrieb. Hilft Ihnen dieser Hintergrund bei Reden? Und mussten Sie Ihren Vortragsstil anpassen, als Sie CEO wurden?

Am Ende geht es immer ums Publikum. In bestimmten Situationen oder bei bestimmten Themen darf nie der Eindruck entstehen, Sie wollten etwas verkaufen. Mein Ziel ist stets, Vertrauen aufzubauen. Das ist das wertvollste zwischenmenschliche Gut. Kennen mich die Zuhörer, vertrauen sie mir? Wenn nicht, dann erzähle ich ihnen von mir, mit authentischen Geschichten aus meinem Leben. Wenn die Leute mich bereits kennen, konzentriere ich mich auf ihre Ziele. Was erwarten sie von mir, damit ihnen mein Vortrag hilft? Wollen sie mehr über mein Unternehmen oder seine Produkte erfahren? Suchen sie Inspiration? Wollen sie herausgefordert werden? Daran orientiere ich mich.

IT-Produkte sind notorisch schwierig zu erklären. Wie präsentieren Sie Ihre Software vor Managern, die nicht aus Ihrer Branche kommen?

In der IT geht es immer um Problemlösung oder zu erzielende Ergebnisse. Von Managern wird erwartet, dass sie Probleme aus dem Weg räumen - dass sie beispielsweise ihre Kunden zufriedenstellen oder ihre Mitarbeiter motivieren. Entscheidend ist: Sie sollten Ihre Zuhörer mit praxisnahen Beispielen abholen, die in Verbindung mit ihren eigenen Erfahrungen stehen. Ich glaube auch fest an die Kraft des Storytelling. Menschen können sich mit Geschichten identifizieren. Ich rede zum Beispiel über meine Gespräche mit anderen CEOs. In diesen Anekdoten geht es um unsere Software. Und ich wirke authentisch, weil ich Unterhaltungen nacherzähle, die tatsächlich stattgefunden haben.

2016 schrieben Sie im Harvard Business Manager: "Vor einem deutschen Publikum muss ich zunächst faktenbasierter und stringenter argumentieren, um zu überzeugen - fast wie vor Gericht." Sind die Deutschen so kritisch? Und wie motiviert man ein solches Publikum?

Ich mag es, in Deutschland aufzutreten, weil die Leute hier sehr aufmerksam sind. Sie erwarten, dass Redner stets einen klaren Standpunkt vertreten und diesen gut begründen. Motivationsreden funktionieren durch spannende und erreichbare Ziele. 2017 etwa habe ich in einem Vortrag ein ehrgeiziges Ziel formuliert, wie wir den Unternehmenswert steigern können. Die erste Reaktion war Skepsis. Dann stellte sich auf einmal heraus, dass wir in den fünf Jahren zuvor bereits ähnliche Ziele erreicht hatten. Sobald das den Zuhörern klar wurde, dass die Annahmen keine Luftschlösser sind, waren sie viel einfacher für die Idee zu begeistern.

Deutsche Manager müssen heute häufig auf Englisch vortragen. Nicht jeder fühlt sich dabei wohl. Was wäre Ihr Ratschlag?

Zunächst: Jeder sollte sich mit seiner eigenen Stimme wohlfühlen. Die besten Nichtmuttersprachler zeichnet aus, dass sie meist unbeschwert mit der Sprachbarriere umgehen. Das nimmt ihnen Nervosität. Dann: Greifen Sie auf Hilfsmittel zurück. Existiert ein Video oder eine Grafik, mit der Sie Ihre Botschaft besser vermitteln können? Schließlich: Gute Redner wissen, wie sie ihre Persönlichkeit und Energie wirkungsvoll einsetzen. Ich habe mitreißende Vorträge erlebt, bei denen ich nicht einmal mehr genau weiß, worum es eigentlich ging. Lassen Sie sich von Ihrer positiven Energie tragen. Bestimmt nimmt dann auch das Publikum aus Ihrem Vortrag ein positives Gefühl mit.

Bill McDermott
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    Bill McDermott ist seit 2010 Vorstandsvorsitzender von SAP. Zuvor leitete der gebürtige New Yorker den weltweiten Vertrieb des Softwarekonzerns.
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