Der Wert weiblicher Kompetenzen

23. September 2013

2. Teil: Die 10 wichtigsten Kompetenzen

Wir sind in 18 Länder gereist und haben dort mehr als 100 innovative Frauen und Männer in Medizin, Politik, Bildung, Start-ups, Nichtregierungsorganisationen und anderen Bereichen ihrer Volkswirtschaften befragt. Dabei sind uns unter anderem die zwei folgenden Beispiele begegnet, die zeigen, wie jedermann mit einer stärker weiblich anmutenden Haltung vorangehen kann.

Die 10 wichtigsten Kompetenzen für moderne Führungskräfte
In einer Befragung von 64.000 Menschen weltweit korrelierten die folgenden Eigenschaften am stärksten mit der Vorstellung von der „idealen modernen Führungskraft“

ALS WEIBLICH ANGESEHEN ALS MÄNNLICH ANGESEHEN
1. ausdrucksstark
2. plant für die Zukunft
3. entscheidungsfreudig
4. besonnen
5. loyal
6. flexibel
7. geduldig
8. widerstandsfähig
9. intuitiv
10. kooperativ
Quelle: John Gerzema, BAV Consulting, WPP Group Plc, 2012
Empathie sorgt für Innovation. Viele Führungskräfte verwenden viel Zeit und Mühe darauf, neue Märkte zu ersinnen und Innovationen voranzutreiben. Häufig aber kann bloße Empathie einfache und trotzdem bahnbrechende Ideen entstehen lassen. So bemerkte Anna Pearson, die einige Jahre als Rechtsberaterin für wohltätige Organisationen in Großbritannien und anderswo tätig war, ein Muster: Sie traf viele Menschen, die sich gern engagiert hätten - aber zu wenig Zeit (oder zu schlecht planbare Termine) hatten, um sich fest für eine Sache zu verpflichten. Es gab also eine Lücke zwischen dem, was Freiwillige zu tun bereit waren, und den Bedürfnissen von Hilfesuchenden. Um sie zu schließen, erfand Pearson ein Freiwilligen-Engagement im sehr kleinen Maßstab: Ihre in London sitzende Organisation Spots of Time bringt Menschen, die jeweils nur etwa eine Stunde am Stück erübrigen können, mit Hilfsorganisationen zusammen. Das geschieht oft auch ganz kurzfristig. Die Lehre daraus? Pearson richtete ihr Mitgefühl nicht nur auf die Leute, die von wohltätiger Arbeit profitieren sollen, sondern auch auf die freiwilligen Helfer. Diese Freundlichkeit und Sensibilität für andere war der Katalysator für ihre Kreativität.

Schwäche verwandelt sich in Stärke. Heutzutage findet man kaum noch einen Artikel über Management-Techniken, in dem nicht von "Lernen durch Scheitern" die Rede ist. Aber vielleicht würde es viel weniger Scheitern geben, wenn wir uns im vornherein darüber im Klaren wären, dass wir nicht alles wissen können. In Berlin haben wir Dr. Ijad Madisch getroffen, einen in Harvard ausgebildeten Virologen, der bei seinen Experimenten häufig steckenblieb. Als er seine Kollegen deswegen um Hilfe bat, wurde er kritisiert - Spitzenforscher sollten ein Image überlegener Kompetenz pflegen. Madisch aber erkannte, dass die Wissenschaft eine globale Community brauchte, in der Fortschritte wichtiger sind als Egos. Also startete er ResearchGate, ein soziales Netzwerk für Wissenschaftler, das inzwischen rund drei Millionen Mitglieder in 200 Ländern hat. Die Lehre daraus? Indem er sich aus der Deckung wagte und sich offen und bescheiden zeigte, half Madisch nicht nur sich selbst, sondern inspirierte auch andere, sich seinem Anliegen anzuschließen. Dadurch kommt die Forschung viel schneller voran als mit dem alten Ansatz, isoliert im eigenen Stübchen zu arbeiten und sich nur ab und zu bei Konferenzen zu treffen.

Die Arbeitswelt von heute erfordert ein neues Paradigma für Führungsqualität. Schauen Sie sich unsere Liste (siehe Tabelle) der modernen Kompetenzen an und fangen Sie damit an, sie sich anzueignen - egal ob sie ein Mann sind oder eine Frau.

Zum Autor
John Gerzema ist Chairman der Beratung WPP Group’s BAV Consulting and Fellow am Athena Center For Leadership des Barnard Colleges. Er ist Ko-Autor des neuen Buchs The Athena Doctrine: How Women (And The Men Who Think Like Them) Will Rule The Future.

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