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07.09.2012

Blog

Was Unternehmen von Studenten lernen sollten

Von Armin Trost

Studenten von heute engagieren sich nur, wenn es sich für sie lohnt. So lautet ein gängiges Vorurteil, das von studentischen Organisationen ad absurdum geführt wird. Hier entstehen mit Begeisterung und Kreativität zukunftsweisende Konzepte. Jetzt sind die Unternehmen am Zug.

Mitte Juni kamen mehrere Hundert Studenten von Hochschulen aus ganz Deutschland in St. Leon-Rot zusammen und präsentierten ihre Projekte. Es war eine Veranstaltung der weltweiten studentischen Organisation "Student in Free Enterprise" (SIFE). Darunter waren zahlreiche vielversprechende Ideen und Projekte:

  • Ein Team zeigte, wie es mit einer einfachen "Technologie" (eine mit Wasser gefüllte Plastikflasche) den Menschen in Slums der Dritten Welt hilft Tageslicht in ihre finsteren Behausungen zu bekommen.

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  • Ein anderes Team verhilft Rentnerinnen, die an der Armutsgrenze leben, zu einem zusätzlich Einkommen: Sie haben eine Infrastruktur entwickelt, über die die Rentnerinnen selbst gestrickte Babykleidung verkaufen und so ihren Lebensunterhalt verbessern können.
  • Ein anderes Team hat ein Unternehmen gegründet, in dem Behinderte Kekse backen, die Kunden bis ins Detail personalisieren können. Mehrere Arbeitsplätze wurden dadurch dauerhaft geschaffen.

Es gab noch viele weitere Ideen, für die hier der Platz nicht reicht. Sie alle haben etwas gemeinsam: Selten habe ich so viel Begeisterung, Energie, Kreativität und Tatkraft erlebt, wie auf dieser Veranstaltung. An unterschiedlichen Hochschulen entwickeln SIFE-Teams eigenständig Projekte im Bereich der Nachhaltigkeit. Einmal im Jahr kommen die Teams in Deutschland zusammen und präsentieren ihre Projekte. In der Jury sitzen ehemalige Mitglieder und Unternehmensvertreter. Auf der Veranstaltung im Juni trafen rund 400 Studenten auf rund 200 Jury-Mitglieder - ein gigantisches Netzwerktreffen. Die Gewinner, in diesem Jahr das Team der Universität Mannheim, reisen im September nach Washington D.C. wo ein weltweiter Wettbewerb unter der Schirmherrschaft von Hillary Clinton stattfinden wird.

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Ich will hier keine Werbung für SIFE machen. (Aber nebenbei: ich empfehle jedem Unternehmen, ob groß oder klein, sich für SIFE als Sponsor zu engagieren. Bevor Sie mehrere Tausend Euro für einen Stand auf irgendeiner Karrieremesse ausgeben, engagieren Sie sich lieber hierfür. Das Geld ist besser angelegt und Sie erreichen am Ende richtig gute Studenten.)

Es geht mir um etwas anderes: Was sollten Unternehmen daraus lernen? Es kommt die Zeit, wenn Studenten nach ihrer Zeit an der Hochschule und bei SIFE auf die Arbeitswelt treffen. Ich mache mir Sorgen, dass diese Energie und Kreativität in den starren, autoritären, hierarchischen Strukturen so mancher Unternehmen und deren begrenzten Blick auf die eigenen Interessen erstickt wird.

Andersherum betrachtet: Wie sollte die Wirtschaftswelt sein, dass junge Absolventen ihr Talent und ihre Motivation in Unternehmen weiterhin so entfalten können, wie sie es während ihres Studiums getan haben?

Liebe Vorstände, Personalleiter, Führungskräfte, Betriebsräte: Hier sind meine persönlichen Empfehlungen, die ich aus dem Phänomen SIFE ableite.

  • Gebt den jungen Leuten Freiräume um eigene Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Lasst sie auch Fehler machen. Sie werden daraus lernen. Die Arbeit mit Studenten funktioniert dann am besten, wenn man sie in Ruhe lässt und ihnen volles Vertrauen schenkt, aber immer zur Stelle ist, wenn es brennt.
  • Vermittelt den Mitarbeitern einen höheren Sinn für das, was sie täglich tun. Zumindest sollten Sie ihnen die Chance geben, den Sinn ihres Engagements zu erkennen.
  • Hört auf in der Kategorie "Arbeitszeit" zu denken. Zumindest SIFE-Studenten schauen nicht auf die Uhr. Vor den Wettbewerben arbeiten sie Tag und Nacht - nicht weil andere das wollen. Sondern weil sie es selbst wollen.
  • Gebt den besten Leuten eine Bühne. Gute Leute wollen zeigen, was sie drauf haben und sich in einem natürlichen Wettbewerb mit Anderen messen. Wettbewerbe schaffen Gewinner. Aber am Ende feiern immer alle - und zwar richtig.
  • Zukünftige Generationen denken und handeln in Netzwerken, und das nicht nur auf Facebook. Gute Leute lernen von anderen guten Leuten - und immer seltener von ihrer direkten Führungskraft. Deshalb sind zukünftig weniger Vorgesetzte sondern mehr Vernetzer gefragt.

Immer wenn ich mit Studenten zusammenarbeite, lerne ich dazu. Unternehmen sollten das auch tun. Es lohnt sich, von der nächsten Generation zu lernen und die Rahmenbedingungen anzupassen anstatt ihnen nur zu zeigen, wie Organisationen seit Jahrzehnten funktionieren. Das Potenzial ist größer als so mancher annimmt. Am Ende profitieren alle davon.

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insgesamt 3 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
12.09.2012 von drknow22:

fsadmin da Stimme ich zu! Habe auch das Gefühl, das Unternehmen sich gerne darauf ausruhen, das Absolventen was von Ihnen möchten und nicht umgekehrt! Denke um dem ganzen entgegenzuwirken sollte es beidseitige Aktivitäten geben! Diese Situation ist leider Mangelware. Woran es liegt? Trotz und zu wenig Eigeninitiative! mehr...

07.09.2012 von lutzbecker: Talente

Ich kann dem Kollegen Trost nur zustimmen. Nach mehreren Jahren Arbeit mit dem SIFE Team unserer Hochschule habe ich immer wieder feststellen können, welches enorme Potenzial Studierende dabei entfalten können. Im Rahmen solcher extracurricularen Aktivitäten - es muss nicht zwingend SIFE sein - entwickeln die Studierenden eine ausgeprägte Fähigkeit, sich selbst zu organisieren und Projekte eigenverantwortlich zum Erfolg zu führen. Sie lernen [...] mehr...

07.09.2012 von Unregistriert: Robarth

ich habe den Artikel gelesen und kann folgendes zusammen fassen: 1. Studenten und Professoren und die Führungskräfte der Unternehmen sollten mehr zusammen arbeiten und gemeinsame Ziele formulieren. 2. Die Unternehmen sollten die Diplomarbeiten, Masterthesis etc. und spezielle Projekte der Universitäten /FH von sich aus unterstützen und damit auch ihre zukünftigen Mitarbeiter/Führungskräfte kennen lernen 3. Kennen Sie den Podcast: "Träumen für [...] mehr...

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"Mitarbeiterbefragung als Instrument strategischer Unternehmensführung." (PDF) ; In W. Bungard & I. Jöns (Hrsg.), Feedbackinstrumente im Unternehmen (S. 197-208). Wiesbaden: Gabler

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