Der Wert weiblicher Kompetenzen

Frauen im Management:

Von John Gerzema
23. September 2013

In diesem Mai veröffentlichte Meinungsforschungsinstitut Pew Research Center eine Studie, laut der in 40 Prozent der US-Haushalte eine berufstätige Mutter die Allein- oder Hauptverdienerin ist. Nur ein paar Tage davor hatte der Hedgefonds-Milliardär Paul Tudor-Jones mit einer Bemerkung auf einer Konferenz für Aufregung gesorgt: Frauen würden beim Handel mit Wertpapieren nie an Männer herankommen, so sagte er, weil Babys "Konzentrationskiller" seien.

Blütezeit: Menschen wünschen sich feminine Werte
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Blütezeit: Menschen wünschen sich feminine Werte

Wie tektonische Platten stießen bei diesen Nachrichten einerseits die Dynamik einer neuen Wirtschaft und andererseits das alte Establishment aufeinander. Die Industrienationen entwickeln sich bekanntlich weg von einer rein produzierenden Gesellschaft hin zu einer Wissens- und Dienstleistungs-Gesellschaft. Ich würde mein Geld auf die Mütter setzen - oder besser auf die Frauen und auch Männer, die denken können wie sie.

Mein Kollege Michael D'Antonio und ich haben in diesem Zusammenhang statistisch repräsentative Stichproben aus 13 Ländern von Amerika bis Asien erhoben. Diese zeigen, dass es eine weit verbreitete Unzufriedenheit über typische männliche Arten des Geschäftslebens gibt - und zunehmende Wertschätzung für die Eigenschaften, Fähigkeiten und Kompetenzen, die als eher weiblich wahrgenommen werden.

Die Ergebnisse sind in unserem neuen Buch "The Athena Doctrine" zu finden. Demnach sind 57 Prozent der Befragten unzufrieden damit, wie sich die Männer in ihrem jeweiligen Land verhalten. In Japan und Südkorea beträgt der Anteil 79 Prozent, in Indonesien, Mexiko, Großbritannien und den USA mehr als zwei Drittel. In der Generation Y(Frauen und Männer im Alter von 18 bis 30 Jahren) ist dieses Gefühl sogar noch weiter verbreitet: Hier sind fast 80 Prozent mit den aktuellen Verhältnissen nicht einverstanden - und das in vor allem stark männlich geprägten Gesellschaften wie Brasilien, Südkorea, Japan und Indien.

Weibliche Denkart

Die Mehrheit scheint also männlich dominierter Strukturen und Führungen überdrüssig zu werden. Und sie kennt auch eine Lösung für dieses Problem: Zwei Drittel der Umfrageteilnehmer stimmten der Aussage zu "Die Welt wäre ein besser Ort, wenn Männer mehr wie Frauen denken würden". In Frankreich waren 76 Prozent dieser Meinung, in Deutschland 70 Prozent. Selbst unter den Männern ist die Mehrheit der Ansicht, dass ihre Vorherrschaft mit Einkommensungleichheit, dauerhafter hoher Arbeitslosigkeit und politischem Stillstand gleichzusetzen ist.

Zusätzlich wollten wir wissen, wie es konkret aussehen könnte, wenn Führungskräfte "mehr wie Frauen denken". Deshalb baten wir die eine Hälfte unserer Stichprobe, also etwa 32.000 Menschen weltweit, 125 verschiedene Charaktereigenschaften als männlich, weiblich oder neutral einzuordnen; die andere Hälfte sollte dieselben Eigenschaften danach bewerten, wie wichtig sie für Führungsqualität, Erfolg, Ethik und Glück sind. Statistische Analysen zeigten: Es gibt einen klaren Konsens darüber, dass weibliche Eigenschaften unverzichtbar für eine gute Führungskraft sind.

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